Mobilität

Diese Start-ups wollen Berlin zur E-Scooter-Stadt machen

Die Start-ups „Coup“ und „Emmy“ vermieten insgesamt 2000 Elektroroller für Fahrten innerhalb des S-Bahnrings.

Ein E-Scooter in Kreuzberg

Ein E-Scooter in Kreuzberg

Foto: Moritz Thau / BM

Sie sind feuerrot, sie sind mintgrün und vor allem – es werden stetig mehr. Rollerfahren liegt in Berlin voll im Trend. Vor allem, wenn umweltfreundlich mit dem Elektro-Scooter gefahren wird. Davon profitiert auch die noch junge Mietroller-Branche.

So hat der 2015 gestartete Anbieter "Emmy" jetzt angekündigt, seinen Bestand von aktuell 350 bis zum Jahresende auf 1000 Roller mehr als zu verdreifachen. "Die Nachfrage wächst wahnsinnig, wir kommen in Berlin kaum hinterher", sagte Valerian Seither, einer der drei Gründer des am Euref-Campus in Schöneberg angesiedelten Start-ups. Er sieht einen deutlichen Trend in der Stadt – weg vom Auto, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, zum Fahrrad und eben auch zum Elektro-Roller. "Das dürfte vor allem mit dem großen Fahrspaß zusammenhängen, von dem uns unsere Nutzer berichten", so Seither.

1000 Elektro-Scooter in Berlin bis zum Sommer

Weiteres Argument für einen Wechsel zum trendigen und wendigen Roller: Wegen der vielen Baustellen und Engpässe kommen Autofahrer immer schlechter durch die Stadt. So stand im Vorjahr jeder Autofahrer 69 Stunden im Stau und brachte weitere 100 Stunden mit der Suche nach einem Parkplatz zu, so Seither. Angesichts solcher Erfahrungen würden sich immer mehr Berliner überlegen, ob sie nicht auf ein eigenes Auto verzichten könnten. "Mit dem Roller schließen wir bei der urbanen Mobilität ideal die Lücke zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Carsharing", sagte Seither.

Auch der Rollervermieter "Coup", eine 100-prozentige Tochter des Elektrokonzerns Bosch, will bis zum Sommer 1000 Elektro-Scooter auf den Berliner Markt bringen. Damit dürften die Schwaben den lokalen Anbieter Emmy unter Zugzwang gesetzt haben. Die Geschäftsmodelle der beiden Anbieter sind ähnlich: Die Smartphone-App zeigt an, wo der nächstgelegene Roller steht. Um diesen fahren zu können, muss sich der Nutzer einmalig mit Fahrerlaubnis anmelden. Bei "Emmy" geht das sogar über den Internet-Telefondienst Skype.

Eine halbe Stunde italienisches Vespa-Gefühl für drei Euro

Eine Fahrt mit dem Roller kostet bei "Coup" in der ersten halben Stunde drei Euro, jeweils zehn Extra-Minuten schlagen mit einem Euro zu Buche. Die Miete für eine Nacht kostet zehn, für einen Tag 20 Euro. Die mit Ökostrom geladenen E-Scooter sind bis zu 45 Stundenkilometer schnell und haben mit geladener Batterie einen Aktionsradius von 100 Kilometern.

Emmy berechnet für die Fahrt mit dem E-Roller 19 Cent je Minute (eine halbe Stunde Fahrt kostet demnach 5,70 Euro) oder 59 Cent je angefangenen Kilometer. Nach jeder Fahrt werde automatisch der günstigere Tarif abgerechnet, so der Anbieter. Der Tageshöchstpreis beträgt bei Emmy 24 Euro. Registrierte Nutzer buchen die Roller beider Anbieter in Berlin jeweils per App. Schlüssel sind nicht erforderlich. Nach der Fahrt werden die Zweiräder innerhalb der Geschäftsgebiete abgestellt – auf der Straße oder auf Gehwegen.

Serviceteams kümmern sich um geladene Batterien und technische Ausstattung

Das wird vom Land Berlin bislang toleriert, sofern das abgestellte Fahrzeug niemanden behindert. Das Teilen von Fahrzeugen ist in Berlin politisch erwünscht. Doch es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis die Behörden dem boomenden Markt der geteilten Fahrzeuge Grenzen aufzeigen. Denn auf Berlins Gehwegen werden demnächst nicht nur an die 2000 Elektroroller stehen, sondern auch Tausende Leihfahrräder von Deutscher Bahn und Lidl (3500 Räder) sowie vom senatsgeförderten Anbieter Nextbike (aktuell 1500, bald 5000 Räder). Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner lässt derzeit prüfen, ob für Räder, die auf öffentlichem Straßenland abgestellt werden, Gebühren verlangt werden können. Eine Entscheidung steht noch aus.

Serviceteams der Anbieter kümmern sich um geladene Batterien und die technische Ausstattung, zu der auch Helme für Fahrer (Coup) sowie für Fahrer und Beifahrer (Emmy) gehören. Eine App zeigt den Technikern der Anbieter an, welche Roller am dringendsten aufgeladen oder repariert werden müssen. Die Geschäftsgebiete erstrecken sich ungefähr auf den Berliner S-Bahnring. Emmy will künftig aber auch außerhalb der Innenstadt Roller anbieten.

Coup und Emmy sind Kopien diverser Anbieter im Silicon Valley und in Kanada: Schon seit fünf Jahren bietet etwa die Plattform "Scoot" Elektroroller in San Francisco an. Das Roller Start-up "Loop" aus Vancouver (Kanada) bietet einen ähnlichen Dienst an, von morgen an übrigens auch in Beirut (Libanon).

Mehr zum Thema:

Umweltfreundlich auf zwei Rädern durch Berlin

Das legendäre DDR-Moped Schwalbe kommt elektrisch zurück

Neuer Mietservice für E-Roller: 200 neue Scooter für Berlin

Mit den "Scooterhelden" aufrecht durch die City gleiten

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.