Tierpark Berlin

Eisbär Fritz kämpfte zwölf Stunden lang um sein Leben

Der kleine Eisbär stirbt an akutem Organversagen. Seine Leber war entzündet. Die Ursache dafür ist aber noch unklar.

Ruhe in Frieden, kleiner Eisbär Fritz

Eisbär Fritz ist im Alter von nur vier Monaten gestorben. Der kleine Eisbär starb an einer schweren Leberentzündung. Noch am Freitag tollte Fritz verspielt mit Eisbär-Mama Tonja bei der Fütterung herum. Am Sonntag verhielt er sich auffällig ruhig.

Ruhe in Frieden, kleiner Eisbär Fritz

Beschreibung anzeigen

Sie stehen unter Schock, Tierärzte, Kuratoren, Pfleger. Zu plötzlich und unerwartet ist Eisbär Fritz gestorben. Von einem „schwarzen Tag“ spricht Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Dienstagmittag. Ein schwarzer Tag, der bereits am Montag begann. „Ich musste zusehen und konnte nicht helfen“, sagt Knieriem. Das mache ihn fassungslos, traurig, deprimiert. An diesem Freitag sollte Fritz auf der Außenanlage erstmals öffentlich präsentiert werden.

Am Montagabend gegen 20 Uhr hat das Herz von Fritz aufgehört zu schlagen

Zwölf Stunden haben die Tierärzte im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung um das Leben des kleinen Eisbären gekämpft. Vergebens. Nachdem sich Fritz am Sonntag schon ungewöhnlich ruhig benommen hatte, am Abend aber wieder fit zu sein schien, fanden ihn die Pfleger am Montag früh um acht Uhr mit schweren Bauchkrämpfen im Stall. Fritz habe auf der Seite gelegen und geschrien, schildert Knieriem die Situation. Das Tier wurde sofort ins Leibniz-Institut gebracht, wo es alle diagnostischen Möglichkeiten gibt. Das Ultraschallbild zeigte eine ex­trem vergrößerte Leber, auch die Blutwerte wiesen auf eine Entzündung der Leber hin. „Nichts ist schlimmer als ein akutes Organversagen“, sagt Knieriem. Da könne man nichts machen. Am Montagabend gegen 20 Uhr habe das Herz von Fritz aufgehört zu schlagen.

Die Todesursache ist bislang unklar. „Wir tappen noch im Dunkeln“, sagt der Direktor. Er müsse die Ergebnisse der Obduktion abwarten, das könnte noch einige Zeit dauern. Alle Organe würden untersucht, Gewebeproben analysiert, um Klarheit zu erhalten, was die Leberentzündung hervorgerufen haben könnte. „Wir stehen vor einem Rätsel“, sagte Knieriem. Der Raum für Spekulationen sei groß. Ursache könnte eine Virusinfektion sein. Für unwahrscheinlich hält er einen Zusammenhang mit dem Futter. Unmöglich auch, dass es jemand auf Fritz abgesehen haben könnte. Vor dem Stall war immer ein Wachdienst, Zutritt hatten nur die Mitarbeiter des Tierparks.

Im Video: Mach’s gut kleiner Eisbär Fritz

Warum sterben viele Eisbären-Babys so früh?

Eisbärenmutter Tonja zeigt keinerlei Krankheitssymptome

Eisbärenmutter Tonja geht es gut. Sie zeigt keinerlei Krankheitssymptome. „Am Montag war sie sehr nervös und hat ihr Kind gesucht“, sagt Kurator Florian Sicks. Aber bereits am Dienstag sei sie schon ruhiger gewesen. Eisbärenvater Wolodja, der in den Zoo umziehen musste, wird voraussichtlich wieder in den Tierpark zu Tonja zurückkehren. Immerhin besteht dann die Hoffnung auf erneuten Nachwuchs.

Tierschutzorganisationen, die einen Zuchtstopp für Eisbären in Zoos fordern, hält Knieriem entgegen: „Das ist Quatsch, es gibt keinen Sachzusammenhang mit dem Tod von Fritz.“ Die Tiere würden im Zoo so naturnah wie möglich aufwachsen und hätten bessere Chancen zu überleben.

Fast auf den Tag genau vor vier Monaten hatte der Tierpark mit der sensationellen Meldung überrascht. Direktor Andreas Knieriem konnte ein „doppeltes Glück zur Winterzeit“ bekannt geben. Eisbärin Tonja hatte am 3. November Zwillinge zur Welt gebracht. Nach 22 Jahren endlich wieder Eisbärennachwuchs in Friedrichsfelde – das war die Sensation. Doch das große Glück währte nicht lang. Eines der beiden Eisbärenbabys überlebte nur fünf Tage, dann verschwand es vom Überwachungsmonitor. Zu schwach, zu klein, nicht überlebensfähig. Das andere Jungtier entwickelte sich hingegen bilderbuchmäßig. Es wurde dick, mutig und frech und bekam den Namen Fritz. Fritz wie Friedrich – passend zu Berlin.

Fritz wurde schon als der Nachfolger des legendären Eisbären Knut aus dem Zoologischen Garten gehandelt. 2006 kam Knut im Zoo auf die Welt und begeisterte nicht nur die Berliner. Er zog die Aufmerksamkeit von Menschen auf der ganzen Welt auf sich. Der kleine Eisbär wurde von seiner Mutter verstoßen und musste von Hand aufgezogen werden. Das übernahm Tierpfleger Thomas Dörflein, der mit seinen öffentlichen Knut-Spielstunden im Gehege für einen riesigen Besucheransturm sorgte. Jeder Schritt von Knut wurde mit der Kamera festgehalten. Doch 2011, im Alter von nur vier Jahren, starb Knut. Der Eisbär war plötzlich vor den Augen der Zoobesucher zusammengebrochen und ins Becken gestürzt, in dem er anschließend leblos trieb. Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Tier infolge einer Autoimmunerkrankung an einer Hirnentzündung gelitten hatte. Ein Marmordenkmal auf dem Spandauer Friedhof neben der Grabstätte von Thomas Dörflein, eine Statue aus Granit und Bronze im Zoo und Songs erinnern an Knut. Heute steht der Eisbär als ausgestopftes Präparat im Museum für Naturkunde.

Das wird mit Fritz nicht passieren. Zwar hatte das Museum für Naturkunde bereits am Dienstagmorgen im Tierpark angerufen. „Aber da kann ich eine klare Absage erteilen“, sagt Andreas Knieriem. Fritz werde nicht ausgestellt.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.