Anschlag Breitscheidplatz

Update: Was wir über den Anschlag und Anis Amri wissen

| Lesedauer: 7 Minuten

Am 19. Dezember 2016 raste ein Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Was wir bisher wissen.

In Berlin ist am 19. Dezember 2016 ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg gefahren. Der Lkw erfasste zahlreiche Menschen. Es starben zwölf Menschen, wie die Polizei in der Nacht zu Dienstag mitteilte. Mehr als 50 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um einen Anschlag.

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Was passierte genau?
Gegen 20 Uhr raste der Lastwagen aus der Hardenbergstraße kommend in Höhe der Einmündung zur Budapester Straße auf das Gelände des Weihnachtsmarkts auf dem Breitscheidplatz an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg. Zeugen zufolge gab es zunächst einen lauten Knall und dann Schreie. Der Lkw erfasste zahlreiche Menschen und fuhr auch in mehrere Weihnachtsmarktstände.

Insgesamt legte der Laster auf dem Weihnachtsmarktgelände eine Strecke von 60 Metern zurück, auf der er Menschen, Tische und Stände erfasste. Der Lkw kam schließlich an der Budapester Straße zwischen mehreren Buden zum Stehen. Im Führerhaus des Fahrzeugs befanden sich zwei Männer. Der Fahrer sprang aus dem Lkw und floh. Zuvor hatte er den zweiten Mann mit einem Kopfschuss getötet. Es handelte sich bei dem Toten um den eigentlichen Fahrer des Lkw, einen Polen.

Wie lief der Anschlag ab?
Neueste Erkenntnisse der Ermittler besagen, dass Amri den Lkw am Nachmittag am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit geparkt hatte. Von dort steuerte den Lkw über die Budapester Straße und die Hardenbergstraße zum Ernst-Reuter-Platz, wo er wieder über die Hardenbergstraße zurückfuhr, bevor er in den Weihnachtsmarkt raste.

Noch zehn Minuten vor der Tat soll Amri Sprachnachrichten und Fotos verschickt haben. Das Video einer Dashcam aus einem Auto, das an der Kantstraße vor einer Ampel wartete, zeigt, wie der Lkw mit hoher Geschwindigkeit von der Hardenbergstraße aus in den Weihnachtsmarkt rast.

Woher kam der Lkw?
Der Sattelzug hat ein polnisches Kennzeichen und gehörte einer polnischen Spedition. Beladen war er laut Polizei mit Stahlkonstruktionen. Der Lkw sollte in Berlin Stahlkonstruktionen abliefern und hatte seit Montagmittag in der Stadt geparkt. Es handelt sich bei dem Toten um den Cousin des Besitzers. Diesen habe er auf einem Polizeifoto identifiziert, sagte Ariel Zurawski, der Besitzer der Spedition, im polnischen Fernsehen.

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War es ein Anschlag?
Ja. Alle offiziellen Behörden bestätigten einen Terroranschlag. Der IS hat die Verantwortung für die Tat inzwischen für sich reklamiert.

Wer ist für die Tat verantwortlich?
Der Täter heißt Anis Amri (24) und ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er hatte zuvor in Italien schon mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. Amri galt in Deutschland als Gefährder. Amri wurde am 23. Dezember in Mailand von einer Polizeistreife erschossen, als die ihn nach seinem Ausweis fragte und er das Feuer auf die Beamten eröffnete. Hatte es zunächst noch leichte Zweifel an der Täterschaft gegeben, ist sich die Bundesanwaltschaft inzwischen sicher, dass Amri der Täter ist.

Wie kamen die Ermittler Amri auf die Spur?
Anis Amri hatte bei seiner Flucht seine Geldbörse und sein Handy im Lkw zurückgelassen. Da das Fahrerhaus zunächst versiegelt wurde, fanden die Ermittler die Börse erst später. Darin war die Duldungsbescheinigung von Amri. Zunächst war ein Pakistaner in Verdacht geraten und festgenommen worden. Daraufhin wurde Amri international zur Fahndung ausgeschrieben. Zudem wurden seine Fingerabdrücke an dem Lkw gefunden.

