Verkehrsverbund

Bahn bindet mit "Netz Elbe-Spree" Berlins Umland besser an

Bahnfahrer sollen bereits zum Jahresende mit engerer Taktung zwischen Potsdam, Berlin und Frankfurt unterwegs sein.

Nirgendwo in Deutschland steigen die Fahrgastzahlen im Regionalverkehr so stark wie in der Hauptstadtregion. Regionalexpresszüge und -bahnen haben nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) im Vorjahr mehr als 81 Millionen Reisende befördert – ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber 2015 (77 Millionen Fahrgäste). Zum Vergleich: 2001 waren gerade einmal 42,6 Millionen Fahrgäste mit dem Regionalzug unterwegs. Die Schattenseite der Erfolgsstory: Immer öfter stoßen die Deutsche Bahn und die anderen Regionalzuganbieter an ihre Kapazitätsgrenzen. Vor allem auf Linien, die Berlin mit dem Umland verbinden, sind die Züge wegen der vielen Berufspendler und Studenten oft brechend voll.

Fahrgastzahlen in 16 Jahren nahezu verdoppelt

Angesichts dieser Entwicklung planen die Länder und der VBB nun spürbare Angebotsverbesserungen. So sollen auf den am stärksten nachgefragten Verbindungen künftig mehr Züge fahren. Und damit es weniger Verspätungen gibt, sind auch Veränderungen im bisherigen Liniennetz geplant. "Wachstum freut uns, denn es zeigt, dass das Angebot gut ist und nachgefragt wird, aber es bringt auch Probleme mit sich. Wir brauchen mehr Zugfahrten und mehr Flexibilität im Angebot", sagte dazu VBB-Chefin Susanne Henckel.

Länder wollen auf wichtigen Linien mehr Angebot bestellen

Der große Wurf ist allerdings erst für Dezember 2022 vorgesehen. Dann läuft der Verkehrsvertrag für das "Netz Stadtbahn" aus, zu dem die wichtigsten Linien in der Region Berlin-Brandenburg gehören, der RE1 (betrieben von den DB-Tochter Regio Nordost) sowie RE2 und RE4 (betrieben von der Ostdeutsche Eisenbahn Odeg). Die Länder Berlin und Brandenburg planen mit der Ausschreibung des Auftrags eine deutliche Angebotsausweitung, die Rede ist von drei Millionen Zug-Kilometer im Jahr. Ein spürbares Leistungsplus von fast 14 Prozent, legen die Züge aktuell rund 22 Millionen Kilometer im Jahr zurück. Der Milliarden-Auftrag wird nach Informationen der Berliner Morgenpost im November diesen Jahres europaweit ausgeschrieben. Damit haben die Bewerber genügend Zeit, sich entsprechende Angebote bei den Fahrzeugherstellern einzuholen.

Das künftig als "Netz Elbe-Spree" bezeichnete Angebot soll insgesamt 15 Verbindungen umfassen, die im Prinzip alle durch oder nach Berlin führen. Erste Vorstellungen für das Netz hat Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider jetzt vorgestellt. Danach soll der Takt auf der Linie RE1 weiter verdichtet werden, aktuell fahren die Züge zwischen Frankfurt (O.) und Brandenburg/H. tagsüber alle halbe Stunde, was vor allem zwischen Berlin und Potsdam längst nicht mehr ausreicht.

Neue Linien für Pendlerregionen geplant

Die Linie RE2 wird wegen ihrer extremen Länge (von Wismar über Berlin bis nach Cottbus) neu konzipiert. Die Züge sollen dann nur noch zwischen Nauen und Cottbus fahren. Dafür soll es dann einen neue RE-Linie geben, die von Wittenberge in der Prignitz über Berlin nach Elsterwerda im Landkreis Elbe-Elster führt. Auf der bei Berufspendlern besonders nachgefragten Verbindung zwischen Nauen, Falkensee und Berlin sollen drei Regionalzüge pro Stunde fahren (RB 10/14 und RE2). Eine Verlängerung der S-Bahn über Spandau bis nach Falkensee ist aber weiter in der Diskussion. Geplant ist auch die neue Regionalbahnlinie 32, die von Ludwigsfelde über Schönefeld (BER) und Berlin bis nach Oranienburg führt. Damit würde es eine zusätzliche Bahn-Anbindung des neuen Großflughafens geben.

""Das ist jetzt ein Zwischenstand, den wir mit den Verantwortlichen in den Regionen und den Verbänden besprechen wollen. Ob das umgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt von der Bahn und den anderen Bundesländern ab", sagte dazu Steffen Streu, Sprecher des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung.

Verbesserungen im Fahrplan schon bis Ende des Jahres

Unabhängig vom Ergebnis der Ausschreibung: Kleinere Angebotsverbesserungen soll es bereits zum nächsten Fahrplanwechsel Ende des Jahres geben. So soll der RE1 (Frankfurt O.–Berlin–Magedeburg) auf der Fahrt in Richtung Westen auch an den Potsdamer Stationen Charlottenhof und Park Sanssouci halten. Die Haltepunkte sind speziell bei Studenten nachgefragt, die in Berlin wohnen, aber an der Universität Potsdam studieren. Bessere Umsteigemöglichkeiten bietet auch der Berliner Bahnhof Ostkreuz, an dem ab Dezember neben dem RE1 auch der RE2, der RE7 und RB14 halten werden. Beim RE3 ist eine zusätzliche Fahrt am Morgen zwischen Falkenberg und Berlin geplant, für den RE5 eine Zusatzfahrt am Abend von Berlin (Abfahrt 22.15 Uhr) nach Baruth/Mark und zurück.

Auf den Regionalbahnlinien 21/22, die die Berliner Innenstadt mit den Potsdamer Uni-Standorten verbindet, ist eine zusätzliche Fahrt zwischen Griebnitzsee und Potsdam Hauptbahnhof vorgesehen. Bei der RB24 (Eberswalde–Berlin–Senftenberg) wird die letzte Abendfahrt von Lübbenau bis nach Cottbus verlängert. Aus der Lausitz-Metropole kommen immer mehr Berufspendler nach Berlin, gleichzeitig steigt kontinuierlich die Zahl der Studenten, die an der dortigen Technischen Universität studieren. Auf der Strecke der RB55 (Hennigsdorf–Kremmen) soll der 20-Minuten-Takt bis 18.30 Uhr verlängert werden, die vor allem von Berufspendlern aus Polen und Strausberg genutzte RB26 (Berlin–Küstrin/Kostrzyn) bekommt, wie bereits berichtet, einen zusätzlichen Halt in Berlin-Mahlsdorf.

Fahrzeug-Kapazität weiterhin zu gering

Weitere Verbesserungen scheitern derzeit auch an fehlenden Fahrzeug-Kapazitäten bei den Bahnen. So wartet die Deutsche Bahn noch immer auf neue Doppelstockzüge, die auf der Regionalexpresslinien 3 und 5 fahren sollen. Auch beim RE2 wünschen sich alle Beteiligten mehr Platz in den Zügen. Doch die Odeg wird vorerst weiter nur mit vierteiligen Triebwagenzüge fahren. Zwar war bei der Bestellung der Züge auch ein fünfter Wagen optional vereinbart, doch der Hersteller Stadler kann und will diesen wegen möglicher Probleme mit der Zulassung nicht liefern. Auch die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) leidet unter den Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Pesa-Dieseltriebwagen, die er für dringend notwendige Kapazitätsverbesserungen auf der RB26 benötigt.

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