Verfall

Fast jede zehnte Bahnbrücke in Berlin ist marode

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: Wolfram Steinberg / dpa

Der Anteil maroder Brücken in Berlin ist höher als in den meisten anderen Bundesländern.

Berlin hat zwar mehr Brücken als Venedig, doch dieser hübsche Fakt aus dem Bereich „unnützes Wissen“ kann nicht verschleiern, dass es um die Bauwerke nicht gut steht. Besonders die mehr als 900 Eisenbahnbrücken sind in keinem guten Zustand. Rund acht Prozent fallen nach Angaben der Deutschen Bahn in die Kategorie 4 – sie sind also dringend sanierungsbedürftig. Das geht aus einer Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor.

Damit ist der Anteil besonders maroder Brücken in Berlin höher als in den meisten anderen Bundesländern. Der Bundesdurchschnitt liegt bei fünf Prozent. Insgesamt ist in Berlin fast jede zweite Bahnüberführung älter als 80 Jahre – in der boomenden Hauptstadt entstanden um die Wende des vorigen Jahrhunderts deutlich mehr Brücken als im Rest der Republik, die langsam ihr Mindestalter erreicht haben. Ein Großteil der sanierungsbedürftigen Überführungen befindet sich in den Berliner Ost-Bezirken, aber auch in Reinickendorf, Spandau oder rund um den Bahnhof Südkreuz.

Brückenarbeiten wirken sich auf S-Bahn-Verkehr aus

Die Statistik sei „alarmierend“ warnt die Berliner Bundestagsabgeordnete Lisa Paus (Grüne). Zwar habe sich der Zustand der Berliner Bahnbrücken in den letzten drei Jahren verbessert. Dennoch reicht den Grünen der Maßnahmenkatalog nicht aus. So wurden zwischen 2014 und 2016 zwölf Brücken abschließend saniert, erneuert oder gebaut, dieses Jahr folgen neun weitere. Der Bund will im ganzen Land zwischen 2015 und 2019 175 Brücken teilweise oder komplett erneuern. Laut Bundesrechnungshof müssten es aber 400 jährlich sein.

Dieser Sanierungsstau könnte gerade in Berlin auf Grund des hohen Alters der Brücken gefährlich werden, wenn zu viele Bauarbeiten auf einmal fällig werden. Jede Brücke, die ausfalle oder neu saniert werden müsse, ziehe Störungen im S-Bahn Verkehr nach sich, warnt Grünen-Politikerin Paus. „Der Bund muss jetzt seiner Pflicht nachkommen und ausreichend Geld für die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur bereitstellen.“ Wie so oft bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sei der Verfall der Infrastruktur nie zur Chefsache gemacht worden. Auch der Berliner Fahrgastverband fordert mehr Investitionen. „Noch muss aber niemand Angst haben, wenn er über eine Brücke fährt“, sagt Sprecher Jens Wieseke. Und: Laut S-Bahn-Chef Peter Buchner gibt es wegen der Brücken aktuell keine einzige sogenannte Langsamfahrstelle im S-Bahn-Netz.