Wasser

Berlin hat zu wenige Pumpen für den Notfall

Die Zahl der Straßenbrunnen für die Wasserversorgung reicht nicht aus. Der Senat ermittelt jetzt mit den Bezirken den Bedarf.

Überleben mit Wasserpumpen

Beim Urban Survival geht es um das Überleben in der Großstadt, wenn die Versorgung zusammenbricht. Überlebenstrainer Sokratis Zacharopoulos erklärt wie es mit Wasserpumpen möglich ist.

Wie ein Berliner die Katastrophe überleben will

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In ihrem Wasserstrahl baden manchmal im Sommer die Kinder, auch Hunde bekommen ihre Erfrischung, nur hin und wieder wäscht dort jemand sein Auto. Die meist dunkelgrün lackierten Handpumpen an Berlins Straßen, manche üppig verziert und mit gebogenem Schwengel, verströmen das Flair der Gründerzeit. Im 19. Jahrhundert lösten die Pumpen die alten Ziehbrunnen auf den Höfen der Mietshäuser als Wasserquelle für viele Bürger ab, dienten Pferden als Tränke.

Doch die Pumpen sind viel mehr als eine nostalgische Erinnerung ans alte Berlin. Sie stellen sogar eine „kritische Infrastruktur“ dar. Denn im Notfall sollen sie die Berliner wie eh und je mit Trinkwasser versorgen. Wenn die Wasserwerke in Kriegs- oder Krisenzeiten havarieren, wenn Terroristen das Wasser vergiften oder Stromausfälle die Elektropumpen lahmlegen, müssten sich die Berliner wieder wie nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges an den Pumpen aufstellen, um ihre Ration der lebenswichtigen Flüssigkeit zu erhalten.

Deshalb gibt es in der Stadt „Landesbrunnen“ als Einrichtungen des Katastrophenschutzes und „Bundesbrunnen“, die dem Zivilschutz dienen. Sie unterstehen dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Im Ernstfall dürften sich die Aufgaben ziemlich gleichen. Die Bedeutung der Pumpen für den Ernstfall wurde jedenfalls als so wichtig eingeschätzt, dass nach dem Mauerfall in den östlichen Bezirken viele Pumpen aufgestellt wurden, die man zu DDR-Zeiten offenbar als nicht so wichtig erachtet hatte.

Die meisten Wasserstellen hat Tempelhof-Schöneberg

Aber die Straßenbrunnen können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Es sind inzwischen zu wenige, und die Qualität des geförderten oberflächennahen Grundwassers taugt meist nicht zum Trinken. Der Senat geht sowohl wegen der wachsenden Bevölkerung als auch der aktuellen Baumaßnahmen in der Stadt von einem „erheblichen Fehlbestand an Straßenbrunnen“ aus, wie Gesundheits-Staatssekretär Boris Velter dem SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz auf eine Anfrage hin mitteilte.

Der Senat sehe „Handlungsbedarf“ und ermittelt derzeit mit den Bezirken den Bedarf an zusätzlichen Pumpen. Schon vor sieben Jahren hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ermittelt, dass rund 1000 Pumpen fehlten, „um die Versorgung der gesamten Bevölkerung bei Zwischenfällen“ sicherzustellen. Im Notfall müsse gegebenenfalls auf Wassertransporte aus anderen Bundesländern oder auf private Brunnen zurückgegriffen werden. Zudem stehen 29 Brunnen der Berliner Feuerwehr zur Verfügung. Derzeit spenden 1429 funktionsfähige Pumpen Wasser an Berlins Straßenrändern. Die meisten gibt es mit 204 in Tempelhof-Schöneberg, auch Mitte ist mit 194 recht gut versorgt. Steglitz-Zehlendorf bringt es nur auf 39.

Früher waren es viel mehr. 2004 sprechen Berichte von 2400 Pumpen in der Stadt. Die von Buchholz erbetenen Auskünfte, wie die Zahl der Pumpen am Straßenrand sich über die vergangenen zehn und 20 Jahre verändert habe, liefert die Senatsverwaltung nur unvollständig.

In Pankow liegt die Zahl höher als 2006

Die meisten Bezirke hätten keine Daten übermittelt, nie waren sie vollständig. Immerhin weiß man in Pankow, dass die aktuelle Zahl der Pumpen sogar höher liegt als 2006. das ist aber dem nachholenden Aufbau nach dem Mauerfall geschuldet.

Auch Spandau meldete aktuell 120 Wasserspender, vor zehn Jahren waren es 87. Allerdings fließt aus den wenigsten Pumpen auch Trinkwasser. An 1090 der Straßenbrunnen haben die Bezirksämter entsprechende Warnhinweise gehängt. In Charlottenburg-Wilmersdorf sind 104 von 106 Pumpen mit solchen Schildern versehen, in Mitte alle 194. In Pankow etwa läuft Trinkwasser immerhin aus der Mehrzahl der 104 dortigen Pumpen, nur 36 sind zum Trinken gesperrt.

Der SPD-Abgeordnete Buchholz fragte nun, ob denn die Pumpen überhaupt im Notfall ihre Aufgaben erfüllen könnten, wenn man das Wasser nicht trinken dürfe. Die Behörde verweist darauf, dass Desinfektionstabletten das Wasser so weit reinigen könnten, dass es die Qualität von „Notwasser“ erreicht.

Die Berliner gehen mit ihren Pumpen pfleglich um

Die Berliner gehen mit ihren Pumpen übrigens pfleglich um. Fälle, in denen durch Autowaschen an der Pumpe das Wasser verschmutzt wird, seien nicht relevant, so die Antwort der Gesundheitsverwaltung. Aber ansonsten sollten die Bürger die Pumpen doch immer mal mit ihrer Muskelkraft antreiben. Das sei hilfreich, damit Brunnen nicht vertrocknen oder versanden. Und noch ein Tipp der Gesundheitsverwaltung: Im Sommer sollte man die Straßenbäume mit dem Grundwasser gießen.

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