Hatte Anis Amri Unterstützer?
Das ist noch nicht klar. Am 28. Dezember hatte die Polizei in Tempelhof einen Tunesier festgenommen, ihn aber wieder freigelassen. Auf die Spur waren die Ermittler dem Mann gekommen, weil seine Nummer im Handy von Amri gespeichert war, das er im Lkw gelassen hatte. Schließlich wurden Anfang Januar 2017 die Habseligkeiten eines 26-jährigen Tunesiers in der Flüchtlingsunterkunft in der Motardstraße in Spandau durchsucht. Er hatte sich mit Amri am Abend vor dem Anschlag in einem Restaurant in Gesundbrunnen getroffen, wo sie sich laut Bundesanwaltschaft "intensiv" unterhalten hätten. Zudem habe Amri am Tag des Anschlags zweimal versucht, den 26-Jährigen anzurufen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft, allerdings wegen eines anderen Verfahrens. Er soll gewerbsmäßigen Leistungsbetrug begangen haben.

Wer sind die Opfer?
Unter den Toten sind nach bisherigen Ermittlungen neben Deutschen eine Italienerin, eine Israelin, ein Pole, ein Ukrainer und ein Opfer aus Tschechien, hieß es weiter. Die Ausländer unter den Verletzten stammen demnach aus den USA, Israel, Spanien, Italien, Großbritannien, Ungarn, Finnland, Frankreich und aus dem Libanon. Angaben, wie viele Verletzte aus welchem Land kommen, gab es zunächst nicht.

Die Ermittler gehen inzwischen von 55 Verletzten und zwölf Toten aus. Einige der Verletzten hatten am Tattag auf eigene Faust den Breitscheidplatz verlassen, um zu einem Arzt zu gehen und hatten sich erst mit Verzögerung gemeldet.

Mit Stand 28. Dezember werden noch 20 Verletzte in Krankenhäusern behandelt. Elf Anschlagsopfer liegen mit schwersten Verletzungen auf Intensivstationen, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung mitteilte. Neun weitere Patienten werden demnach noch mit mittelschweren oder leichteren Verletzungen betreut.

Wieso konnte Amri den Anschlag begehen?
Das ist bislang unklar. Für die Behörden war der Tunesier Anis Amri ein alter Bekannter. Der 24-Jährige war seit einiger Zeit auf dem Schirm der Ermittler. Er wurde als islamistischer Gefährder geführt. Er saß bereits in Italien im Gefängnis und in Deutschland in Abschiebehaft. Er wurde observiert und bei der Berliner Generalstaatsanwaltschaft war seit März ein Verfahren gegen den 24-Jährigen anhängig. Trotzdem konnte Anis Amri unter- und am Montag wieder auftauchen.

Was tat Amri vor dem Anschlag?
Anis Amri hielt sich am Nachmittag zunächst wohl an dem Lkw auf, der am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit geparkt war. Von dort fuhr er zu einer Moschee in der Perleberger Straße, bevor er zu dem Lkw zurückkehrte.

Wie verlief die Flucht von Anis Amri?
Dazu gibt es mit Stand 4. Januar 2017 deutlich mehr Details. Amri flüchtete aus dem LKW zunächst zu Fuß zum Bahnhof Zoo. Dort wurde er von einer Videokamera erfasst. Laut der Bundesanwaltschaft wusste Amri das, er habe sich sogar umgedreht und den islamistischen Tauhid-Gruß (erhobener Zeigefinger) in die Kamera gezeigt. Von dort floh er über Nordrhein-Westfalen nach Holland. Dort zeichneten ihn Kameras am Bahnhof von Nimwegen und von Amsterdam auf. Sein weiterer Fluchtweg führt ihn über Lyon und Chambery in Frankreich, über Turin nach Mailand, wo seine Flucht endete.

Wann wurde der polnische Lkw-Fahrer erschossen?
Dazu gibt es inzwischen genauere Angaben. Laut Bundesanwaltschaft sei der Schuss auf den Mann gegen 19.30 Uhr am Friedrich-Krause-Ufer abgefeuert worden, also rund eine halbe Stunde vor dem Anschlag. Der Pole wurde am Kopf getroffen und so schwer verletzt ,dass er starb.

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( seg )