Kriminalität

Berlin ist etwas sicherer geworden

Die Zahl der Straftaten ging zurück, obwohl mehr Menschen in der Stadt leben. Es gibt weniger Morde, dafür aber mehr Diebstahl.

568.860 Straftaten erfasste die Polizei 2016 in Berlin - 0,1% weniger als 2015. Diebstähle nahmen am stärksten zu. Taschendiebstahl-Hotspots waren unter anderem: Alexanderplatz, Hardenbergplatz und U-Kottbusser Tor.

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Die Bilanz der Kriminalitätsstatistik 2016 fällt durchwachsen aus. Während es bei Mord, Totschlag und Raub einen Rückgang gab, stieg die Zahl der Körperverletzungen und Diebstähle an. Hier eine Zusammenfassung:

Fallzahlen:
Im vergangenen Jahr wurden in Berlin insgesamt 568.860 Straftaten erfasst. Das sind 689 Fälle weniger als im Jahr zuvor. Laut Innenverwaltung ist in der selben Zeit die Bevölkerung der Hauptstadt um gut 60.000 Menschen gewachsen. „Die Wahrscheinlichkeit, in Berlin Opfer einer Straftat zu werden, ist also gesunken“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik. Innensenator Geisel (SPD) ergänzte: „Insgesamt ist das eine erfreuliche Entwicklung. Berlin wächst, die Kriminalität nicht“.

Diebstahl:
Dramatisch ist die Entwicklung jedoch bei den Diebstählen. Die erfassten Fälle befinden sich auf einem Rekordhoch. Einen hohen Anstieg gab es bei den Taschendiebstählen von 5,3 Prozent auf 44.722 Fälle – gefolgt von Kfz- und Fahrraddiebstahl. Leicht positiv ist die Entwicklung bei den Wohnraum-Einbrüchen. Hier gab es nach 2015 auch 2016 einen Rückgang von 11.815 auf 11.507 Fälle. Das Niveau ist unverändert hoch.

Gewaltdelikte:

Verbrechen wie Mord und Totschlag oder Körperverletzungen erregen zumeist große Aufmerksamkeit. Doch mit 92 Fällen von Mord und Totschlag wurden 20 Taten weniger begangen als noch 2015. Es handelt sich um den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Allerdings geht aus der Statistik eine Zunahme der Körperverletzungen von 40.675 auf 42.847 hervor. Rund 37 Prozent der ermittelten Verdächtigen waren Ausländer, ein Anstieg um fünf Prozentpunkte. Mit 2599 Körperverletzungen wurden fast doppelt so viele dieser Taten im Vergleich zum Vorjahr von Flüchtlingen begangen. Meist handelte es sich um Schlägereien in Unterkünften.

Aufklärungsquote:

Die Aufklärungsquote für alle Straftaten sank im Vergleich zum Vorjahr von 43,9 Prozent auf 42 Prozent. Laut Polizei ist ein Grund dafür, dass die Diebstähle so massiv nach oben gegangen sind. Denn in diesem Bereich ist die Aufklärungsquote mit 19 Prozent besonders gering.

Schwarzfahren:

Einen positiven Effekt auf die Statistik hat, dass 2016 die Zahl der erfassten Schwarzfahrer von 34.196 auf 21.646 gefallen ist. Warum die Zahl so massiv zurückgegangen ist, ist unklar. Möglicherweise sorgt die auf 60 Euro erhöhte Strafe dafür, dass mehr Menschen ein Ticket kaufen. Zudem wurde zum Jahresbeginn die Anzeigenermittlung der BVG an die Polizei auf ein papierloses Verfahren umgestellt. Hierbei gab es Probleme Dadurch bildete sich ein Vorgangsstau, welcher 2016 zu verminderter Anzeigenerstattung führte.

Politisch motivierte Kriminalität:

Bei der politisch motivierten Kriminalität gibt es nur vorläufige Zahlen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4112 Fälle erfasst – ein Anstieg von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den größten Schub gab es bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität um 121 Fälle auf 413. Laut Polizei hing das mit der Armenien-Resolution des Bundestages zusammen, die das Massaker an den Armeniern während des ersten Weltkrieges als Völkermord einstufte. In der Folge wurden vor allem türkischstämmige Bundestagabgeordnete bedroht und beleidigt – und das ging in die Statistik ein. Bei den rechten Straftaten gingen die Zahlen von 1666 auf 1588 zurück. Es gab aber mit 158 Fällen rund fünf Prozent mehr rechte Gewalttaten. Auch die linke Gewalt nahm um fünf Prozent von 362 auf 379 Fälle zu. Insgesamt kletterte die Anzahl linker Straftaten von 1060 auf 1226.

Internetkriminalität:

Die digitale Welt wird verstärkt zum Tatort. Der Anstieg um ein Prozent auf 24.401 Fälle fällt zwar gering aus, die Zahl markiert aber den höchsten Stand in den vergangenen zehn Jahren. Außerdem gab es 5200 Fälle im Jahr 2016, die nicht in der Berliner Statistik auftauchen, obwohl die Betroffenen hier leben. Der Grund liegt in den Richtlinien für die Erfassung der Daten, denn die Tat wird dort gezählt, wo der Kriminelle handelt, häufig im Ausland.

Sexualdelikte:

Mit 2852 Fällen gab es 60 Sexualstraftaten mehr als im Vorjahr. Einen Anstieg um rund 42 Prozent gab es bei „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“, wozu unter anderem unerlaubte Berührungen gezählt werden. 1255 Fälle kamen zur Anzeige. In 60 Prozent wurde ein Tatverdächtiger ermittelt, in 40,5 Prozent der Fälle war es kein Deutscher. Die Polizei vermutet, dass aufgrund der Ereignisse in der Silvesternacht 2015/16 in Köln häufiger sexuelle Beleidigungen von den Betroffenen angezeigt werden.

Tatverdächtige:

Unter den insgesamt 135.886 ermittelten Tatverdächtigen befinden sich – ohne ausländerrechtliche Verstöße – 9614 Flüchtlinge. Das sind 2834 mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil der nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen – also auch Menschen, die schon länger in Berlin leben – beträgt 44,8 Prozent.

Jugendliche:

Die Zahl der ermittelten jugendlichen Straftäter ist um rund zwei Prozent auf 26.632 angestiegen, wobei auch der Anteil der Menschen unter 21 Jahren an der Bevölkerung um fast fünf Prozent gewachsen ist. Erfreut ist die Polizei über die Entwicklung der Jugendgruppengewalt. Die Fallzahlen sanken um sieben Prozent auf 2427. Deutlich ist dabei der Rückgang der Raubtaten um 94 auf 628 Fälle.

Schaden:

Der erfasste Schaden stieg um mehr als 245 Millionen auf 873 Millionen Euro.

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