Politik

"Die Urbane": Berlin hat jetzt eine Hip-Hop-Partei

In der Hauptstadt hat sich eine Partei gegründet, deren Mitglieder Rapper, Sprayer, DJs und mehr sind. Sie wollen in den Bundestag.

Hip-Hopper wollen in den Bundestag

Hip-Hopper wollen in den Bundestag

Foto: Die Urbane/BM

Realpolitisch sind deutsche Rapper, DJs, Sprayer und andere Mitglieder der Hip-Hop-Szene bislang eher wenig in Erscheinung getreten. Längst vergessen sind Ereignisse wie die öffentlich im Fernsehen übertragene Diskussion zwischen dem Hamburger Rapper Samy Deluxe und dem inzwischen verstorbenen FDP-Granden Guido Westerwelle. Deluxes Rap-Kollege Afrob soll der CDU nahestehen und Bushido hat sogar mal ein Praktikum bei einem CDU-Bundestagsabgeordneten gemacht um im vergangenen Jahr zu bekunden, die AfD wählen zu wollen. So viel zu den etablierten Parteien.

Doch nun tritt plötzlich eine neue Partei auf den Plan, die sogar auf eine Zulassung zur Bundestagswahl hofft. Am 1. Mai hat sich in Berlin "Die Urbane. Eine HipHop Partei" gegründet. "Urban ist Progressivität und multikultureller Schmelztiegel, keine theoretischen Thesen, es ist unsere Realität", beschreiben die Mitglieder etwas kryptisch ihr Selbstverständnis. Urbanität bedeute, zu wissen, wie wichtig es ist, "hinter Begriffen, wie Gleichberechtigung, Antidiskriminierung, Empowerment oder Teilhabe mehr zu sehen als Worthülsen". Damit ist die Messlatte gelegt: Man will sich absetzen vom doch eher zwielichtigen Image, das der Hip-Hop-Kultur bisweilen anhaftet. Direkte Demokratie statt Driveby-Shootings, Frauenförderung statt "Bitches und Bling".

Ein Programm haben die "Urbanen" noch nicht

Mit dabei ist auch die Berlinerin DJ Freshfluke, die mit der linken Rapperin Sookee zusammenarbeitet. Auf die Frage, was Hip-Hopper zum politischen Diskurs beitragen können, sagt sie: "Wir sind sensibel für die Nöte marginalisierter Gruppen in unserer Gesellschaft. wir wissen, wie Menschen über sich hinauswachsen können, wenn sie Teilhabe und Repräsentanz erfahren." Weil man nicht "aus dem Elfenbeinturm", sondern aus dem echten Leben komme, könne man die Bedürfnisse verschiedener diskriminierter Gruppen verstehen. Dazu gehörten Menschen mit Behinderung, Hartz4-Empfänger, Alleinerziehende oder Migranten.

Ein Programm hat "Die Urbane" noch nicht, es soll aber "sehr bald" kommen. Auch zu überregional bekannten Mitgliedern ist bisher noch nichts durchgestochen. Zudem ist fraglich, ob es für eine Partei ausreicht, dass die Mitglieder das gleiche Hobby teilen. Aber sie wären nicht die ersten, die unter politischen Geburtswehen leiden. Die Piratenpartei kann davon ein Lied rappen. Überzeugen kann man sich von der wohl jüngsten Partei Berlins am Samstag ab 16 Uhr im Cassiopeia in Friedrichshain, dann stellen sich die "Urbanen" der Öffentlichkeit vor.

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