Christoph Langhof

Star-Architekt fordert noch mehr Hochhäuser in Berlin

Christoph Langhof ist Architekt. Er entwarf das Upper West und lehnt Hochhausrahmenpläne ab

Architekt Christoph Langhof vor dem Upper West (links)

Architekt Christoph Langhof vor dem Upper West (links)

Foto: Reto Klar

In ihrem Koalitionsvertrag hat sich Rot-Rot-Grün auf einen Hochhausentwicklungsplan für Berlin verständigt, „mit dem die stadträumliche Verteilung reguliert und die Zahl von Hochhausstandorten beschränkt werden soll“. Unter Architekten und Stadtplanern sind solche Regelwerke umstritten. Warum, erklärt der Architekt Christoph Langhof im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Langhof (68) hat den Upper-West-Tower am Breitscheidplatz in der City West entworfen – und zwei Jahrzehnte lang für seine Realisierung gekämpft. Das 118-Meter-Hochhaus mit der weißen Aluminium-Fassade ist fast fertig und soll im Frühjahr 2017 bezogen werden.

Herr Langhof, Ihr Upper West ist nahezu fertig. Arbeiten Sie bereits am nächsten Hochhaus?

Christoph Langhof: Leider bin ich da zur Verschwiegenheit verpflichtet und darf Ihnen noch nichts Konkretes verraten. Nur so viel: Wir haben ein tolles Projekt in der Innenstadt – und hoch wird es auch noch.

Können Sie uns verraten, wie der Sachstand bei Ihrem Vorschlag für einen 210-Meter-Turm am Hardenbergplatz ist?

Das Projekt ruht – aber nicht, weil es kein Interesse daran gibt. Im Gegenteil, es gibt ernst zu nehmende Investoren, die es sehr gern realisieren würden. Nachdem nun die neue Landesregierung im Amt ist, werden wir mit der neuen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher die Gespräche wieder aufnehmen.

Wäre es nicht besser gewesen, das schnell noch mit dem alten Senat auszuhandeln? Rot-Rot-Grün hegt ja ganz offensichtlich keine Sympathien für hohe Häuser …

Ich kann das noch nicht einschätzen, ob das wirklich so ist, bin aber grundsätzlich erst einmal optimistisch, dass sich gute Ideen durchsetzen …

Woher der Optimismus?

Bis das Upper West endlich gebaut werden konnte, hat es auch gut 20 Jahre gedauert. Letztlich hat die gute Idee sich aber gegen alle Widerstände, die es auch gegen dieses Projekt reichlich gab, durchgesetzt. Das stimmt mich zuversichtlich.

Ab welcher Höhe sprechen wir eigentlich von einem Hochhaus?

Da kann man sich an den drei Kategorien orientieren, die der Brandschutz vorgibt. Da gibt es einmal die Häuser mit einer Gebäudehöhe bis 22 Meter, das ist auch die Höhe der Gründerzeitquartiere in Berlin. Dazu kommen dann die Hochhäuser bis 60 Meter. Dazu gehört bereits alles, was mehr als sechs oder sieben Stockwerke hat. Und alle Hochhäuser mit mehr als 60 Metern gehören dann bereits in die zweite Kategorie der Hochhäuser, von denen Berlin jedoch nur sehr wenige hat. Diese Kategorien sind übrigens keine Berliner Besonderheit, das gilt bundesweit und ganz ähnlich auch in Europa.

Welcher von diesen beiden Hochhaustypen ist denn für die weitere Entwicklung Berlin wichtig?

Wenn wir über die notwendige Nachverdichtung in Berlin sprechen, die aufgrund des erheblichen Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahre und der entsprechenden Prognosen für die kommenden Jahre geboten ist, sprechen wir von der Kategorie der bis zu 60 Meter hohen Häuser. Diese Kategorie brauchen wir dringend, sonst wird jede nur erdenkliche freie Fläche irgendwann zugebaut sein. Das kann auch die neue Regierung nicht wollen.

Tatsache ist aber, dass die neue Koalition Hochhäusern misstrauisch gegenübersteht. Wie erklären Sie sich das?

Als erstes Gegenargument wird immer angeführt, dass Hochhäuser teurer sind und Wohnungen dort sich nur Reiche leisten können. Das stimmt aber eben nicht, gerade die Häuser bis 60 Meter sind sehr kosteneffizient, weil dort nur ein Treppenhaus erforderlich ist. Erst ab Höhen darüber muss ein zweites gebaut werden. Eher ungünstig sind also Häuser zwischen 60 und 100 Metern. Die machen aus ökonomischer Sicht kaum Sinn. Besser wird es dann wieder über 100 Meter, dann rechnet sich auch das zweite Treppenhaus. Einen erneuten Kostensprung gibt es dann ab 250 Metern. Ab dieser Höhe wird es aufgrund der physikalischen Bedingungen schwierig und damit wiederum teuerer.

