Flüchtlinge in Berlin

Wenn das neue Zuhause ein Container ist

Rund 200 Flüchtlinge leben jetzt im Containerquartier in Karow. 1600 Menschen harren noch in Sporthallen aus.

Familie Raufi wohnt jetzt in Karow

Familie Raufi wohnt jetzt in Karow

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Am Weihnachtswochenende gingen die Lichter aus: Sechs, sieben Mal gab es einen Stromausfall in der Flüchtlingsunterkunft an der Siverstorpstraße. Die letzten zwei Tage verliefen zwar ruhig. Die Bewohner von zwei Appartements aber mussten noch einmal umziehen: Schaltete man in einem Container das Licht an, dann ging es im anderen auch an. Die Reparatur steht noch aus.

Bei der Flüchtlingsunterkunft in Karow handelt es sich um eines von vier Containerquartieren, den sogenannten Tempohomes, die in den vergangenen Monaten in Berlin fertiggestellt wurden. Vor allem Flüchtlinge, die immer noch in Turnhallen wohnen, sollen hier eine Unterkunft finden. Seit Mitte Dezember ist das Gelände an der Siverstorpstraße offiziell bezugsfertig. 211 Flüchtlinge wohnen inzwischen dort. Seitdem gab es nicht nur Probleme mit der Elektrizität. Ein paar Rohre tropften, mussten abgedichtet werden.

Für die Bewohner ist es dennoch ein Schritt nach vorne. Vor den Containern stehen Fahrräder und Kinderwagen. „Wir sind froh, eine Unterkunft zu haben“, sagt Hamida Raufi aus Afghanistan. Sie lebte mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen neun Monate in mehreren Berliner Turnhallen, zuletzt an der Wackenbergstraße in Prenzlauer Berg. Am Anfang war von zwei Monaten die Rede, sagt sie. Das habe sich mehrmals verzögert. „Immer wieder habe ich die Auskunft bekommen, dass wir bald eine Wohnung bekommen“, sagt sie. Die Toilette teilten sich die vier mit mehr als hundert anderen Menschen. Am Ende nahm sie täglich sechs Tabletten, zur Beruhigung, sagt sie. „Nach Afghanistan fühlte ich mich wie erschlagen“, sagt Hamida Raufi. „In der Turnhalle wurde es schlimmer.“

„Hier haben wir endlich etwas Ruhe“

Nicht überall ist es so beengt. In der Turnhalle der Ellef-Ringnes-Grundschule in Reinickendorf hat sich die Situation erholt. Anfangs waren 199 Betten belegt. Heute sind es noch 67. In der Turnhalle wohnen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak dicht an dicht. Zwischen mit Betttüchern abgehängten Wohnzimmern ist so etwas wie Alltag eingekehrt. Über den Hallenboden fahren Kinder mit Rollern. Die Eltern sitzen auf Bänken und essen Reste von Weihnachtsstollen. Wann die Bewohner eine andere Unterkunft beziehen können ist unklar. „Wir wollen es ihnen hier so schön wie möglich machen“, sagt Heimleiterin Geraldine Schillner.

Familie Raufi lebt heute in Karow in einer abgetrennten Wohnung, hinter einer Tür von 64. Vorne graue Fassaden. Gefertigt aus Platten, mit Nägeln. Eine schnelle Übergangslösung eben. Für die Familie ist das Gebäude indes wie ein Zuhause. Auf dem Boden im Eingangsbereich liegt ein brauner Teppich. Rechts neben Herd und Backofen trocknen Tassen und Teller, noch vom Abendessen am Vortag. Kein Fertigessen mehr. Sohn Mustafa (15) schläft nebenan im Kinderzimmer, abgetrennt mit einer Tür. Vor zwei Wochen wäre das noch unmöglich gewesen. „Hier haben wir endlich etwas Ruhe“, sagt Raufi.

Kinder unter sechs Jahren zählen extra

Die Tempohome-Appartements sind 40 Quadratmeter groß. Jede Unterkunft hat zwei Schlafzimmer, ein Bad, eine Küchenzeile. Konzipiert ist sie für vier Personen. Kinder unter sechs Jahren zählen extra. „Bei manchen Familien schlafen die Eltern mit einem oder mehreren Kindern in einem Raum“, sagt Einrichtungsleiterin Nayer Paknia vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk. Ein Schlafzimmer misst 13 Quadratmeter.

