Unfallbilanz

Zahl der getöteten Radfahrer in Berlin steigt deutlich

56 Menschen starben 2016 auf Berlins Straßen. Besonders Fußgänger und Radfahrer sind gefährdet.

Sogenannte Geisterräder erinnern an die getöteten Fahrradfahrer. Hier eine Aktion aus dem Jahr 2015.

Sogenannte Geisterräder erinnern an die getöteten Fahrradfahrer. Hier eine Aktion aus dem Jahr 2015.

Foto: DAVIDS/Darmer

Die Zahl der Menschen, die im vergangenen Jahr im Berliner Straßenverkehr ums Leben kam, ist auf den höchsten Wert seit zehn Jahren angestiegen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind 2016 insgesamt 56 Verkehrsteilnehmer ums Leben gekommen. Das entspricht dem höchsten Wert seit 2007 – damals gab es ebenfalls 56 Tote – und bedeutet eine Zunahme von mehr als 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2015 waren in Berlin 48 Menschen bei Verkehrsunfällen tödlich verletzt worden, 2014 waren es 52. Die vollständige Unfallbilanz der Senatsverwaltungen für Inneres, Verkehr und der Polizei wird nach Behördenangaben frühestens für Mitte oder Ende Februar erwartet.

Die meisten Todesopfer waren bei den Fußgängern zu beklagen. 2016 waren es 21, die ums Leben kamen, 2015 waren es 19. Der stärkste Zuwachs im Vergleich zu 2015 mit 70 Prozent betrifft jedoch die Radfahrer, von denen insgesamt 17 getötet wurden. 2015 und 2014 waren jeweils zehn Radfahrer ums Leben gekommen. Zuletzt waren in Berlin im Jahr 2003 mehr Radfahrer, nämlich 24, durch Unfälle gestorben - und das trotz präventiver Maßnahmen wie dem Einsatz von Fahrradstreifen der Polizei oder dem Blitzer-Marathon.

Die Unfallmeldungen zeigen, dass Lkw- und Autofahrer Radfahrer oft übersehen, besonders häufig beim Abbiegen. Wegen der schmalen Silhouette sind auch motorisierte Zweiradfahrer oft betroffen und in schwerwiegende Unfälle verwickelt. Bei ihnen, also den Krad- und Mopedfahrern, gab es 2016 mit zehn Todesopfern ebenfalls eine deutliche Zunahme. 2015 lag die Zahl der tödlich Verletzten durch Unfälle bei sechs.

Deutlich weniger getötete Autofahrer

Im Vergleich zu den „ungeschützten“ Zweiradfahrern geht die Zahl der tödlich verunglückten Autonutzer zurück: Sieben Autofahrer starben im vergangenen Jahr. Das entspricht rund 14 Prozent der Unfallopfer. 2015 gab es dagegen 13 getötete Autofahrer in Berlin, damit lag der Anteil bei 27,1 Prozent der tödlich verletzten Verkehrsunfallopfer. Immerhin taucht 2016 kein Kind unter 14 Jahren in der Bilanz auf, ein Jahr zuvor gab es ein Todesopfer, dass jünger als 14 Jahre alt war.

Erst am Sonntagmorgen war es in Charlottenburg zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei Verletzten gekommen, darunter war auch ein Kind.

Die Autoren des aktuellen Verkehrssicherheitsberichts der Senatsverwaltung hatten zuletzt darauf hingewiesen, dass bei Unfällen auf Berlins Straßen Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer zusammen rund drei Viertel der Todesopfer und Schwerverletzten ausmachten. Zweiradfahrer, ob motorisiert oder nicht, würden zudem im Vergleich zu ihrem Anteil an den täglichen Wegen im Straßenverkehr überproportional häufig schwer verletzt, hieß es.

Ein weiteres der Todesopfer der Statistik von 2016 starb in Schöneberg durch einen Sturz in einem BVG-Bus. Dessen Fahrer musste abrupt abbremsen, weil unmittelbar vor dem Fahrzeug ein Pkw aus einer Parklücke ausgeschert war, offenbar ohne auf den fließenden Verkehr zu achten.

Bei sonst durchschnittlich rund einem Todesopfer pro Woche fiel eine tragische Serie von Unfällen in der ersten Dezemberhälfte besonders auf. Sie hat den Trend negativ beeinflusst: Betroffen waren drei Fußgänger und ein Radfahrer. Am 8. Dezember erfasste in Charlottenburg ein Lkw beim Abbiegen eine 52-Jährige an der Kreuzung Knobelsdorff- Ecke Königin-Elisabeth-Straße. Die Frau wurde überrollt und starb noch am Unfallort. Am folgenden Tag überfuhr in der Edisonstraße beim Anfahren eine 82-Jährige, die in dem Moment zu Fuß die Fahrbahn überqueren wollte.

Senioren sind besonders gefährdet

In der Nacht darauf wurde ein 50 Jahre alter Fußgänger in Weißensee von einer Straßenbahn erfasst und tödlich verletzt. Der Mann hatte in der Hansa­straße die nahende Tram offenbar nicht bemerkt, der Straßenbahnfahrer erlitt einen schweren Schock. Und am 11. Dezember wurde eine Fußgängerin in Reinickendorf getötet. Die 89-Jährige hatte spätnachmittags nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß den viel frequentierten Hermsdorfer Damm überquert und war vom Auto eines 21-Jährigen überfahren worden, der nach polizeilichen Erkenntnissen keine Chance hatte, seinen Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen.

Obwohl der vollständige Lagebericht zur Verkehrssicherheit aussteht, zeichnet sich bereits ab, dass sich der Trend des Verkehrssicherheitsberichtes fortsetzt und in Berlin die Fußgänger und Radfahrer weiterhin zu den am stärksten betroffenen Risikogruppen gehören dürften. 2015 stellten Fußgänger und Radfahrer 60,42 Prozent der Getöteten, 2016 sogar 38 von 56 Verkehrstoten und damit über 70 Prozent. Insgesamt rechnet man 2016 mit etwa 2000 schwer verletzten und 15.000 bis 17.000 leicht verletzten Unfallbeteiligten. Mit 26 von 56 Opfern stellen Senioren ab dem 65. Lebensjahr fast die Hälfte aller Opfer. 2015 waren 18 von 48, ein Jahr zuvor 21 von 52 älter als 64 Jahre.

Junge Erwachsene größte Risikogruppe

Junge Erwachsene stellen insgesamt die größte Risikogruppe dar. Dies gilt auch für den Fahrradverkehr. Eine weitere Hauptrisikogruppe im Radverkehr sind mittlerweile die Erwachsenen mittleren Alters.

Männer verunglücken, unabhängig von Alter und Art der Verkehrsteilnahme, unverändert rund 1,6-mal häufiger als Frauen und werden fast doppelt so häufig schwer verletzt.

Laut Verkehrssicherheitsbericht ist das Fahren mit Bus und Bahn die sicherste Form, am Berliner Verkehr teilzunehmen.