Partydrogen

Senat will Drogenkonsum in Berlins Clubszene untersuchen

Der Senat will wissen, wer an welchen Orten welche Drogen konsumiert – und startet eine Befragung in der Berliner Clubszene.

Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain ist der Drogenhandel ein großes Problem

Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain ist der Drogenhandel ein großes Problem

Foto: dpa Picture-Alliance / Sophia Kembowski / picture alliance / dpa

Der Senat will dem Drogenkonsum in der Clubszene mit einer neuen Studie auf die Spur kommen. „Zum Berliner Party- und Clubleben gehört für zahlreiche junge Menschen neben dem Konsum von Tabak und Alkohol auch der Konsum von sogenannten Partydrogen“, heißt es zur Begründung. „Wir wollen uns einen Überblick darüber verschaffen, wie und in welchem Umfang Partydrogen konsumiert werden“, sagt der Sprecher der Gesundheitsverwaltung, Christoph Lang.

Berlin gilt mit seiner ausgeprägten Party- und Feierszene als Hochburg des Drogenkonsums. Fast jeder Zweite hat schon mal Cannabis konsumiert. Nach letzten Umfragen hat jeder zehnte Jugendliche zwischen 15 und 17 angegeben, in den vergangenen 30 Tagen gekifft zu haben. „Wir sehen eine Zunahme beim Drogenkonsum von Jugendlichen“, so Lang. „Aber gerade bei Jugendlichen kann regelmäßiger Drogenkonsum bleibende Schäden hervorrufen.“

Datenlage zum Drogenkonsum in Berlin ist unvollständig

Die Verwaltung möchte deshalb nicht nur wissen, wer Drogen konsumiert, sondern auch wo – und hat deshalb eine Befragung in der Berliner Clubszene in Auftrag gegeben. Eine wissenschaftliche Untersuchung zum Drogenkonsum in Clubs gibt es bislang nicht.

Insgesamt ist die Datenlage zum Drogenkonsum in Berlin unvollständig. In der Regel müssen sich Wissenschaftler dabei auf Angaben der Konsumenten verlassen, deren Antworten schwer zu überprüfen sind. Nach der letzten Suchthilfestatistik des Senates aus dem Jahr 2015 ist nach wie vor Alkohol die am meisten konsumierte Droge. 40 Prozent derjenigen, die sich in Berlin wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung begeben, haben Probleme mit Alkohol, jeder Fünfte begibt sich wegen des Konsums von Cannabis in ärztliche Obhut.

Ziel der in Auftrag gegebenen Studie ist es, Informationen über das Alter, Geschlecht und den Bildungsstand der Clubbesucher zu erlangen, aber auch welche Substanzen sie zu sich nehmen. „Diese Aufgaben können nicht von Dienststellen im Land Berlin übernommen werden, da im zuständigen Referat der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung weder die sozialwissenschaftliche Expertise zur Durchführung einer solchen Evaluation vorhanden ist noch die Personalressourcen“, heißt es in der Begründung der Ausschreibung.

Handlungsempfehlungen für die Drogenprävention in der Stadt

Aus den Erkenntnissen der Untersuchung sollen Handlungsempfehlungen für die Drogenprävention in der Stadt entstehen. Zu den Partydrogen zählen vor allem aufputschende Amphetamine, Methamphetamine wie Ecstasy, sogenannte Legal Highs, die als pseudo-ungefährliche Kräutermischungen verschickt werden, und Cannabis. Der Berliner Clubcommission begrüßt mehr Prävention in der Drogenpolitik des Landes.

Nach Angaben ihres Sprechers Lutz Leichsenring fordert sie seit Langem ein „Drugtesting“ nach Schweizer Vorbild. Demnach sollen Mitarbeiter Clubbesuchern anbieten, Drogen auf ihre Reinheit hin zu prüfen, um so in Kontakt mit den Konsumenten zu kommen und auf die Gesundheitsrisiken hinweisen zu können. Es sei sinnvoll, die Drogenproblematik „aus der Grauzone herauszuholen und nicht unter den Teppich zu kehren“, sagt der Leiter der Geschäftsstelle der Clubcommission, Raimund Reintjes. Die Commission bietet bereits Angebote an, wie Mitarbeiter besser mit dem Drogenkonsum in den Clubs umgehen können und wie im Notfall reagiert werden kann. „Ich gehe davon aus, dass der Senat auf uns zukommt und uns in die Studie einbindet“, sagt Reintjes.

Prävention steht im Vordergrund

Der Zusammenschluss der Berliner Clubs hat bereits mit dem Bundesministerium Tipps zur Gesundheitsprävention erarbeitet. Auch in Berlin soll der Präventionsgedanke im Vordergrund der Untersuchung stehen. Der Senat prüft, unter welchen Bedingungen ein Modellprojekt zur Legalisierung von Cannabis umgesetzt werden kann. Allerdings soll dabei der Kinder- und Jugendschutz im Zentrum stehen. 2016 hatte der Senat bereits das Präventionsprojekt „zu breit?“ gestartet. Hier wird mit Anzeigen auf die Gesundheitsrisiken von Drogenkonsum hingewiesen.

Die Fachstelle für Suchtprävention in Berlin unterstützt das Senatsvorhaben ebenfalls. „Es ist immer gut, belastbare Zahlen zu haben“, sagt die Geschäftsführerin der Fachstelle, Kerstin Jüngling. „Aber dabei darf es nicht bleiben.“ Auch Untersuchungen zum Drogenkonsum in Schule und Ausbildung müssten folgen.

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