Neue Studie

In Berlin fehlen 13.129 Kitaplätze

Die Studie beruht auf Befragungen von Eltern aus dem Jahr 2016. Demnach lag der Bedarf rund 12 Prozent über dem Angebot.

Kinder werden in einer Kita betreut (Archivbild)

Kinder werden in einer Kita betreut (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

In Berlin fehlen 13 129 Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln (IW). Die Studie beruht auf Befragungen von Eltern, die 2016 durchgeführt worden sind. Bundesweit ist die Betreuungslücke demnach auf fast 300.000 gestiegen. Besonders viele Plätze fehlen in Nordrhein-Westfalen (77.459).

Laut Studie waren im Jahr 2016 in Berlin 45,9 Prozent der insgesamt 110.324 Kinder im Alter von unter drei Jahren betreut. Die Umfrage hatte aber einen Bedarf von 57,8 Prozent ergeben. 11,9 Prozent der Kinder (13 129) hatten demnach keinen Platz bekommen, obwohl sich die Eltern eine Betreuung wünschten. Die Gründe für den Mangel sieht IW-Ökonom Wido Geis in einem ständig steigenden Bedarf. „Immer mehr Frauen wollen immer früher zurück in den Job, deshalb sind Familien früher auf Betreuung angewiesen.“

Iris Brennberger, Sprecherin von Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte der Berliner Morgenpost, dass die Studie ein falsches Bild vermittelt. Eltern von Kindern unter drei Jahren seien gefragt worden, ob sie sich einen Kitaplatz wünschten. „Daraus wurde eine angebliche Betreuungslücke hochgerechnet, die Lücke zwischen ‘Wunsch’ und ‘Wirklichkeit’“, sagte Brennberger. Das sei unrealistisch. Sie bestätigte, dass Ende 2016 rund 52.000 von insgesamt 112.503 Kindern der Altersgruppe unter drei Jahren in einer Kita oder der Kindertagespflege betreut worden sind. Das entspreche einer Betreuungsquote von 47 Prozent.

Auch Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden, Daks, stellte die Berechnungen des Instituts für deutsche Wirtschaft in Frage. Dennoch gebe es auch in Berlin längst einen Mangel an Kita-Plätzen. Gegenwärtig würden berlinweit rund 3000 Plätze fehlen, sagte Kern der Berliner Morgenpost. „Dem Wunsch- und Wahlrecht der Eltern bezüglich eines Kitaplatzes kann nicht mehr entsprochen werden.“ Senatorin Scheeres würde sich zwar bemühen und die Zahl der Kitaplätze immer weiter ausbauen, dem ständig steigenden Bedarf würde sie aber nicht gerecht werden können.

Die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita, Katrin Molkentin, sagte, dass es in Berlin bisher keine Klagen von Eltern wegen fehlender Kitaplätze gegeben habe. „Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt.“ Vielen Eltern fehle schlicht das Geld, zu klagen. „Sie behelfen sich mit privaten Entscheidungen, reduzieren ihre Arbeitszeit, spannen die Großeltern für die Betreuung der Kinder ein oder nehmen, wenn sie selbstständig sind, die Kinder mit zur Arbeit.“ Molkentin wies auf die Konferenz der Jugend-und Familienminister hin, die heute und morgen in Quedlinburg stattfinden soll.

Dort gehe es vor allem um die Verbesserung der Qualität der Kitas. „Wir brauchen ein Bundesgesetz zur Qualitätsentwicklung in den Kindertagesstätten“, forderte sie. Bund, Länder und Kommunen müssten sich zu jeweils einem Drittel an der Finanzierung der Kitas beteiligen und dauerhaft dafür sorgen, dass es ausreichend gut qualifizierte Erzieher und eine Bildungs-und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Kita gibt. Auch die Gebührenfreiheit müsse bundesweit durchgesetzt werden.

Schließlich ist der Erziehermangel einer der Gründe dafür, dass nicht alle vorhandenen Kitaplätze angeboten werden können. Liane Berwing, Leiterin der Charlottenburger Kita Pumuckel sagte der Berliner Morgenpost, dass sie 24 Plätze nicht belegen könne, weil ihr drei Erzieher fehlen. Laut Jugendverwaltung werden bis 2020 zusätzlich rund 4 800 Erzieher benötigt, da weitere 27 000 Kita-Plätze geschaffen werden sollen.

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