Flughafen

Für Tegel sind schon die ersten Abrissaufträge vergeben

Beuth-Hochschule, Gründerzentrum, Feuerwehrakademie: Die Pläne für die Nachnutzung von Tegel sind sehr konkret.

Der Flughafen Tegel

Der Flughafen Tegel

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Noch rollen die Flugzeuge über die Brücke quer über die Zufahrtsstraße zum Flughafen Tegel. Aber der Abriss des „Taxiways“ ist bereits beauftragt. Denn natürlich wird dieser Rollweg nicht mehr benötigt, wenn Tegel geschlossen wird.

Anders als im Falle von Tempelhof, als der Senat erstmal keinen Plan für die Zukunft des Terminals und des riesigen Flugfeldes hatte, sind die Vorbereitungen für die Nachnutzung von TXL schon sehr konkret. Die landeseigene Tegel Projekt GmbH ist seit 2011 dabei, das Gelände im Auftrag des Senates zu entwickeln. Diese Pläne wären für den Papierkorb, wenn die Schließungsgegner den Volksentscheid gewinnen sollten, der voraussichtlich am 24. September mit der Bundestagswahl stattfinden wird.

In einem Interview mit dem RBB-Inforadio verwies Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Schließung Tegels: „Wir haben die Planfeststellung und die Genehmigung für Schönefeld bekommen - auch auf der Grundlage, dass andere Kapazitäten geschlossen werden.“ Eine neue Planfeststellung würde bedeuten, dass möglicherweise Tegel und Schönefeld „ins Rutschen“ kämen.

Dabei sind auch schon einige konkrete Aufträge vergeben worden: Vor allem Gutachten und Planungsleistungen für den Umbau der bestehenden Flughafengebäude. Aber eben auch der Abbruch der Flugzeugbrücke an der Einfahrt der „Urban Tech Republic“, wie das Riesenprojekt genannt wird.

Eine fünf Quadratkilometer große neue Stadt

„Sobald die Flugzeuge weg sind, können wir anfangen zu bauen“, sagte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Projektgesellschaft. Die Pläne für das sechseckige alte Terminalgebäude sind weitgehend fertig. Hier soll die Beuth-Hochschule einziehen mit ihren Studiengängen, die zu dem Profil „urbane Technologien“ passen. Dabei geht es um Themen von der Wasserwirtschaft über die Mobilität bis zur Müllvermeidung und Energie.

Zweites konkretes Projekt ist ein „Base Camp“ genanntes Start-up-Zentrum, das im derzeitigen Terminal D westlich des Hauptgebäudes entstehen soll. Nicht nur Internetgründer sollen hier einziehen, sondern eben Jung-Ingenieure, die auch Labors und Werkstätten bekommen, um dort Prototypen zu basteln. Auch die Berliner Feuerwehr wird mit ihrer Ausbildungsakademie auf das Noch-Flughafengelände ziehen. In einem Hangar können die Retter Einsätze trainieren. Die Flächen um die bestehenden Gebäude herum sollen an Hochtechnologieunternehmen gehen. Die nötigen Bebauungspläne sind in Arbeit.

Der Auftrag sei, in der zweiten Jahreshälfte 2018 baubereit zu sein, so Bouteiller: „Vielen ist die Dimension unseres Vorhaben offenbar nicht klar“, sagte der Projektchef. „Wir planen hier fünf Quadratkilometer neue Stadt.“ Es gehe um Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und die Entwicklungschanchen der Berliner Wirtschaft. Die landeseigenen Flächen werden direkt an die Nutzer vergeben, Immobilienspekulation sei damit ausgeschlossen.

„Tegel wird in seiner bisherigen Form nicht weiter bestehen bleiben“

Das gelte auch für die 5000 neuen Wohnungen, die im Schumacher-Quartier nordöstlich des Terminals geplant sind. Hier kämen städtische Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und Baugruppen zum Zuge, so Bouteiller.

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sagte, sie könne die nostalgischen Gefühle vieler Berliner für den alten Flughafen TXL nachvollziehen. Aber die Vorstellung, man könne weiterhin bequem von Tegel fliegen, sei irrig, schon allein weil die meisten Airlines zum BER nach Schönefeld wechseln wollen. Außerdem müsse womöglich der Airport Tegel neu genehmigt werden: „Tegel wird in seiner bisherigen Form nicht weiter bestehen bleiben“, so Kapek.

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