Berlin

Ein großer und sechs kleine Kirchentage

Evangelische Kirche und Kirchentag laden zum Reformationssommer 2017 ein. 240.000 Teilnehmer werden erwartet

Berlin. Der Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg wartet in diesem Jahr mit einer Besonderheit auf: Aus Anlass des Reformationsjubiläums wird das große Christentreffen von sechs regionalen Kirchentagen in den drei „Reformationsländern“ begleitet. Vom 25. bis 28. Mai sind in Leipzig, Magdeburg, Halle/Eisleben, Dessau-Roßlau, Weimar/Jena und Erfurt 2000 Veranstaltungen geplant, wie der Verein Reformationsjubiläum am Freitag mitteilte. Er erwartet bis zu 100.000 Besucher, davon rechnet allein Leipzig mit 50.000.

Geboten werden geistliche Veranstaltungen, Konzerte, Kunstprojekte und andere Events, erklärten am Freitag die Präsidentin des Kirchentags und der „Kirchentage auf dem Weg“, Christina Aus der Au, und die Botschafterin des Rates der evangelischen Kirchen in Deutschland, Margot Käßmann. Anschließend sollen die Teilnehmer zum Open-Air-Abschlussgottesdienst des „großen“ Kirchentages am 28. Mai nach Wittenberg kommen – also in die Stadt, in der Martin Luther vor 500 Jahren die Reformation in Gang setzte, die in eine Kirchenspaltung mündete.

Ziel der „Kirchentage auf dem Weg“ sei es, den Teilnehmern authentische Orte der Reformation zu präsentieren, sagte Hartwig Bodmann vom Verein Reformationsjubiläum. Zudem wolle man mit den Angeboten auch Menschen erreichen, die bisher keinen Zugang zur Kirche gefunden hätten.

Die Ausrichterstädte setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte. In Magdeburg etwa, wo bis zu 20.000 Besucher erwartet werden, wollen Initiativen aus ganz Deutschland über Frieden diskutieren. Geplant ist auch eine stimmungsvolle Schiffsprozession. In Erfurt stehen Pilger und geistliche Angebote im Mittelpunkt, in Dessau-Roßlau geht es auf diversen Veranstaltungen um eine nachhaltige Lebensweise. In Halle/Eisleben können Besucher ein Kunstspektakel und ein Gospel-Chor-Treffen erleben, in Jena/Weimar politische Debatten zur Zukunft Europas oder klassische Konzerte. Höhepunkt in Leipzig ist ein Posaunenfest.

Die Kosten für die regionalen „Kirchentage auf dem Weg“ beziffern die Veranstalter mit 12,5 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte der Summe wird über Zuschüsse oder Sachleistungen der Länder und Kommunen finanziert. Zum Vergleich: Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg, zu dem vom 24. und 28. Mai 140.000 Teilnehmer erwartet werden, kostet rund 23 Millionen Euro. Auch hier gibt es staatliche Zuschüsse. So stellte das Land Berlin 8,4 Millionen Euro zur Verfügung. Kirchentage finden im Wechsel mit den Katholikentagen alle zwei Jahre statt.

Mit dem diesjährigen Kirchentag wird an Martin Luther erinnert. Im Jahre 1517 veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor 95 Thesen zum Ablasswesen seiner Zeit. Er kritisierte die Praxis des Ablasshandels, der mit Geldspenden den Sünder aus dem Fegefeuer befreien sollte. Luther stellte dem die Kraft des Glaubens mit dem Vertrauen auf die Gnade Gottes entgegen. Seine Thesen wurden zum Auslöser eines Prozesses im Laufe dessen die evangelischen Kirchen entstanden. Weil dies vor 500 Jahren begonnen hat, laden die Evangelische Kirche in Deutschland und der Deutsche Evangelische Kirchentag zum Reformationssommer 2017 ein.

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