Fahrradverkehr

Schönhauser Allee könnte Radschnellweg werden

Über die Schönhauser Allee oder entlang der Autobahn: Erste Details zu möglichen Routen durch Berlin liegen vor.

Fahrrad / Fahrradfahrer / Radfahren / Rad / Moritzplatz

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Foto: Reto Klar

Die Schönhauser Allee ist bei Berlins Radfahrern ungefähr so beliebt wie Glatteis. Rund 5000 von ihnen müssen sich täglich einen schmalen Radweg teilen, der gerne auch von Fußgängern betreten wird. Und wenn man dann doch mal so richtig schön in Fahrt ist, kommt die nächste rote Ampel bestimmt.

Doch es gibt Hoffnung für die Radler. So könnte auf der Schönhauser Allee nach Morgenpost-Informationen ein Radschnellweg entstehen. Genauer geht es um die Strecke zwischen Bahnhof Pankow und Hackescher Markt, die zu großen Teilen auch über die Schönhauser Allee führen würde. Mit dem Schnellweg bräuchten Radfahrer für die rund sechs Kilometer lange Strecke nur noch 17 statt 22 Minuten.

Kommentar: Das Tandem aus Grünen und Radentscheid wackelt

Dennoch halten Experten die Idee zumindest für gewagt. Denn Radschnellwege zeichnet aus, dass sie möglichst frei von Kreuzungen sind. Auf der Strecke müssen jedoch mehr als 40 Ampeln passiert werden. Dazu kommt ein hohes Pkw-Aufkommen – mehr als 25.000 am Tag allein auf der Schönhauser Allee. Für einen Radschnellweg müsste den Autofahrern wohl eine Fahrspur oder Parkplätze weggenommen werden.

Autos nur noch auf der Westseite der Schönhauser?

"Das Ampel-Problem kann man lösen, indem man mittels Detektoren eine grüne Welle für die Radfahrer einrichtet", sagt der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar. Zudem lasse sich der Abschnitt mit dem "Panke-Trail" verbinden. Die Route von Pankow-Buch bis Prenzlauer Berg entlang der S2-Trasse wurde im Rahmen eines Wettbewerbs des ADFC mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Auch sie haben die zuständigen Planer auf dem Zettel.

Was den Autoverkehr angeht, steht indes eine andere Lösung im Raum. So existieren Pläne eines dänischen Architekturbüros, wonach Autos nur noch auf der Westseite der Schönhauser Allee fahren sollen. Die Parkplätze könnten unter die Fläche der U2-Trasse wandern, die Ostseite stünde dann ausschließlich Radfahrern, Fußgängern und Tram zur Verfügung.

Vier Route sollen Machbarkeitsstudie durchlaufen

Rund 100 Kilometer Radschnellwege soll Berlin laut Koalitionsvertrag bekommen. Ziel ist, die Außenbezirke besser mit der Innenstadt zu vernetzen und Pendlern das Fahrrad schmackhaft zu machen. Die Kriterien für Berlin: Die Wege sollen mindestens vier Meter breit, drei Kilometer lang sein und Tempo 30 erlauben.

In den vergangenen Monaten hatte die Verkehrsverwaltung zusammen mit einem Ingenieurbüro aus Hannover und Verbänden rund 30 mögliche Routen gesammelt, diese wurden mehrstufig "gesiebt". Als Nächstes sollen bis zu vier Routen, die das höchste Potenzial und die schnellste Realisierbarkeit aufweisen, eine Machbarkeitsstudie durchlaufen.

Neben der Schönhauser Allee ist offenbar auch eine zweite Verbindung in der engeren Auswahl. Sie führt von Adlershof bis zum Britzer Zweigkanal und von dort eventuell auch bis nach Neukölln hinein. Der Vorteil: Zwischen Teltowkanal und der A 113 verläuft bereits ein asphaltierter Weg von rund drei Meter Breite, auch deshalb wird der Route hohes Potenzial bescheinigt. Der Bau der notwendigen Brücke über den Kanal ist im Koalitionsvertrag verankert.

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