Parzellen droht das Aus

Berliner Kleingärtner fürchten um ihre Kolonien

Schrebergärtner in Berlin sind alarmiert: Durch Bauprojekte könnte 3000 Parzellen bis 2025 das Aus drohen.

Ein Schrebergarten in Berlin

Ein Schrebergarten in Berlin

Foto: dpa / dpa/DPA

Berlins Schrebergärtner schlagen Alarm. Durch Bauprojekte drohten 3000 Parzellen bis 2025 das Aus. Am zweiten Tag des Bundeskongresses der Kleingärtner am Alexanderplatz sagte der Präsident des Berliner Landesverbandes, Günter Landgraf am Freitag, dass der Bedarf an neuen Wohnungen in der Hauptstadt durchaus mit dem Erhalt der rund 900 Kolonien in Berlin vereinbar sei.

Im Bundesvergleich ist die Zahl der Parzellen in keiner Stadt höher als in Berlin. Die hiesigen Umwälzungen bereiten aber vielen der 73.000 Kleingärtner Sorgen. Für ein Bauprojekt in Schmargendorf mit 900 Wohnungen etwa wurde 2016 die Hälfte einer der traditionsreichsten und größten Kolonien der Stadt, Oeynhausen, geräumt. Gegen einen Bürgerentscheid. In Ungewissheit leben derzeit die Hobbygärtner in 29 Parzellen des Marzahner "Sorgenfrei e.V.", berichtete Landgraf. Die Deutsche Bahn biete das Areal zum Verkauf.

Während er in Bezirken und von Landesseite Zusicherungen zur Bestandswahrung bekomme, sei er bei Kleingartenflächen, die sich in Privathand befinden, hilflos, sagte Landgraf. Das betreffe etwa ein Viertel der Grundstücke. Gleichzeitig sei die Nachfrage von Menschen, die Parzellen suchen, groß. 14.000 Interessenten stehen derzeit auf der Warteliste. Aber nur 3000 Lauben werden jährlich in Berlin frei.

Der große Bedarf entsteht auch, weil sich das Image der Gärtnerei in der Großstadt verändert hat. So gingen in Deutschland laut Bundesverband 45 Prozent aller Neuverpachtungen während der vergangenen fünf Jahre an Familien mit Kindern. Das Durchschnittsalter aller Pächter liegt aber noch bei 60 Jahren.

"Es gibt einen Wunsch nach Parzellen, der nicht zufriedengestellt werden kann", sagte Landgraf. Er appellierte an Bauunternehmen, bei Projekten, die Kleingärtner vertreiben, die Betroffenen einzubeziehen. Wo eine Stadt wachse, müsse auch der Kleingartenanteil zunehmen.

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