Flughafen-Chef

Lütke Daldrup will BER-Terminplan bis zum Sommer erarbeiten

Bis zum Sommer will der neue Flughafenchef einen neuen Zeitplan ausarbeiten. Dann soll auch ein Eröffnunsgtermin stehen.

Engelbert Lütke-Daldrup (l.) ist neuer Flughafenchef, Michael Müller legt den Aufsichtsratsvorsitz nieder

Engelbert Lütke-Daldrup (l.) ist neuer Flughafenchef, Michael Müller legt den Aufsichtsratsvorsitz nieder

Foto: DAVIDS/Darmer

Schönefeld.  Der neue Flughafenchef hat am Dienstag keine Zeit verloren. Engelbert Lütke Daldrup fuhr gleich am Dienstagmorgen nicht mehr ins Rote Rathaus zur Arbeit, sondern raus nach Schönefeld. Dort bezog der Ex-Staatssekretär und neue Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg am Morgen nach seiner einstimmigen Kür durch den Aufsichtsrat sein neues Büro.

Er wolle sobald wie möglich mit seinen Mitarbeitern sprechen, ließ Lütke Daldrup wissen. Zeit für ausgiebigere Gespräche habe er folglich erstmal nicht. Und so beschränkte sich der neue Flughafenchef auf ein kurzes Radiogespräch am Morgen, um seine Absichten bekannt zu geben. Dem RBB-Inforadio sagte er, es gehe darum, "Ruhe ins Projekt zu bringen".

Kommentar: Lütke Daldrup ist das letzte Aufgebot für den BER

Neun Fragen und Antworten zur Situation am BER

Bis zum Sommer wolle er einen Zeitplan für die Fertigstellung der Baumaßnahmen am BER erarbeiten, so Lütke Daldrup. Auf dessen Grundlage solle danach ein belastbarer Zeitplan für die Inbetriebnahme aufgestellt werden. "Wir werden dann intensiv diskutieren, wann der richtige Zeitpunkt ist, einen belastbaren, auf Herz und Nieren geprüften Fahrplan für die Inbetriebnahme vorzulegen. Da werde ich mich heute nicht festlegen", sagte der neue Flughafenchef. Bei der Terminplanung sei Sicherheit notwendig. "Es geht nicht darum, irgendeinen Termin zu benennen, sondern wir müssen einen Termin haben, den wir auch einhalten können", betonte Lütke Daldrup.

Zu den Problemen an der Schnittstelle zwischen Brandmeldeanlage und Sprinklersystem, die kurz vor dem Rauswurf seines Vorgängers Karsten Mühlenfeld in einem anonymen Papier zusammen mit viel Kritik am wieder zurückgeholten Bauleiter Jörg Marks bekannt wurde, sagte der neue Chef nur eines: "Die Probleme sind mir schon länger bekannt." Es werde schon intensiv daran gearbeitet.

Dobrindt: "Chancen für eine Eröffnung sind nun optimiert"

Am Dienstag äußerte sich dann auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) persönlich zum neuen BER-Chef. "Die Gesellschafter haben sich auf dieses Vorgehen verständigt, weil wir glauben, dass damit auch die Chancen für eine Eröffnung noch mal optimiert werden können", sagte Dobrindt. Er hoffe für den Flughafen sehr, dass der neue Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup "der BER-Chef ist, der ihn an den Start bringt".

Während Lütke Daldrup sich in seine neue Aufgabe einfand, informierte am Morgen der Regierende Bürgermeister und scheidende Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Müller (SPD) die Senatskollegen über die neue Entwicklung am BER. Für die rot-rot-grüne Koalition hat das direkte Folgen. Denn mit Müller, der seinen Vertrauten Lütke Daldrup nicht kontrollieren will und aus dem Aufsichtsrat ausscheiden wird, ziehen sich nach nur zwei Sitzungen auch die Senatoren Klaus Lederer (Linke) und Dirk Behrendt (Grüne) zurück.

Noch ist nach den Worten von Senatssprecherin Claudia Sünder jedoch offen, wer Müllers Platz im Aufsichtsrat besetzt. Der Regierende Bürgermeister denkt an einen Staatssekretär. Jedoch besetzt die SPD außer dem Finanzressort im neuen Senat eigentlich kein Fachgebiet, das irgendwie mit dem Flughafenbau oder der Verkehrspolitik kompatibel wäre. Und Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof war gerade aus dem Aufsichtsrat herausrotiert. Unklar war am Tag danach auch noch, wer an die Staatssekretärsstelle von Lütke Daldrup ins Rote Rathaus rückt. Womöglich wird diese personelle Neubesetzung dann auch das Projekt Hauptstadtflughafen BER für den rot-rot-grünen Senat betreuen. Die Linken würden einen Staatssekretär schicken. Die Grünen hingegen streben ihr altes Ziel an, ihren Platz mit einem externen Experten zu besetzen. Voraussichtlich am 17. März werden sich die neuen Berliner BER-Kontrolleure zur nächsten Sitzung unter dem Vorsitz des Brandenburger Flughafen-Staatssekretärs Rainer Bretschneider versammeln. Der Sozialdemokrat erklärte am Dienstag seine Bereitschaft, an die Spitze zu rücken. Das entspricht dem länger geübten Brauch zwischen Berlin und Brandenburg, dass der eine den Geschäftsführer vorschlägt und der andere den Aufsichtsrat führt.

Im außerplanmäßigen BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags hatten die Abgeordneten vergebens auf einen ersten Auftritt des neuen Flughafenchefs gehofft. Der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke bedauerte, dass niemand aus der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft gekommen sei. "Das geht schon blöd los", meinte Genilke. Die Freien Wähler forderten sogar einen Untersuchungsausschuss zum BER. Der Antrag hat aber keine Chance, von der Mehrheit im Landtag beschlossen zu werden.

Lütke Daldrup will zur nächsten regulären Sitzung am 20. März nach Potsdam kommen und dann den Abgeordneten Auskunft geben. Die Opposition hält die jetzt vollzogene Personalrochade im Kontrollgremium für einen guten Anlass, Politiker durch externe Bau-Fachleute zu ersetzen. Im Stadium der Baufertigstellung könnten die besser beurteilen, was technisch geht und was nicht möglich sei.

Die CDU-Fraktion in Berlin beschloss am Dienstag deshalb, das Thema zu ihrer Priorität für die Sitzung des Abgeordnetenhauses am Donnerstag zu machen. In der Aktuellen Stunde, in der die Union gerne den BER thematisieren wollte, wird es nach dem Willen von Rot-Rot-Grün um den Internationalen Frauentag gehen, der am Vortag begangen wird.

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