Food-Trend in Berlin

Bei „Spooning Cookie Dough“ kann man rohen Teig naschen

| Lesedauer: 4 Minuten
Niklas Cordes
Diana Hildenbrand aus Berlin-Prenzlauer Berg hat das Startup Spooning gegründet. Sie vermarktet rohen Teig zum Naschen

Diana Hildenbrand aus Berlin-Prenzlauer Berg hat das Startup Spooning gegründet. Sie vermarktet rohen Teig zum Naschen

Foto: Marion / Marion Hunger

Eine Berlinerin bietet in ihrem Start-up „Spooning Cookie Dough“ rohen Teig zum Naschen an.

Diana Hildenbrand aus Prenzlauer Berg kann sich nicht mehr daran erinnern, wie viele Löffel rohen Teig sie schon gegessen hat. Sie leidet nicht unter einer Essstörung, sondern ist Gründern des Start-ups „Spooning Cookie Dough“. Vor zwei Jahren kam ihr die Idee zum „Unternehmen Keksteig“, als sie mit ihren Zwillingen schwanger war. „Ich wollte auch als Schwangere Keksteig naschen. Doch das rohe Ei im Teig machte dies unmöglich“, erklärt die 35-Jährige. Eine Lösung musste her, sie schaute nach Rezepten ohne Ei im Internet und stieß dabei auf den „Spooning“-Trend, der in den USA schon länger verbreitet ist. „Spooning, also das Löffeln von rohem Keksteig, kannte ich vorher nur aus Australien und von einer Eismarke, die Teigstücke in manche Sorten mischt.“

Nach einigen Probeverkostungen mit Freunden reifte die Idee zum eigenen Unternehmen. „Während ich den Kinderwagen schob, hörte ich Hörbücher zum Thema. Ich las Bücher über verschiedene Start-up-Konzepte und feilte an den Rezepten in meiner eigenen Küche“, sagt sie. Nach der Elternzeit kündigte sie ihren Job als Personalreferentin, um sich ganz ihren Kindern und ihrem drittem Baby, „Spooning“ zu widmen. Anfang Februar war es dann so weit, seitdem steht sie mit ihren sechs Teigsorten auf Street-Food-Märkten. Eine Kugel kostet 2,60 Euro, jedes weitere Topping wie Cranberries, Streusel oder Schokolinsen noch einmal 40 Cent extra. Die Zielgruppe beschreibt Hildebrand so: „Essen kann es natürlich jeder, klassischerweise sind aber Kinder und 16- bis 40-Jährige die anvisierten Naschkatzen. Das große Ziel ist ein anderes: „Ein eigener Laden wäre toll, mit großen breiten Türen“ schwärmt sie.

Die Zusammensetzung des Grundteigs ist natürlich ein Betriebsgeheimnis, doch die Basiszutaten sind ein spezielles Mehl, Zuckerarten, Butter, Vanille-Extrakt, Salz und etwas Wasser. Dieser wird dann mit Leckereien wie Nuss-Nougat-Creme, gerösteten Mandeln, Marshmallows, Pekannüssen oder selbst gemachten Streuseln vermischt.

In ihrem Repertoire hat Hildenbrand insgesamt sechs Teigsorten, die beliebteste Kreation ist die mit weißer Schokolade und Salzbrezeln. Ausprobiert werden die Rezepturen zwar in der Versuchsküche daheim, für die Märkte angerührt wird in einem Café mit professioneller Industrieküche. „Das wäre anders auch gar nicht möglich“, erklärt die Gründerin.

In den biologisch abbaubaren Bechern steckt nicht nur eine Portion Kindheitsglück, sondern auch eine Wissenschaft: Anfänglich gab es Schwierigkeiten mit der Festigkeit des Teiges. Hildenbrand schrieb einen Professor der Beuth Hochschule für Technik an. „So kam es, dass Studenten an der fluffigen Konsistenz arbeiteten. Der Teig sollte ja locker werden, auch ohne Backpulver.“ Selbst die Geschwindigkeitsstufe des Mixers ist entscheidend, fanden die Studenten heraus.

Das Motto des Start-ups lautet „Forget your Diet!“

Figurfreundlich ist die Nascherei nicht: Auf 100 Gramm Teig ohne Extras kommen 400 Kilokalorien. Eine Kugel wiegt ungefähr 60 Gramm, insgesamt also 240 Kilokalorien. Passend dazu lautet das Motto des Unternehmens: „Forget your Diet!“ („Vergiss deine Diät!“). Drei bis vier Tage hält sich der Teig im Kühlschrank, am leckersten ist er bei Zimmertemperatur. Ihre Kinder Betty und Quinn mögen den Teig mit Keksen am liebsten. Sie heißen so wie Figuren aus „Mad Men“ und „Homeland“. Neben dem Nicht-Backen hat Hildenbrand nämlich noch eine Leidenschaft: Serien.

Ein Bonbon für Morgenpost-Leser: Hildenbrand verkauft ihre Teig-Spezialitäten, unter anderem den „Berlin-Teig“, der so bunt daherkommt wie die Hauptstadt selbst, am Sonntag, 12–18 Uhr, auf dem Street-Food-Markt in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36. Wer ihr das Kennwort „Für Umme“ nennt, bekommt an diesem Sonntag ein Topping gratis! Zutaten des „Berlin-Teigs“: Knusperflocken, helle Streusel, bunte Zuckerstreusel, Schokolinsen und Oreo-Kekse.