Tierpark Berlin

Das Eisbärbaby macht seine ersten Schritte

Das Eisbärenbaby im Tierpark entwickelt sich prächtig und krabbelt schon durch die Wurfhöhle. Einen Namen gibt es noch nicht.

Das Eisbärbaby in seiner Wurfhöhle

Das Eisbärbaby in seiner Wurfhöhle

Foto: © 2016 Tierpark Berlin

Wenn die Berliner am Jahresende noch schnell die letzten Raketen für Silvester kaufen, dann wird es auch in der Eisbärenkinderstube im Tierpark feierlich – allerdings schon tagsüber beim Rundgang der Pfleger. „Natürlich soll Eisbärenmutter Tonja merken, dass Silvester ist“, sagt Tierpflegerin Barbara Lächert. Sie werde ein Stück Schokolade dabei- haben und vielleicht auch noch ein Honigbrot. Nicht gerade Schonkost für den dicken Bären. Aber Tonja liebe Süßes, sagt die 54-Jährige. Und sie hat es sich verdient. Gäbe es einen Orden für die vorbildliche Aufzucht von Eisbärenjungen, wäre die siebenjährige Bärin nominiert worden.

Noch trinkt das Junge ausschließlich Milch

Das ist ein Glück für das Eisbärenbaby, das umsorgt und behütet von Tag zu Tag größer und dicker wird. Noch trinkt es ausschließlich Milch, schläft viel und nutzt die restliche Zeit, um Laufen zu lernen. Immerhin hat es der Minibär schon geschafft, sich auf alle vier Pfoten zu stemmen. „Seinen ersten Schritt hat er auch schon gemacht“, sagt Kurator Florian Sicks. Allerdings sei er sofort wieder auf die Seite geplumpst. Aber so schnell lässt sich der kleine Eisbär nicht entmutigen. Er rappelt sich meistens sofort wieder auf und unternimmt einen neuen Versuch. „Anfang des Jahres wird er laufen können“, sagt der Kurator.

Er ist zufrieden mit seinem Schützling. „Die große Angst ist weg“, sagt Florian Sicks. Vorbei ist auch die Zeit, als sein erster Gedanke jeden Morgen war: „Hoffentlich lebt das Eisbärenbaby noch.“ Am 3. November hatte die Eisbärin Tonja Zwillinge zur Welt gebracht. Aber nur ein Jungtier überlebte die kritische Phase der ersten zehn Tage und wächst jetzt heran.

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Für den Tierpark in Friedrichsfelde ist der Eisbärennachwuchs in diesem Jahr das wohl schönste Ereignis. 22 Jahre lang ist kein Eisbärenbaby mehr im Tierpark geboren worden. Auch im Zoologischen Garten ist die Geburt des legendären Eisbären Knut schon wieder zehn Jahre her. Knut wurde nach seiner Geburt von Pfleger Thomas Dörflein liebevoll versorgt und mit der Flasche aufgezogen. Das Eisbärenbaby erlangte rasch weltweite Berühmtheit und lockte Millionen Besucher in den Zoo. Im Jahr 2011 starb Knut an den Folgen einer Gehirnentzündung.

Jetzt könnte das Eisbärenbaby aus dem Tierpark in Knuts Stapfen treten. Das Zeug dazu hat es schon. Obwohl es noch in der Wurfhöhle ist und diese erst im Frühjahr mit der Mutter verlassen wird, interessieren sich die Besucher für den Minibären. Manche hoffen, dass sie ihn vielleicht doch schon sehen könnten. Aber an dem Sicherheitsposten, der die Wurfhöhle bewacht, kommt keiner der Besucher vorbei. Eisbärenmutter Tonja und ihr Baby brauchen noch mindestens vier Monate Ruhe, bis sie sich wieder auf die Anlage wagen.

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Aber auch die Tierpfleger haben das Eisbärenjunge bislang nur von Weitem gesehen. Das Risiko, dass sich Tonja zu sehr aufregen würde, wenn sich jemand ihrem Nachwuchs nähert, ist noch zu groß. „Im Moment trainieren wir, dass Tonja Vertrauen fasst und ihr Baby beruhigt allein lässt“, sagt Pflegerin Barbara Lächert. Bereits jetzt verlasse sie die Wurfhöhle, um in dem benachbarten Stall zu fressen. Dabei hat sie ihren Nachwuchs aber immer im Blick oder hört ihn. Ziel der Tierpfleger ist es, den Schieber zwischen beiden Ställen zu schließen, damit Tonja beim Fressen bleibt und sie ungehindert zu dem Jungtier könnten.

Sobald das möglich ist, steht die Tierarzt-Visite an. Bei der Erstuntersuchung des Eisbärennachwuchses wird endlich auch klar, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Auf diese Nachricht warten bereits viele Berliner. „Die ersten Weihnachtskarten mit Namensvorschlägen sind schon bei uns angekommen“, sagt die Pflegerin. Noch gebe es Namen für beiderlei Geschlecht. Ein Weibchen wäre der Wunsch der Tierpark-Mitarbeiter. „In Europa gibt es generell weniger weibliche Eisbären, daher wäre es gut“, sagt Florian Sicks. Aber das Geheimnis wird wohl erst im neuen Jahr gelüftet. So lange soll Tonja weiter Vertrauen fassen, in ihre neue Rolle als Mutter und in ihre Pfleger, damit sie keine Angst davor hat, dass sie ihr das Kind wegnehmen wollen.

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Das neue Jahr, so hat es Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem bereits vorhergesagt, steht ganz im Zeichen des Bären. Zum einen, weil der Eisbärennachwuchs dann erstmals auf der Anlage im Tierpark zu sehen sein wird. Und zum anderen, weil zwei Pandabären aus China im Sommer in ihr Gehege im Zoo einziehen sollen. Derzeit laufen die Bauarbeiten für das neue Pandarevier. Die fast 5500 Quadratmeter große Anlage entsteht für neun Millionen Euro wenige Schritte hinter dem Zooeingang am Elefantentor. Der Vertrag mit den Chinesen ist ausgehandelt.

Das Land Berlin bekommt die beiden Pandabären als Leihgabe für 15 Jahre mit einer Option auf Verlängerung. Nachwuchs ist ausdrücklich erhofft und erwünscht.

Bis es aber so weit ist und alle Bären da sind, hält Wolodja die Stellung auf dem Eisbärenfelsen. Er ist der Vater des Eisbären­babys und nun allein auf der Anlage unterwegs. Mit gemächlichen Schritt trottet er hin und her, klettert über den Felsen, legt sich auf den Rücken und zeigt seinen Bauch. Die Show muss weitergehen. Ihm und allen anderen Tieren, die Pflegerin Barbara Lächert am Silvestertag versorgt, wird sie beim Hinausgehen aus dem Stall ein gutes neues Jahr wünschen.