Schloßplatz in Mitte

Was Sie über den Bau des Einheitsdenkmals wissen müssen

Das Einheitsdenkmal in Berlin wird nun doch auf dem Schloßplatz in Mitte gebaut. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Bau.

Die Computergrafik zeigt den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Milla & Partner für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal

Die Computergrafik zeigt den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Milla & Partner für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal

Foto: Handout / dpa

Nach einem jahrelangen, beispiellosen Hin und Her soll das Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin nun doch auf dem Schloßplatz in Mitte gebaut werden. Darauf hat sich der Bundestag in der Nacht zum Freitag mit klarer Mehrheit geeinigt. Nur die Linken stimmten dagegen. Das Denkmal „Bürger in Bewegung“ in Form einer begehbaren Waage neben dem rekonstruierten Schloss soll an die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedergewinnung der Einheit erinnern. Doch wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Ab wann wird gebaut?

Theoretisch könnten die Bauarbeiten sofort starten. Wie das Architekturbüro Milla & Partner mitteilte, das den Entwurf für das Denkmal lieferte, liegt eine gültige Baugenehmigung bereits seit zwei Jahren vor. Auch die Konstruktion ist bereits vom Tüv abgenommen. Dass noch nicht mit dem Bau begonnen wurde, liegt daran, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages vor gut einem Jahr die Mittel für das Projekt gestoppt hatte. Der Bundestag beschloss mit dem Antrag nun, die Mittel weiter zur Verfügung zu stellen. Fertig sein soll das Denkmal nach dem Wunsch des Parlamentes zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution im Herbst 2019. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) solle noch in dieser Legislaturperiode den Bau des Denkmals veranlassen.

Wie hoch sind die Kosten?

Der Bundestag hatte 2007 und 2008 beschlossen, dass Deutschland mit einem Denkmal in Berlin an den Fall der Mauer 1989 erinnern wird. Das Büro Milla & Partner aus Stuttgart hatte den Wettbewerb zur Errichtung des Denkmals gewonnen. Die Kosten wurden damals mit zehn Millionen Euro angesetzt. Der Haushaltsausschuss des Bundestages stoppte im Frühjahr 2016 den Bau der begehbaren Waage, weil die Kosten angeblich von elf auf 14,6 Millionen Euro gestiegen waren. In diese Kosten waren aber gut drei Millionen Euro für die denkmalgerechte Sanierung des historischen Sockels des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals eingerechnet worden. Doch diese Sanierung ist längst abgeschlossen „und hat mit unserem Denkmal rein gar nichts zu tun“, betonte Architekt Johannes Milla am Freitag gegenüber der Berliner Morgenpost. Geld genug ist vorhanden: Im November 2016 stellten die Haushälter 18,5 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Kolonnaden des Kaiser-Wilhelm-Denkmals bereit. Dieses Geld wird nicht mehr benötigt. Mit dem Bau der Waage hat sich die Rekonstruktion der Kolonnaden erledigt.

Wo genau steht das Denkmal?

Die Kritik an dem geplanten Einheitsdenkmal mit dem Namen „Bürger in Bewegung“ hat sich vor allem an dem Ort entzündet, an dem es entstehen soll. Das Freiheits- und Einheitsdenkmal entsteht gegenüber dem Westportal des Schlosses, das derzeit als Teilrekonstruktion wieder aufgebaut wird. Errichtet wird es auf dem noch erhaltenen Sockel des Reiterstandbildes von Kaiser Wilhelm I., zwischen Schlossfreiheit und Kupfergraben. Der Denkmalschutz hat jedoch dem Bau der Schale, die auf „Tischbeinen“ an sieben Stellen durch das Mauerwerk des Sockels geführt werden, zugestimmt.

Wie funktioniert das Denkmal?

Die Konstruktion der Schale erfolgt über ein Tragwerk aus Stahlbauteilen, wie man es vom Brückenbau kennt. Sie ist 50 Meter lang und 18 Meter breit. An ihrer stärksten Stelle misst die Schale 2,50 Meter und verjüngt sich zum Rand bis auf wenige Zentimeter. Die Bewegung der Schale wird von den Besuchern ausgelöst. Ihr Gewicht bestimmt Maß und Geschwindigkeit der Neigung. Wenn auf der einen Seite der Schale 30 Besucher mehr als auf der anderen Seite stehen, senkt sie sich schnellstens in 50 Sekunden um 3,20 Meter ab.

Was sagen die Berliner dazu?

Eine Umfrage von Infratest dimap ergab, dass nur 29 Prozent der Befragten in der Hauptstadt das Denkmal „Bürger in Bewegung“ sehr gut oder gut finden. Fast die Hälfte mag den Entwurf nicht oder gar nicht. Anders sieht es im Bund aus. Dort bilden Befürworter und Gegner des geplanten Denkmals mit jeweils 33 Prozent gleich große Lager. „Braucht Berlin ein Einheitsdenkmal?“, fragte die Berliner Morgenpost in einer Online-Umfrage. Pro und Contra halten sich unter den Teilnehmern fast die Waage. Eine knappe Mehrheit (52 Prozent) votierte gegen die Wippe, immerhin 43 Prozent sahen das geplante Einheitsdenkmal positiv. Fünf Prozent der Teilnehmer zeigten sich neu-tral.

Was sagt der Senat?

In Berlin hatte sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erst kürzlich für das geplante Denkmal auf der Schlossfreiheit ausgesprochen. Müller sagte auch, die friedliche Revolution in der DDR und der Mauerfall seien ein „Glücksfall der Geschichte, der zu würdigen ist“. Damit positionierte sich der Regierende Bürgermeister erstmals öffentlich für die Waage und stellte sich zugleich gegen Kultursenator Klaus Lederer und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. Beide Linke-Politiker hatten sich gegen das Denkmal und den geplanten Standort ausgesprochen.

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