Bevölkerungswachstum

Statistik: Berlin hat weit mehr als 3,5 Millionen Einwohner

Offiziell hatte Berlin Ende 2015 3.520.000 Einwohner. Die aktuelle Einwohnerzahl dürfte mittlerweile deutlich höher liegen.

Blick auf den Fernsehturm

Blick auf den Fernsehturm

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Von Durchschnittsgehalt bis Übergewicht: Seit zehn Jahren versorgt das Amt für Statistik (AfS) die Berliner und Brandenburger, ihre Verwaltung und Politik mit Daten und Prognosen. Rund 450 Mitarbeiter erheben und verarbeiten dafür Abertausende Informationen, die im Statistischen Jahrbuch veröffentlicht werden.

Am Donnerstag stellte der Vorstand des Statistikamtes, Rudolf Frees, den 600 Seiten umfassenden Jahresbericht mit den Zahlen für 2015 in der Berliner Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt in Mitte vor. Wir fassen einige der zahlreichen Fakten zusammen:

Bevölkerung: In Berlin leben so viele Menschen, wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Laut Statistik waren es im Jahr 2015 3,52 Millionen. Zugezogen sind 183.000 Menschen, davon rund 41 Prozent aus dem Bundesgebiet und 59 Prozent aus dem Ausland. Berlin dauerhaft verlassen haben 2015 rund 142.000 Personen. „Unter dem Strich ergibt es einen Überschuss von 41.000 Menschen“, resümiert Frees. Ein weiterer Grund für die wachsende Einwohnerzahl ist ein kleiner Geburtenüberschuss von 3700 Babys. 38.000 Kinder wurden 2015 geboren – so viele wie in keinem anderen Jahr seit der Wende.

Diese Zahlen dürften inzwischen überholt sein – unter anderem wegen der Zuzüge von Arbeitnehmern und Studenten aus dem Ausland sowie von Geflüchteten, so die Statistiker. „Konkrete Zahlen für das Jahr 2016 liegen uns wegen technischer Umstellungen leider noch nicht vor“, erklärte der Vorstand. Diese seien erst 2018 zu erwarten. Aus den Melderegistern gebe es aber schon früher aktuelle Zahlen.

Brandenburg kratzt weiter an der 2,5-Millionen-Einwohner-Marke. Die Bevölkerungszahl sei das zweite Jahr in Folge gestiegen, so das Statistikamt. Es gibt nun 2,485 Millionen Brandenburger. Die Mark konnte vor allem bei Zuzügen im Berliner Speckgürtel punkten. Mit 95.600 Personen wurde die höchste Zahl seit 15 Jahren registriert.

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Studenten: Auch bei Studierenden ist die Hauptstadt weiterhin sehr beliebt. 176.000 junge Menschen besuchten 2015 eine Hochschule oder Universität in Berlin, das sind rund 32 Prozent mehr als 2006. Der Anteil der Männer und Frauen ist annähernd gleich. 38 Prozent der Erstsemester kamen aus anderen Ländern. Gefragt waren besonders Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gefolgt von Ingenieurwissenschaften. In Brandenburg studieren mittlerweile mehr Berliner als Märker. Seit 2013 nimmt dieser Trend zu.

Wohnungen: Auf dem Wohnungsbausektor verzeichnet das Amt für Statistik einen kontinuierlichen Trend: Berlin ist und bleibt mit mehr als der Hälfte aller Haushalte (54 Prozent) die Stadt der Singles. Insgesamt gibt es rund 1,9 Millionen Wohnungen. 55 Prozent davon haben nur ein oder zwei Zimmer. Knapp 11.000 neue Quartiere wurden 2015 fertig gebaut. Im Vergleich dazu erreichte das Land 2006 einen Tiefpunkt mit 3000 fertiggestellten Wohnungen. Dennoch lag der 2015er-Wert deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf an Wohnraum, bedingt durch den starken Zuzug. Wer keine fertige Wohnung haben möchte und stattdessen lieber in Bauland investiert, muss laut Statistiken immer tiefer in die Tasche greifen. So stieg der Durchschnittspreis für Bauland stark an und lag bei 424 Euro pro Quadratmeter – mit deutlichen Unterschieden zwischen den zwölf Bezirken. In Marzahn-Hellersdorf wurden im Schnitt 186 Euro bezahlt, in Mitte waren es 2264 Euro für den Qua­dratmeter.

Arbeitsmarkt und Wirtschaft: Eine positive Entwicklung verzeichnet das AfS auf dem Arbeitsmarkt. So waren 68,9 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahren) erwerbstätig, das heißt, sie arbeiteten mindestens eine Stunde in der Woche. Der 2015 eingeführte Mindestlohn führte zu deutlichen Verdienststeigerungen von durchschnittlich 3,9 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (die Summe aller hergestellten Waren und Dienstleistungen) stieg in Berlin um drei Prozent. Pro arbeitenden Menschen hingegen gab es eine Steigerung von lediglich einem Prozent. „Das liegt unter anderem daran, dass Berlin in der Dienstleistungsbranche wächst. Die Jobs in diesem Sektor sind schlecht bezahlt und nur halb so produktiv wie Arbeitsplätze im Produktionsgewerbe“, so Frees. mit dpa

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