MediaCampus

Cybermobbing: Wenn ein Klassenchat zur Hölle wird

Harmlose Chats können eskalieren. Bei der Polizei kümmert sich das Social-Media-Team um Cybermobbing: Wo Jugendliche Hilfe finden.

Foto: Reto Klar

„Die Schlampe denkt, sie hätte eine Chance bei Max. Zeit, sie fertigzumachen!“ So schlimm kann ein Chat ausarten, der ganz harmlos angefangen hat: Von solchen und anderen Fällen berichten Benjamin Raschke und Monique Pilgrimm vom Social-Media-Team der Berliner Polizei bei ihrem Besuch im Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Im Rahmen einer MediaCampus-Aktion informierten sie die Klasse 8d über Cybermobbing.

Wie kommt es zu so einer Eskalation? Nach Umfrage in der Klasse haben fast alle Schüler im Alter von 13 Jahren ein Handy und sind damit im Internet aktiv. Das ist eigentlich nichts Schlimmes – erst durch fehlinterpretierte Botschaften oder gar gezielte Beleidigungen kann ein harmloser Klassenchat zur Hölle für einen Mitschüler werden.

Die Berliner Polizei hat sich deswegen mit Cybermobbing-Fachleuten zusammengetan, um gegen diese Auseinandersetzungen mit schlimmen Folgen vorzugehen. In solchen Fällen kann sich schnell die ganze Klasse von einem Mitschüler abwenden oder ihn – mit der Veröffentlichung intimer Fotos – auf lange Zeit psychisch angreifen. Aber wie verhält man sich als Dritter, der den Umgang mit dem Opfer völlig unfair findet? Oft haben Mitschüler Angst, sie könnten ihr Ansehen in der Klasse verlieren, wenn sie sich zwischen die „Coolen“ und das Opfer stellen. Dabei wäre dies das einzig Richtige, denn: „Wer schweigt, macht mit“, sagt Monique Pilgrimm. Ohne jegliche Hilfe hat das Opfer überhaupt keine Chance. Man sollte an dieser Stelle seine „Coolness“ in den Hintergrund stellen und sich an Eltern und Lehrer wenden.

Fotos kursieren noch Jahre später im Netz

Ein Video der Polizei verdeutlicht den Ernst intimer, im Internet veröffentlichter Bilder. Solche Fotos sind für jeden zugänglich und kursieren Monate oder sogar noch Jahre später im Netz. Die Social-Media-Experten wiesen in der Klasse darauf hin, dass man schlimme Fotos oder Videos nicht teilen, sondern die jeweilige Internetseite bei der Polizei melden sollte. Im rechtlichen Sinne setzt sich Cybermobbing aus verschiedenen Tatbeständen zusammen: Drohung, üble Nachrede, Beleidigung, Verleumdung und Verletzung der Privatsphäre an spezifischen Orten wie etwa Toiletten durch Bildaufnahmen. Durch wiederkehrende beleidigende Inhalte können Kinder – das zeigen Studien – ihr Selbstvertrauen verlieren, Depressionen bekommen und sich aus der Gemeinschaft zurückziehen.

Was aber geschieht mit den Tätern des schlimmen Cybermobbings? In der Pubertät gebe es solche Vorfälle sehr häufig, so Benjamin Raschke. Allerdings drohen den mit 14 Jahren schon strafmündigen Tätern Anzeigen und sogar Schulverweise.

Deswegen sollte man sehr aufpassen, wie man sich in öffentlichen Netzwerken ausdrückt. Auch wenn eine Nachricht ganz anders gemeint ist, kann sie von anders tickenden Mitschülern schnell wie ein Angriff interpretiert werden. Und genau das ist die Gefahr.

Mit Erwachsenen reden

Die beiden Beamten wollten auch wissen, ob wir denn mit unseren Eltern über alles reden, was so im Klassenchat oder in sonstigen Gruppen passiert. Die Klasse verneinte weitestgehend. Monique Pilgrimm betonte aber, wie wichtig es ist, sich in Fällen von Cybermobbing an eine erwachsene, außenstehende Person zu wenden.

Aber damit es gar nicht erst soweit kommt, sollte man einfach aufpassen, was man online von sich gibt. Die Diskussion mit den Polizisten hat uns auch gezeigt, dass man nie wissen kann, was einen anderen Menschen bedrohen, demütigen oder verletzen kann. Sowohl im persönlichen Miteinander als auch bei allem, was man sagt oder schreibt, muss man immer an den oder die Menschen denken, für die es bestimmt ist. Es zählt nur der Empfänger, denn keiner kann Gedanken lesen und verstehen, wie es gemeint ist.

Eines ist klar: Alles was an Bildern, Kommentaren oder Texten verschickt wird, auch über WhatsApp, kann innerhalb von Sekunden weitergeleitet, kopiert oder anderen gezeigt werden. Man hat keine Chance auf eine Kontrolle mehr. Daher sollte man ganz persönliche Dinge jemandem nur persönlich sagen, denn: „Das Netz vergisst nichts!“

Erik von Drygalski, Florian Herold & August Osterhage, 8d, Ev. Gymnasium zum Grauen Kloster, Wilmersdorf