Abriss am Kudamm

Berlins Gloria-Palast wird abgerissen - trotz Denkmalschutz

Die Oberste Denkmalschutzbehörde hat verfügt: Die letzten Reste des ehemaligen Kinos am Kudamm 12 dürfen abgerissen werden.

An das einstige Gloria-Kino am Kurfürstendamm wird künftig höchstens eine Gedenktafel erinnern

An das einstige Gloria-Kino am Kurfürstendamm wird künftig höchstens eine Gedenktafel erinnern

Foto: Frank Lehmann

Ein Kino ist das „Gloria“ am Kudamm schon lange nicht mehr. Immerhin die Fassade war erhalten geblieben und kündete denkmalgeschützt von der großen Zeit der Kudamm-Kinos. Doch auch die soll nun fallen. Die Oberste Denkmalschutzbehörde hat dem Abriss zugestimmt. Ihre Begründung: „Die Auswertung der Gutachten ergab, dass der Erhalt der denkmalbestimmenden Substanz durch die erforderliche Sanierung nicht möglich ist. Ohnehin ist durch in der Vergangenheit erfolgte Umbaumaßnahmen die Denkmalauthentizität bereits erheblich beeinträchtigt.“

Um die Häuser Kurfürstendamm 12–15 am Fuß des Upper West wird seit mehr als einem Jahr zwischen Bezirk und Bauherren gerungen. Die beiden Eigentümergesellschaften, die Centrum Holding aus Düsseldorf und die Firma RFR aus Frankfurt am Main, denen auch der Hochhaus-Turm Upper West gehört, wollen die Häuserzeile abreißen lassen und einen Neubau errichten. Denen steht das „Gloria“, das 1952–1953 nach Plänen der Architekten Siegfried Fehr und Gerhard Jäckel erbaut wurde, nun nicht mehr im Weg. Von dem ehemaligen Kino waren das restaurierte Foyer mit dem Kassenhäuschen und der Wendeltreppe sowie die Leuchtreklame an der Fassade erhalten geblieben.

„Der Bezirk hat sich anhand von 20 technischen Gutachten, die alle zu dem Ergebnis kommen, diese alte denkmalgeschützte Fassade ist so nicht mehr zu retten, überzeugen lassen“, sagte Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Das Landesdenkmalamt war nicht dieser Ansicht, weshalb die Angelegenheit von der Obersten Denkmalschutzbehörde im Hause von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) entschieden wurde.

Vermutung: Rendite gegen Denkmalschutz

Für den Bauhistoriker Dietrich Worbs, der 1985 bis 2004 beim Landesdenkmalamt in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung arbeitete, ist die Entscheidung „unfassbar“. Er selbst habe sich dafür eingesetzt, dass das Gebäude unter Schutz gestellt wurde. Das Kino sei einer der ersten Neubauten nach dem Krieg am Kurfürstendamm gewesen. „Hier gingen Leute wie Ernst Reuter ein und aus. Es war eines der ersten Berlinale-Kinos“, so Worbs.

Auch Gabriele Timper, SPD-Bezirksverordnete und Mitglied im Denkmalbeirat des Bezirks, bedauert die Entscheidung der Obersten Denkmalschutzbehörde: „Natürlich wäre eine Sanierung finanziell aufwendig gewesen, aber in dieser Toplage am Kudamm sind ja auch die Rendite-Aussichten vielversprechend. Es verwundert schon, dass sich der Stadtrat nicht mehr für den Erhalt eingesetzt hat.“

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