NS-Verbrechen

Am Güterbahnhof Moabit entsteht ein Gedenkort

20 Kiefern und zwei Tafeln sollen daran erinnern, dass von hier aus mehr als 30 000 Juden in NS-Vernichtungslager deportiert wurden.

Mahnmal am ehemaligen Deportationsbahnhof in Moabit

Fr, 21.04.2017, 13.49 Uhr

Mahnmal am ehemaligen Deportationsbahnhof in Moabit

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Unwirtlicher geht es kaum: Im Schneetreiben, eingezwängt zwischen einem großen Discounter auf der linken und einem noch größeren Baumarkt auf der rechten Seite und unmittelbar an einer Entlastungsstraße gelegen, starteten am Mittwoch die Bauarbeiten für einen ganz besonderen Gedenkort. An dieser Stelle, an der ein schmaler gepflasterter Weg verläuft, wurden von 1942 bis 1944 in 34 Transporten 32.000 Juden zur Verladerampe am Gleis 69 des Güterbahnhofs Moabit getrieben.

Von dort aus ging es in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten – in den sicheren Tod. Mit einem kleinen Kiefernhain sowie zwei Informationsstelen soll ab der Fertigstellung in diesem Sommer daran erinnert werden, welch düstere Geschichte dieser heute so banal wirkende Ort birgt.

"Dass an dieser Stelle einst der größte Deportationsbahnhof Berlins gelegen hat, war in der Stadt lange nicht wahrnehmbar", sagte Sabine Weißler, grüne Kulturstadträtin des Bezirks Mitte. Zwar sei bereits im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Entlastungsstraße, der heutigen Ellen-Epstein-Straße vor mehr als 25 Jahren die Idee entstanden, auf der nur 250 Quadratmeter großen Restfläche zwischen den zwei Großmärkten eine Gedenkstätte einzurichten. Seit Mitte der 90er-Jahre habe der damalige Bezirk Tiergarten mit den früheren Bahntöchtern Vivico und DB Netz um das Restareal verhandelt.

Doch immer wieder verzögerte sich das Vorhaben – auch weil in dem inzwischen mit Wedding und Mitte zum Großbezirk Mitte fusionierten Bezirksamt lange andere Projekte vordringlicher schienen. Engagierten Bürgern sei es zu verdanken, so die Kulturstadträtin anlässlich der Pflanzung der ersten Kiefer, dass das Projekt nicht vollends in Vergessenheit geraten sei.

Für rund 200.000 Euro werden die Kiefern gepflanzt

Erst 2016 nahm das Projekt endlich Gestalt an. Die Senatsverwaltung für Kultur und das Bezirksamt Mitte lobten einen Gestaltungswettbewerb aus. Im Sommer 2016 wurde schließlich der Entwurf des Künstlerkollektivs "raumlaborberlin" zur Realisierung ausgewählt. Und mit den Mitteln der Lotto-Stiftung steht nun auch das Geld bereit, um den Entwurf umzusetzen. Für rund 200.000 Euro werden in den kommenden Wochen rund 20 Kiefern gepflanzt und zwei Informationstafeln aus Cortenstahl errichtet. Ferner werden die noch vorhandenen Gleise und die Spundwände der Rampe gesichert, die zusammen mit Teilen des Pflasterwegs noch die einzigen originalen Zeugnisse der Vergangenheit sind.

"An diesem nichtssagenden Ort einen würdigen Gedenkort zu schaffen, der angesichts dieser Nachbarschaft nicht einfach untergeht, war die bisher schwierigste Aufgabe, die ich bisher zu lösen hatte", sagte Francesco Apuzzo von "raumlaborberlin". Der Hain aus Waldkiefern, der weit über die angrenzenden Baukörper hinauswachsen werde, solle mit dem Geruch nach Wald, Nadeln und Zapfen eine eigene Atmosphäre schaffen, der sich klar von der Umgebung abgrenze.

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