Berlin

AfD schickt Islam-Gegner in den Wahlkampf

Nicolaus Fest will mit Direktmandat in den Bundestag. Gauland als Spitzenkandidat in Brandenburg nominiert

Die AfD hat den früheren Publizisten und erklärten Islam-Gegner Nicolaus Fest in Charlottenburg-Wilmersdorf als Direktkandidat für die Bundestagswahl nominiert. Der einstige stellvertretende Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ sagte, er freue sich auf den Wahlkampf und rechne sich gute Chancen aus, den Wahlkreis zu gewinnen.

Nicolaus Fest ist seit Oktober 2016 Mitglied der Berliner AfD. Bei seiner Vorstellung sorgte er an der Seite des AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Georg Pazderski für Aufsehen, als er sagte, er halte den Islam weniger für eine Religion, sondern für „eine totalitäre Bewegung, die mehr dem Stalinismus oder dem Nationalsozialismus ähnelt“. Das „öffentliche Ausüben“ dieser Ideologie müsse man verhindern, sagte Fest und forderte, sämtliche Moscheen zu schließen. Außerdem hatte Fest den Islam bei seinem Parteieintritt mit dem Nationalsozialismus verglichen.

Die AfD Brandenburg hat unterdessen ihren Landes- und Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland erwartungsgemäß zum Spitzenkandidaten der Landesliste für die Bundestagswahl gekürt. Der 75-Jährige, der auch Mitglied des Bundesvorstandes der AfD ist und als einer der wichtigsten Vertreter des äußerst rechten Parteiflügels gilt, erhielt auf einer Mitgliederversammlung in Rangsdorf südlich von Berlin bei der Wahl der Landesliste 199 von 240 gültigen Stimmen, wie die Partei am Sonntag mitteilte. Auf Platz zwei landete der Berliner Staatsanwalt Roman Reusch, danach folgte der Potsdamer AfD-Direktkandidat René Springer. Die Stimmzettel waren bereits am Sonnabend abgegeben worden. Wegen unterschiedlicher Ergebnisse bei mehrfachen Auszählungen stand das Ergebnis aber erst am Sonntag endgültig fest.

Gegen die AfD demonstrierten am Sonntag mehr als hundert Rangsdorfer, die Plakate mit Aufschriften wie „AfD ist keine Alternative“ oder „AfD – Nein Danke“ hochhielten. Zu dem Protest hatte unter anderem der örtliche Kulturverein aufgerufen. Man dürfe zur Versammlung der Rechtspopulisten nicht schweigen, sagte Kulturvereins-Vorsitzender Detlef Schlüpen. Die Polizei sicherte die Demonstration, zu Zwischenfällen kam es bislang nicht.

Gauland hatte die Partei vor seiner Wahl zur Geschlossenheit aufgerufen und den umstrittenen Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke verteidigt. „Er hat nichts gesagt, wofür er sich schämen müsste“, sagte Gauland. Höcke hatte mit Äußerungen zum Holocaust-Mahnmal in Berlin und seiner Forderung nach einer 180-Grad-Wende im Umgang mit der deutschen Vergangenheit bundesweit für Empörung gesorgt. Er habe kein Verständnis für Ausschlussforderungen gegen Höcke, sagte Gauland. „Auch ich hätte mir manches in Ton und Inhalt anders gewünscht. Aber, liebe Freunde, wenn die Granaten einschlagen, steht man zusammen“, sagte Gauland und erhielt dafür viel Applaus. Gauland betonte in seiner Bewerbungsrede, er wolle sich im Bundestag um die Außenpolitik kümmern. Es müsse mit Russland verhandelt werden.