Verkehr

Berlins bester Radweg führt rund um den Moritzplatz

Ein Umweltverband verleiht einen Preis für Umbaumaßnahme des Senats. Eine andere Straße wird hingegen mit der „Roten Warnweste“ getadelt.

Offenbar preiswürdig: der Moritzplatz in Kreuzberg

Offenbar preiswürdig: der Moritzplatz in Kreuzberg

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die Nachricht muss die Planer in der oft gescholtenen Verkehrsverwaltung zum Strahlen gebracht haben: In Berlin gibt es einen Radweg, der so toll ist, dass er einen Preis verdient. Am Dienstag verlieh die Jugendabteilung des Berliner Umweltschutzverbandes BUND dem Moritzplatz im Rahmen des 1. Berliner Fahrradpreises die „Goldene Klingel“. Als herausragendes Beispiel für gelungene Verkehrsführung in der Kategorie „Straße“.

Rund 7.300 Radfahrer sind täglich auf dem Platz in Kreuzberg unterwegs, mit 21 Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen ist ihr Anteil überdurchschnittlich hoch. Allein zwischen 2012 und 2014 gab es 150 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung. Besonders gefährlich: das Abbiegen in und aus dem Kreisverkehr.

Mehr Platz für Rad-, weniger für Autofahrer

Im vergangenen Jahr hatte der Senat reagiert. Der Radstreifen wurde auf über drei Meter verbreitert, den Autofahrern eine Spur abgenommen. Die Ein- und Ausfahrten der vier einmündenden Straßen wurden mit roter Farbe markiert. Laut Verkehrsverwaltung ging die Zahl der Rad-Unfälle seither um 37 Prozent, die Zahl der Unfälle mit Personenschaden und 50 Prozent zurück.

„Die Situation am Moritzplatz hat sich durch die neuen Markierungen verbessert“, sagt Heinrich Strößenreuther von der Initiative „Volksentscheid Fahrrad“. Doch absolut sicher gehe es noch nicht zu. „Radstreifen und Fahrbahn müssten physisch voneinander abgetrennt sein, etwa durch Betonblöcke“, fordert der Aktivist.

Der Moritzplatz war einer von 42 Vorschlägen aus der Berliner Bevölkerung aus denen der BUNDjugend die besten – und schlechtesten kürte. Am schwächsten schnitt dabei die Sonnenallee in Neukölln ab, sie bekam von der Jury die „Rote Warnweste verliehen“. Es gebe „keine nennenswerte Fahrradinfrastruktur“, so die Begründung.

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Auf einem Großteil der Straße gebe es überhaupt keinen Radweg, teilweise müsse die Busspur genutzt werden. Die Jury empfiehlt einen „überbreiten Bussonderfahrstreifen“ von mindestens sechs Meter Breite, auf dem wechselseitiges Überholen erlaubt ist.

Negativpreis: „Rote Warnweste“

In der Kategorie „Öffentlicher Personennahverkehr“ ging die „Rote Warnweste“ an den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Mit 1,90 Euro seien die Fahrradtickets zu teuer. Immerhin: Bei der letzten Preiserhöhung blieb der Tarif stabil. Die „Goldene Klingel“ in dieser Kategorie gewannen die Berliner Verkehrsbetriebe. Auf der Wannseefähre F10 ist Platz für 60 Fahrräder – doppelt so viele wie auf dem Vorgänger-Schiff.

In der Kategorie „Abstellplätze“ holte der überdachte Fahrradparkplatz am Bahnhof Karshorst den Sieg. Die „Rote Warnweste“ sicherte sich der Hermannplatz.

Neue Gesetze für mehr Familienfreundlichkeit

Parallel trat am Dienstag eine Änderung der Straßenverkehrsordnung in Kraft, die Familien mit Kindern zu mehr Radfahren ermuntern soll. So dürfen Kinder unter acht Jahren nun auf dem Radweg fahren, wenn dieser baulich von der Straße abgetrennt ist. Bislang mussten sie den Gehweg nutzen.

Das Problem: Ihre Eltern dürfen das nicht, konnten also nicht gemeinsam denselben Weg benutzen, wodurch das Kind schnell aus dem Blick geriet. Auf der Straße verlaufende Radwege dürfen Kinder unter acht Jahren weiterhin nicht benutzen.

Ferner wurde beschlossen, dass Fußgängerampeln nicht mehr für den Radverkehr gelten. Ab dem 1. Januar 2017 richten sich Radler auf dem Radweg nach der Fahrbahn-Ampel, sofern keine Fahrrad-Ampel vorhanden ist. Kombinierte Fußgänger- und Fahrrad-Ampeln gehören damit der Vergangenheit an.

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