Wie kam es zu der Festlegung, dass die Häuser am Alexanderplatz 150 Meter, am Breitscheidplatz 118 Meter messen sollen?

Wie so häufig in Berlin gibt es dafür keine sachliche Begründung, sondern ist lediglich das Ergebnis von politischen Verhandlungen.

Und wieso schlagen Sie am Hardenbergplatz einen 210-Meter-Turm vor, eine Größenordnung, die Berlin bislang nicht kennt? In der Hauptstadt ist bislang ja bei 125 Metern Schluss.

Das hat rein proportionale Gründe, weil an dieser Stelle ganz andere Abstände zum nächsten Gebäude möglich sind. Und weil hier, am Ende der Joachims­thaler Straße und am Anfang und Endpunkt in den Tiergarten hinein ein kraftvolles Gebäude Sinn macht. Wir konnten an dieser Stelle ganz unbefangen nach der besten kompositorischen Lösung suchen, da es dort keinen Bebauungsplan gibt, der bestimmte Abstände und Höhen vorschreibt …

Genau solche Gedankenspiele will der Senat doch durch seinen Hochhausentwicklungsplan künftig verhindern?

Ich halte nichts von solchen Festlegungen. Zum einen, weil solche Regelwerke viel zu schwerfällig sind und mit den tatsächlichen Entwicklungen über die Jahre hinweg nicht Schritt halten. Das kann man gut am Alexanderplatz ablesen. Es hat nichts genützt, dass man vor 23 Jahren festgelegt hat, an welcher Stelle man gerne zehn 150 Meter hohe Türme hätte. Im Gegenteil, der Plan musste aufwendig überarbeitet werden, weil Bestandsgebäude unter Denkmalschutz gestellt oder aufwendig saniert wurden und nun den einstmals geplanten Türmen dauerhaft im Weg stehen.

Und was ist das andere Problem mit diesen Masterplänen?

Solche Pläne öffnen der Bodenspekulation doch Tür und Tor. In dem Moment, wo festgelegt wird, dass dort hoch gebaut werden darf, steigen die Grundstückspreise exorbitant. Genau aus diesem Grund verzichten auch viele Städte auf solche Hochhausrahmenpläne. Daher plädiere ich auch dafür, mit solchen Plänen sehr vorsichtig zu sein. Sie sind ohnehin kein Allheilmittel, um sich die Fragestellung künftiger Bebauung dauerhaft vom Hals zu halten. Es wird immer wieder geschehen, dass durch Eigeninitiative etwas Neues, bisher so nicht Vorgesehenes entsteht und die Menschen begeistert. Warum auch nicht, davon lebt ja die Stadt. Und es ist doch klar, dass sich auch das Stadtbild ändert, wenn sich die Lebensbedingungen in der Stadt ändern. Das sehen wir ganz aktuell etwa bei der Diskussion um die faire Verteilung des Straßenlandes auf alle Verkehrsteilnehmer, weil inzwischen nur noch 30 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt werden. Also werden eben mehr Radwege gebaut.

Wie sieht Berlin denn in 25 Jahren aus?

Grüner und zugleich in der Innenstadt deutlich höher – mindestens zwei bis acht Geschosse höher als heute. Die Häuser werden zudem über begrünte Dachgärten und Fassaden verfügen, weil das nicht nur eine enorme Qualität für die Bewohner hat, sondern auch gut für das Klima und die Luftqualität ist. Zwischen diesen grünen Dachlandschaften wird es auch immer wieder kleine Parks und Spielplätze geben – eben weil wir in die Höhe und nicht in die Breite wachsen. Aus dieser grünen Dachlandschaft werden vereinzelt richtig hohe Hochhäuser herausschauen, auf denen sich horizontal angebrachte Windräder drehen, die man deshalb von unten gar nicht sehen wird. 20 bis 30 Prozent der Primärenergie werden wir damit erzeugen.

Was fasziniert Sie persönlich an Hochhäusern?

Der wunderbare Rundumblick, den man aus den oberen Etagen hat und die vertikale, sehr urbane Nutzungsmischung, die die Türme eröffnen – oben wohnen und unten arbeiten. Wenn die Koalition etwas regeln will, sollte sie festlegen, dass die oberste Etage immer eine öffentliche Nutzung bekommt, damit alle Menschen etwas davon haben.