Vonovia

Bewohner kämpfen in Reinickendorf gegen Modernisierung

Das Unternehmen will 622 Wohnungen in Reinickendorf instand setzen. Der „Mieterprotest Lettekiez“ fürchtet um den sozialen Frieden.

Besorgte Mieter vom Mieterprotest Lettekiez: (v.l.) Jürgen Schüler, Fidan Düz und Dieter Blümert diskutieren zwischen den Häserblöcken

Besorgte Mieter vom Mieterprotest Lettekiez: (v.l.) Jürgen Schüler, Fidan Düz und Dieter Blümert diskutieren zwischen den Häserblöcken

Foto: Janine Richter / BM

Es rumort im Lettekiez: Ende Februar ging den Mietern des Wohnungsunternehmens Vonovia an der Letteallee, Micke­straße und Reginhardstraße eine 21 Seiten starke Ankündigung über Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten zu. In drei Blöcken mit 622 Wohnungen sollen im Jahr 2017 und 2018 unter anderem eine Gas-Brennwertanlage inklusive Warmwasserversorgung eingebaut und alle Leitungen erneuert werden. Zudem werden die Häuser aus den 30er-Jahren umfangreich gedämmt, gestrichen und die Hauseingänge, Zu- und Abwasserleitungen, Fenster, Türen, Balkone und Treppen saniert. Ziel der Modernisierungsmaßnahmen sei es, Energie einzusparen, heißt es in dem Schreiben.

„Die neuen Pläne sorgen für große Unsicherheit, Angst und Wut bei den Mietern“, sagt Dieter Blümert vom „Mieterprotest Lettekiez“. Der Grund: All dies bringt eine Erhöhung der Grundmiete mit sich, da elf Prozent der Modernisierungskosten pro Jahr auf die Mieter umgelegt werden können – im Falle des Lettekiezes bis zu 1,50 Euro pro Quadratmeter. Fidan Düz vom Mieterprotest rechnet vor: Die Mieterhöhung für ihre 70,28 Quadratmeter große Wohnung liegt bei 177,15 Euro im Monat. „Für die meisten Mieter im Kiez ist das nicht tragbar“, sagt Blümert.

„Das dicke Ende wird noch kommen“

Das private Wohnungsunternehmen entgegnet, es sei sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. „Wir machen keine Luxussanierungen, sondern modernisieren effizient, um weiterhin bezahlbare Wohnungen zu gewährleisten. Wir möchten, dass unsere Mieter bei uns wohnen bleiben können“, sagt Vonovia-Pressesprecher Max Niklas Gille.

Das Unternehmen berücksichtige die finanziellen und sozialen Härtefälle der Mieter und passe die Modernisierungsumlage an die jeweilige Situation des Mieters an. Laut Gille gibt es „einzelne Härtefälle, bei denen wir gar keine Umlage geltend machen“. Vonovia richte sich nach den gesetzlichen Vorgaben, halte sich an den Berliner Mietspiegel und habe auch größtenteils die Forderungen des Mieterprotestes berücksichtigt. „Über die Hälfte der Maßnahmen entfallen auf die Instandhaltung und werden von uns getragen“, sagt Gille. 21 Millionen Euro investiere die Vonovia insgesamt.

Sorge um den sozialen Frieden im Kiez

„Das dicke Ende wird noch kommen“, sagt Blümert. Er befürchtet, dass das Unternehmen noch höhere Renditen anstrebt, da es gleichzeitig „wohnwerterhöhende Merkmale“ im Sinne des Mietspiegels, wie zum Beispiel Hänge-WCs oder Heizkörper, die auch als Handtuchhalter dienen, in den Bädern einbaut.

„Das ermöglicht, die momentane Grundmiete noch einmal bis zu 1,50 Euro pro Quadratmeter zu erhöhen“, sagt Blümert. Auch die versprochenen Energieeinsparungen hält er für schöngerechnet. Die Folge wäre, dass sich die Sozialstruktur der Wohnanlage Schritt für Schritt verändere. „Gentrifizierung nennt man das. Ich sorge mich um den sozialen Frieden im Kiez“, sagt Blümert.

Der Berliner Mieterverein bewertet die Vonovia-Maßnahmen und die damit verbundene Umlage auf die Mieter als „rechtlich nicht zu beanstanden“. „Aber die Vonovia wird sich daran messen lassen müssen, wie sie mit den sozial-schwachen Mietern umgeht“, sagt Sebastian Bartels vom Mieterverein.

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