Touristen in Berlin

Ist der Berlin-Hype vorbei? Tourismus-Zahlen steigen mäßig

Das Wachstum im Berlin-Tourismus hat nur unterdurchschnittlich zugelegt. Doch der Senat hat für Urlauber ganz neue Pläne.

Italienische Touristen vor dem Brandenburger Tor

Italienische Touristen vor dem Brandenburger Tor

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Das Tourismusgeschäft in Berlin wächst, wenn auch mit leicht gebremstem Tempo. Im Vergleich zu 2015 stieg die Zahl der Übernachtungen 2016 um 2,7 Prozent auf 31,1 Millionen. Im Vorjahr war das Wachstum etwa doppelt so hoch. Burkhard Kieker, Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin führte dies bei der Vorstellung der Tourismuszahlen 2016 am Mittwoch teils auf die Flüchtlingskrise und Terrorgefahr zurück. Insbesondere ohne den Hauptstadtflughafen BER gingen Berlin neue Besucherströme durch Interkontinentalflüge verloren. „Macht das Ding auf!“, forderte Kieker. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) kündigte ein Konzept für einen „stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus“ an.

Wie bei den Übernachtungen erreichte auch die Zahl der Gäste einen neuen Höchststand. 12,7 Millionen Menschen wollten im vergangenen Jahr Berlin sehen. Das ist ein Anstieg von 2,9 Prozent. Die Mehrheit der Übernachtungen (54 Prozent) war in Deutschland gebucht. „Die Internationalität steigt allerdings“, sagte Kieker. So reist fast jeder zweite Besucher der Stadt (46 Prozent) aus dem Ausland an.

Markteinbrüche gab es etwa in Russland, Brasilien und Japan. Das Asiengeschäft erschwere laut Kieker, dass man dort meine, Europa bekomme die Terrorgefahr nicht in Griff. Und: „In einigen asiatischen Ländern hat sich der Eindruck verfestigt: Ich muss in Deutschland erst über Flüchtlinge steigen.“ Eine Stornierungswelle in Folge des Terroranschlags am 19. Dezember 2016 an der Gedächtniskirche gab es laut Kieker nicht.

Entgegen weitläufiger Meinung ist der typische Berlin-Tourist kein junger Easy-Jetter mit Kurs auf das Nachtleben der Stadt. Im Durchschnitt sind die Gäste 39,3 Jahre alt. Als Reisegründe für einen Berlin-Besuch nannten sie an erster Stelle „Sehenswürdigkeiten“, dann „Kunst und Kultur“ und schließlich „Stadtbild und Architektur“. Der wichtigste Auslandsmarkt ist Großbritannien mit 1,7 Millionen Übernachtungen – immerhin fast einem Zehntel mehr als 2015. „Das ist umso beachtlicher“, sagte Kieker, „da die Preise nach der Brexit-Entscheidung für Briten in der Stadt um rund zehn Prozent höher geworden sind.“ Damit das Geschäft bei weiteren Brexit-Folgen nicht schrumpft, werde auf der Insel weiterhin energisch für Berlin geworben.

Auf der Liste der erfolgreichsten Auslandsmärkte folgten 2016 die USA, Spanien und Italien. Zum ersten Mal ist auch Israel unter den Top Ten der meisten internationalen Übernachtungen. Das Amt für Statistik greift bei seinen Berechnungen auf Angaben von 771 sogenannten Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Betten zurück. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 61 Prozent. Unberücksichtigt sind dabei auf Internetbörsen angebotene Privatunterkünfte, etwa Wohnungen in der Stadt. Wirtschaftssenatorin Pop sagte, sie gehe nicht davon aus, dass die Nachfrage auf solchen Portalen die aktuellen Tourismuswerte gedämpft habe. „In dieser Frage fahren wir mit dem Zweckentfremdungsverbot sehr gut“, sagte die Grünen-Politikerin. Kieker räumte jedoch ein, es gebe durch derartige Vermietungen in Berlin „Übernachtungen im Millionenbereich“.

Der Senatorin zufolge liegt der Berliner Tourismusumsatz bei zehn Milliarden Euro. „Damit sichert der Tourismus inzwischen das Einkommen von mehr als 240.500 Menschen in unserer Stadt“, so Pop. Mit einem neuen Konzept will sie Auswüchsen wie Lautstärke und Vermüllung begegnen. Dazu sollen etwa auch die Bezirksbürgermeister einbezogen und Gäste zu Attraktionen außerhalb gängiger Tourismuszentren gesteuert werden. Es gehe um „Akzeptanz­erhalt und -förderung“ unter den Berlinern. „Denn Tourismus in Berlin ist wichtig.“ Für 2017 erwartet Tourismuschef Kieker aber wieder ein leichtes Wachstum.