Berlin

Gedenkort auf dem Güterbahnhof Moabit eröffnet

Neue Ausstellung auch in Oranienburg zu KZ-Verbrechen

Es hat lange gedauert, bis die Bedeutung des Güterbahnhofs Moabit, dem wichtigsten "Deportationsbahnhof" Berlins, überhaupt bekannt war. Erste Initiativen für einen Erinnerungsort gab es bereits in den 80er-Jahren. Doch da gehörte das Areal noch der Reichsbahn und wurde von der DDR bewirtschaftet. Seit Freitag ist der kleine Rest des früheren Güterbahnhofs – so sind nur noch Fragmente eines Gleises, die Spundwand der Militärrampe und der Pflasterweg zur Quitzowstraße erhalten – ein würdiger Gedenkort. Er erinnert an die rund 30.000 Berliner Juden, die in Gettos, Lager und Vernichtungsstätten gebracht wurden.

Den 250 Quadratmeter großen Streifen zwischen einem Baumarkt und einem Discounter zwischen Ellen-Epstein-Straße und Quitzowstraße hat das Künstlerkollektiv "raumlaborberlin" gestaltet. 20 etwa sechs bis sieben Meter hohe Waldkiefern haben sie pflanzen lassen – sie ergeben einen Hain, dessen Baumkronen den Gedenk- und Erinnerungsort irgendwann schützend einfassen werden. Die mit weißer Stamm-Schutzfarbe gestrichenen Bäume sind für das Künstlerkollektiv ein grafisches Mittel, um die Besonderheit des Ortes sichtbar zu machen. "Der Hain erinnert an eine weit entfernte Landschaft und sorgt möglicherweise auch für Irritationen", sagte Architekt und Künstler Francesco Apuzzo, der die Idee dazu mit Jan Liesegang entwickelte. "Eine eindrucksvolle Installation", lobte Andreas Nachama, Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors".

Um Massenmord geht es auch in der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte Oranienburg. "Wir wollen mit unserer Ausstellung zeigen, dass Vorsatz, Planung und Ausführung der Morde im KZ Sachsenhausen den festgelegten Prinzipien der arbeitsteiligen Täterschaft folgten", sagte Stiftungsdirektor Günter Morsch am Freitag. Die Ausstellung wird Sonntag eröffnet.

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