Berlin

Zentralbibliothek kauft Bücher jetzt im Paket ein

Gewerkschaft protestiert und kämpft für die Lektoren

Bibliotheken brauchen Bücher. Dabei geht es nicht nur darum, die Altbestände sorgsam zu verwahren. Jährlich müssen zudem Zehntausende Neuerscheinungen gesichtet und beschafft werden. Um dieses Aufkommen zu bewältigen, setzt die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) seit 2016 auch auf Drittanbieter. Private Dienstleister wie der EKZ-Bibliotheksservice und Hugendubel beliefern die ZLB mit fertigen Medienpaketen, welche aber bisher nur einen Teil des Bedarfs abdecken. Nun soll die Medienbeschaffung noch stärker in die Hände von Privatanbietern gelegt werden.

Laut Verdi könnte sich das „Outsourcing“ auf bis zu 90 Prozent der Beschaffungsarbeit belaufen. „Das ist die Privatisierung des eigentlichen Kernbereichs der Bibliothek“, sagt Gewerkschaftssekretärin Jana Seppelt. Die hauseigenen Lektoren würden personell reduziert und fachlich auf die Erstellung von Bedarfsprofilen beschränkt. Dadurch ginge wichtiges Fachwissen im Haus verloren. Lothar Brendel, Personalratsvorsitzender der ZLB, unterstützt: „Es gibt für diese Planung keine fachliche Begründung. Es geht lediglich um ökonomische Überlegungen. Qualität und Inhalt sind nicht mehr so wichtig in diesen Zeiten.“ Er sieht gerade die Fachbestände gefährdet, die von den Privatanbietern nicht gut bedient würden.

Volker Heller, Chef der ZLB, verwahrt sich gegen die Vorwürfe der Gewerkschafter: „Es gibt keine Qualitätseinbußen und keinen Grund für alarmistische Behauptungen. Diese Methoden des Erwerbsmanagements sind in der Bibliothekswelt längst üblich und erprobt.“ Zudem würden gerade in den landesspezifischen Schwerpunkten nach wie vor einzellektorierte Einkäufe erfolgen. Das im Lektorat frei gewordene Personal soll nach den Vorstellungen Hellers stattdessen im Benutzerservice eingesetzt werden. „Die ZLB darf kein erweiterter Hugendubel werden“, hält Verdi Landeschefin Susanne Stumpenhusen dagegen. Die Gewerkschaft fordert, auch mit Verweis auf den Koalitionsvertrag, die Rücknahme der bisherigen Privatisierungsschritte und ein Moratorium des Stiftungsrats, dem Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert vorsitzt. Bei der nächsten Sitzung im Mai soll über den Ausbau der Privatisierung entschieden werden.