Fashion Week Berlin 2017

Das sind Berlins vergessene Einkaufspaläste

Die Fashion Week belebt das leerstehende Kaufhaus Jandorf. In Berlin gibt es viele Gebäude, die einmal zum Shoppen genutzt worden sind.

Das Kaufhaus Jandorf wird für Events genutzt – derzeit für die Fashion Week

Das Kaufhaus Jandorf wird für Events genutzt – derzeit für die Fashion Week

Foto: Alexander Koerner / Getty Images for IMG

Hinter der Gründerzeitfassade des alten Kaufhauses Jandorf an der Brunnenstraße herrscht Trubel. Es wird gelaufen, geschminkt, gekleidet, gestaunt, geklatscht. Die Mercedes Benz Fashion Week hat dem historischen Gebäude in Mitte vorübergehend wieder Leben eingehaucht. Den Fünfgeschosser mit der schmucken Natursteinfassade ließ der frühere Kaufhaus-Magnat Adolf Jandorf – später auch Gründer des berühmten Kaufhauses des Westens (KaDeWe) – 1904 errichten. 1927 verkaufte Jandorf seine Firma an den Warenhauskonzern Hermann Tietz (Hertie). Die Berliner Modemesse, die am Brandenburger Tor zuletzt nicht mehr gelitten war, hat für ihr Event einen würdigen Ort gewählt. Denn nach der Schließung als Warenhaus im Jahr 1945 nutzte bald das Modeinstitut der DDR über Jahrzehnte das Gebäude.

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Jandorfs früheres Kaufhaus ist nicht der einzige Einkaufspalast in der Stadt, der längst dem ursprünglichen Zweck entfremdet worden ist oder leer steht. Zu den Vorzeigeobjekten gehört das ehemalige Kaufhaus Jonaß aus dem Jahr 1929 an der Torstraße in Prenzlauer Berg. Die jüdischen Eigentümer wurden von den Nationalsozialisten enteignet. Das Gebäude diente der Hitlerjugend und später der SED. Seit 2011 beherbergt das erste Kaufhaus der Stadt, das seine Waren auf Kredit verkaufte, ein exklusives Hotel: das „Soho House Berlin“.

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Schlagzeilen gemacht hat das Kunsthaus Tacheles an der Ecke Oranienburger und Friedrichstraße. Die Ruine war einst der Kopfbau der 1909 eröffneten Friedrichstraßenpassagen, neben der Kaiserpassage Unter den Linden die zweitgrößte Einkaufspassage Berlins. Die Inhaber gingen bald pleite. Wiederbelebungsversuche folgten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Passage stark beschädigt, die DDR-Führung ließ weite Teile abreißen. Die Überreste wurden nach dem Fall der Mauer von Künstlern besetzt. Das sogenannte Tacheles wurde ihr Atelierhaus und eine Touristen­attraktion. Wegen Verkaufs- und Neubauplänen war das Haus 2012 geräumt worden. Die internationale Fondsgesellschaft Perella Weinberg will aus dem 25.000 Quadratmeter großen Areal mit der Ruine des früheren Kaufhauses ein Quartier mit Büros, Wohnungen, Einzelhandel und Hotels machen. Für das
Tacheles selbst ist eine kulturelle Nutzung vereinbart.

Bereits saniert wird das denkmalgeschützte Kaufhaus Hertzog am Petriplatz. 1836 gegründet, nahm eines der ältesten Kaufhäuser Berlins um 1900 bereits das gesamte Karree zwischen Breite Straße, Brüderstraße und Scharrenstraße auf der Fischerinsel ein. Aus dem 1908 errichteten Gebäudeteil an der Brüderstraße 26 will die Berliner Immobilienfirma ID&A nach 20 Jahren Leerstand einen Bürokomplex machen.

Nicht zufällig stammen viele der beinahe in Vergessenheit geratenen Einkaufshäuser aus der Zeit um 1900. Mit der Industrialisierung wuchs in Berlin der Wohlstand des Bürgertums. Einkaufen wurde zum Freizeitspaß, bei dem es auch um Sehen und Gesehenwerden ging. Warenhäuser wurden überall aus dem Boden gestampft. Viele Architekten spezialisierten sich auf die Zweckbauten. An der Rosenthaler Straße 27 steht ein Objekt des bekannten Berliner Warenhaus-Architekten Alfred Messel: das Kaufhaus Wertheim von 1903. Heute ist es ebenfalls ein Bürohaus.

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