Viele Bewohner der Anlage kommen aber nicht aus Turnhallen, sondern der Flüchtlingsunterkunft an der Zossener Straße in Hellersdorf. Die Anlage wurde im Herbst bezogen. Dann traten, wie berichtet, Probleme mit der Elektrik auf – Kriechstrom. Die Stromleitungen werden derzeit saniert. In vier bis fünf Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Ziel verfehlt: Noch 17 Berliner Sporthallen belegt

Ungeachtet der Tempohomes müssen rund 1580 Flüchtlinge den Jahreswechsel noch in einer Turnhalle verbringen, bevor sie 2017 in eine andere Unterkunft ziehen können. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung sind derzeit noch 17 Berliner Sporthallen mit Flüchtlingen belegt. Die ehemalige rot-schwarze Landesregierung hatte den Anspruch, alle Sporthallen bis zum Jahresende freizuziehen. Dieses Ziel wurde verfehlt. Wesentliche Gründe für die Verzögerung sind zum einen die später als geplant fertiggestellten Ersatzquartiere, zum anderen juristische Probleme bei der Ausschreibung der Verträge für Heimbetreiber. Finanzsenator Matthais Kollatz-Ahnen (SPD) und der ehemalige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatten sich in der Vergangenheit gegenseitig für die Verzögerung verantwortlich gemacht. Die in den Turnhallen untergebrachten Flüchtlinge sollten vor allem in die Tempohomes ziehen.

Zunächst war in diesem Jahr der Bau von 30 dieser Quartiere geplant, später wurde die Zahl auf 18 reduziert. Tatsächlich sind allerdings erst vier Tempohomes in Pankow, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick bezogen. Für den Bau der Containerdörfer ist die landeseigene Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM) zuständig, die beim Finanzsenator angesiedelt ist. BIM-Sprecher Christian Breitkreutz kündigte für Januar und Februar die Fertigstellung von sieben weiteren Tempohomes an. Jedes bietet etwa 260 bis 280 Plätze.

Mitte Januar soll der Doppelstandort auf den Buckower Feldern in Neukölln an das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) übergeben werden, Ende Januar der Doppelstandort an der Elisabethaue in Pankow sowie ein Tempohome am Oberhafen in Spandau, sagte Breitkreutz der Berliner Morgenpost. Im Februar sollen dann zwei weitere Containerquartiere in Marzahn und Lichtenberg hinzukommen. Breitkreutz verwies aber darauf, dass die Unterkünfte vor dem Bezug noch eingerichtet werden müssten und ein Betreiber auszuwählen sei.

Rund 1580 Flüchlinge müssen den Jahreswechsel in einer Turnhalle verbringen und werden erst 2017 in eine andere Unterkunft ziehen können. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung sind derzeit noch 17 Berliner Sporthallen mit Flüchtlingen belegt. Die ehemalige rot-schwarze Landesregierung hatte den Anspruch, alle Sporthallen bis zum Jahresende freizuziehen, dieses Ziel wurde verfehlt.

Wesentliche Gründe für die Verzögerung sind zum einen später als geplant fertiggestellte Ersatzquartiere, zum anderen juristische Probleme bei der Ausschreibung der Verträge für Heimbetreiber. Finanzsenator Matthais Kollatz-Ahnen (SPD) und der ehemalige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatten sich in der Vergangenheit gegenseitig für die Verspätung verantwortlich gemacht.

Die in den Turnhallen untergebrachten Flüchtlinge sollten vor allem in Containerdörfer, sogenannte Tempohomes, ziehen. Zunächst war in diesem Jahr der Bau von 30 dieser Quartiere geplant, später wurde die Zahl auf 18 reduziert. Tatsächlich sind allerdings erst vier Tempohomes in Pankow, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick bezogen. Für den Bau der Containerdörfer ist die landeseigene Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM) zuständig, die beim Finanzsenator angesiedelt ist. BIM-Sprecher Christian Breitkreutz kündigte für Januar und Februar die Fertigstellung von sieben weiteren Tempohomes an. Jedes bietet etwa 260 bis 280 Plätze.

Mitte Januar soll der Doppelstandort auf den Buckower Feldern (Neukölln) an das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) übergeben werden, Ende Januar der Doppelstandort auf der Elisabethaue in Pankow sowie ein Tempohome am Oberhafen in Spandau, sagte Breitkreutz der Berliner Morgenpost. Im Februar sollen dann zwei weitere Containerquartiere an der Dingolfinger Straße in Marzahn und der Hohenschönhauser Straße in Lichtenberg hinzukommen. Breitkreutz verwies aber darauf, dass die Unterkünfte vor dem Bezug noch eingerichtet werden müssten und ein Betreiber auszuwählen sei. Der neue rot-rot-grüne Senat benennt zunächst Interimsbetreiber und beruft sich dabei auch auf das Berliner Berliner Polizeigesetz. Zur Gefahrenabwehr sei es notwendig, fertige Unterkünfte schnell zu beziehen. Damit sollen Widersprüche von Mitbewerbern gegen die Betreiberauswahl vermieden werden. Ob das juristisch Bestand hat, muss sich noch erweisen. Die CDU hat Zweifel daran.

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