Waldzustandsbericht

Berlins Wälder sind so gesund wie seit 20 Jahren nicht mehr

Ein gutes Drittel der Bäume (39 Prozent) ist gesund. Rund die Hälfte weist leichte Schäden auf, elf Prozent sind deutlich krank.

Ein Waldstück im Berliner Bezirk Köpenick

Ein Waldstück im Berliner Bezirk Köpenick

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfgang Kumm / picture alliance / dpa

Berlins Wälder sind so gesund wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus dem neuen Waldzustandsbericht hervor, den die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Freitag vorstellte. Danach ist ein gutes Drittel der Bäume (39 Prozent) gesund. Rund die Hälfte weist leichte Schäden auf, elf Prozent sind deutlich krank. Erholt haben sich vor allem die Eichen, die mehr als ein Fünftel der Flächen in Berlins Wäldern bedecken. 2011 und 2012 hatten 70 Prozent von ihnen deutliche Schäden, nun sind es 21 Prozent.

Berlins Waldflächen sind weit mehr als nette Gegenden zum Spazierengehen und Joggen. Als grüne Lungen, die fast ein Fünftel (18 Prozent) der Stadtfläche bedecken, haben sie eine große Bedeutung für die Frischluftversorgung der Hauptstadt. Dazu sind 13 Millionen Tonnen des schädlichen Klimagases Kohlendioxid in den Berliner Wäldern gebunden - und jährlich kommen 100 000 Tonnen hinzu.

Auch deshalb wird ihre Gesundheit so genau unter die Lupe genommen. Seit 1991 gibt es ein Stichprobennetz, für das 984 Bäume Daten liefern. Im Visier der Forscher sind vor allem die Baumkronen. Ihr Zustand wird in drei Schadstufen eingeordnet - von keinen über leichte bis hin zu schweren Schäden.

Günstige Witterung für Bäume

„Die deutliche Erholung der Wälder ist eine erfreuliche Entwicklung“, bilanzierte Stefan Tidow, neuer Umwelt-Staatssekretär. Mit dazu beigetragen haben unter anderem weniger Schwefeldioxid aus Kraftwerken, die Berliner Umweltzone und Auflagen für Diesel- und Schiffsmotoren. Ansonsten aber hat sich die Natur aber durch günstige Witterung für Bäume in den vergangenen Jahren aber wohl eher selbst geholfen. Es gab zum Beispiel weniger Schädlinge wie Eichenprozessionsspinner, Miniermotten oder Pilze. Und auch Jahrhundertsommer wie 2003 mit extremer Trockenheit blieben aus.

Nach wie vor belasten aber Stickstoffe aus Verkehr und Landwirtschaft Böden und Bäume stark. Eine langfristige Entlastung könnten wohl nur mehr Elektromobilität, eine verstärkte Nutzung von Bus und Bahn, mehr Radverkehr und weniger Düngereinsatz in der Landwirtschaft bringen, sagte Elmar Lakenberg, Leiter der Berliner Forsten.

Durch den Klimawandel ist allerdings in den kommenden Jahrzehnten auch mit deutlich mehr Stress für Bäume zu rechnen: Wissenschaftler sagen steigenden Temperaturen, trockenere Sommer, feuchtere Winter sowie mehr Extreme wie Starkregen und Stürme voraus. All würde das Ökosystem Wald schwächen.

Berliner Kiefernwälder in Richtung Mischwald aufgeforstet

Auch deshalb werden die Berliner Kiefernwälder, die zur Zeit 60 Prozent der Fläche ausmachen, nach und nach in Richtung Mischwald aufgeforstet. „Kiefern sind die größten Wassersäufer“, sagt Lakenberg. Deshalb soll der Anteil von Eichen, Buchen, Linden, Ahorn und Feldahorn bis zum Jahr 2050 kontinuierlich steigen. Wachsen sollen bewusst nur heimische Hölzer. Die Pläne sind weit in die Zukunft gerichtet: Eine Eiche wird zum Beispiel mindestens 350 Jahre alt.

Bei ihrer Aussaat setzen Berlins Förster auf ungewöhnliche Helfer. Sie stellen Eicheln in Kübeln bereit, die Wildschweine nicht erreichen können. Eichelhäher picken sich dann die besten Baumfrüchte heraus und verscharren sie im Waldboden. „Ein Pärchen schafft einen Radius von 500 Metern“, sagt Lakenberg schmunzelnd. Die Vögel warten auf das erste Grün der Keimlinge, um damit im Frühjahr ihre Jungen zu füttern. Die Förster freut die ehrenamtliche Mitarbeit beim Berliner Aufforstungsprogramm.

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