Marktübersicht

Preise für Eigentumswohnungen in Berlin verdoppelt

In allen Bezirken bis auf Treptow-Köpenick überwiegt die Nachfrage das Angebot. Experten sehen keine Gefahr einer Immobilienblase.

Blick über Mitte

Blick über Mitte

Foto: pa

Nicht nur die Mieten, auch die Preise von neuen und älteren Eigentumswohnungen erreichen in Berlin immer neue Rekordhöhen. Seit 2004 haben sich die durchschnittlichen Kaufpreise für neu errichtete Wohnungen in guten Lagen mit rund 120 Prozent mehr als verdoppelt. Das geht aus der Wohnimmobilien-Marktübersicht der HypoVereinsbank hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Während Treptow-Köpenick, wo viel gebaut wird, noch der einzige Bezirk ist, in dem ebenso viele Wohnungen angeboten wie nachgefragt werden, überwiegt in allen anderen Bezirken die Nachfrage.

„Obwohl das Neubauangebot größer wird, bleibt der Preisanstieg ungebremst“, so die Einschätzung von Frank Werner, Leiter private Immobilienfinanzierung der HypoVereinsbank in der Region Ost. Steigende Grundstücks- und Baukosten sowie die wachsende Nachfrage von Kapitalanlegern seien die maßgeblichen Teuerungsfaktoren.

In sehr guten Lagen liegen laut Studie die Kaufpreise für einen Quadratmeter im Neubau beziehungsweise einen neuwertig sanierten Altbau zwischen 6000 und 10.000 Euro. Doch auch in einfachen Lagen betragen diese bereits 2800 bis 4000 Euro, in mittleren 3500 bis 5500 Euro, in guten 4400 bis 8000 Euro. „Bei Luxuswohnungen werden noch deutlich höhere Preise erzielt“, sagt Werner. Angesichts der sehr hohen Kaufpreise für Neubauwohnungen sind Bestandsimmobilien in Berlin besonders gefragt. „Die Preissteigerungen ziehen hier zwischenzeitlich mit denen bei Neubauobjekten gleich“, so Werner. Die Preise selbst seien aber immer noch niedriger. So ist eine gebrauchte Immobilie in einfachen Lagen für 1300 bis 3000 Euro, in mittleren für 2100 bis 4500 Euro, in guten Lagen für 3000 bis 6500 Euro und in sehr guten für 4700 bis 8500 Euro zu haben.

„Angesichts historisch niedriger Zinsen und verstärkter Zuzüge in die Region sehen wir nach wie vor keine Gefahr einer Immobilienblase“, sagt Werner weiter. „Im internationalen Metropolenvergleich gelten Immobilien in Berlin nach wie vor als unterbewertet und locken daher in großem Stil international agierende Kapitalanleger an“, ergänzt Bernd Duda, Leiter gewerbliche Immobilienfinanzierung der HypoVereinsbank Nord-Ost.

Angesichts steigender Preise fragt sich so mancher Berliner, ob der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch sinnvoll ist. „Die Miet- und Kaufpreise werden weiter zulegen“, ist Duda überzeugt. Allerdings könnten Preiskorrekturen bei Projekten mit geringen Lagequalitäten oder an Standorten mit großem Neubauvorhaben nicht ausgeschlossen werden. „Man sollte deshalb immer genau hinschauen, bevor man eine Immobilie kauft“, rät Duda.

Absolut tabu sollten „Papierkäufe“ sein. „Der Kaufinteressent sollte sich schon die Mühe machen, die Wohnung oder das Bauareal selbst in Augenschein zu nehmen“, sagt Werner. In Bezug auf die Finanzierung der Wohnimmobilien rät die HypoVereinsbank zu Besonnenheit: „Privatkunden sollten bei der Immobilienfinanzierung 20 bis 40 Prozent Eigenkapital mitbringen. Aufgrund der niedrigen Zinsen empfehlen wir zudem den Kunden, die Zinsersparnis in eine höhere Tilgung fließen zu lassen. Aktuell beträgt die anfängliche Tilgung bei unseren Privatkunden durchschnittlich 3,3 Prozent“, sagt Werner.

Eine gute Gelegenheit, sich über den Berliner Immobilienmarkt zu informieren, bietet am kommenden Wochenende die Berliner Immobilienmesse (BIM) in der Arena in Treptow. Rund 50 Bauträger, Finanzierer und Makler präsentieren mehr als 10.000 neue Wohnungen und Häuser. Im Veranstaltungsbereich der Messe gibt es zudem zahlreiche Vorträge, Diskussionsrunden und Expertentipps.

Berliner Immobilienmesse (BIM), 1./2. April, 10–18 Uhr, in der Arena, Eichenstraße 4, 12435 Berlin. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Familien (2 Erwachsene + Kinder): 15 Euro. Infos unter: www.bim-messe.de

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