Nach Kritik

Holm erklärt sich auf Linken-Parteitag zu seiner Stasi-Vita

Der neue Bau-Staatssekretär Andrej Holm hat sich beim Linken-Landesparteitag zu seiner Stasi-Vergangenheit geäußert.

Stadtsoziologe Andrej Holm steht wegen seiner DDR-Vergangenheit in der Kritik

Stadtsoziologe Andrej Holm steht wegen seiner DDR-Vergangenheit in der Kritik

Foto: picture alliance

Der neue Berliner Bau-Staatssekretär Andrej Holm hat sich beim Linken-Landesparteitag zu seiner Stasi-Vergangenheit geäußert.

In den letzten Monaten der DDR hatte sich der 18-Jährige nach dem Abitur beim Wachregiment Feliks Dzierzynski verpflichtet und strebte eine hauptamtliche Karriere beim Ministerium für Staatssicherheit an.

Holms Stasi-Biografie war in den vergangenen Tagen scharf kritisiert worden. Berlins FDP-Fraktionsvorsitzender Sebastian Czaja schrieb in einem Facebook-Post am Freitag: "Andrej Holm macht in seiner ganzen Vita deutlich, dass er das Wertesystem und die Grundordnung der Bundesrepublik ablehnt. Wer sich freiwillig für die Stasi entscheidet und nachweislich auch zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer in linksextremistischen Kreisen bewegt und deren Gedankengut lebt, kann nicht Teil einer Landesregierung sein."

Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf teilte am Sonnabend mit: "Nicht nur, dass sich Holm noch zu Zeiten der DDR für eine Mitarbeit im Ministerium für Staatssicherheit beworben hatte und später der Hausbesetzerszene in Berlin angehörte. Vor nicht einmal zehn Jahren wurde Holm aufgrund des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verhaftet."

Kritik an der Stasi-Vergangenheit des Bau-Staatssekretärs

Holm: "Ich hatte nicht den Mut aufzubegehren"

Holm sagte nun am Sonnabend bei der Veranstaltung in Adlershof, es sei das gute Recht, nach seiner Biografie zu fragen, er gehe offen damit um. Er stamme aus einer antifaschistischen Familie, die zur Nazi-Zeit im Moskauer Exil war und die DDR überzeugt verteidigt habe, sagte der parteilose Soziologe.

Als Arbeitskollegen seines Vaters Holm im Alter von 16 Jahren fragten, ob er nicht mithelfen wolle, habe er unterschrieben. Seine Haltung habe sich aber geändert. Nach dem Abitur habe er "nicht den Mut gehabt" aufzubegehren und wieder auszusteigen.

"Ich hoffe, ich würde mich heute anders verhalten und bewundere die, die sich damals anders verhalten haben", sagte der Forscher, der einer der bekanntesten Kritiker und Analytiker der Gentrifizierung von Stadtquartieren ist. Daher habe er sich beim Wachregiment der Staatssicherheit verpflichtet.

Donnernder Applaus bei den Linken

Er sei aber "extrem erleichtert gewesen", als noch während der Grundausbildung die DDR zusammenbrach. "Das hat mich aus dem Dilemma befreit", sagte Holm. Danach habe er als Hausbesetzer, Aktivist und kritischer Wissenschaftler die Möglichkeiten der Freiheit genutzt. "Ich ziehe heute aus tiefster Überzeugung eine Gesellschaft mit Freiheit, Demokratie und Mitbestimmung allen anderen Systemen vor", sagte Holm und bekam dafür donnernden Applaus im Saal.

Seine Chefin, Bausenatorin Katrin Lompscher sagte, Holm sei als Jugendlicher "ein Kind seiner Eltern und seines Umfeldes gewesen. "Wir alle haben ein recht auf Irrtum und Korrektur, allemal gilt das für junge Leute", sagte Lompscher. Die neue Landesvorsitzende Katina Schubert sagte, Holm sei beim Wachregiment nicht Teil eines geheimdienstlichen Repressionsapparates gewesen. "Wir hätten dich sonst aus Respekt vor den Opfern nicht aufgestellt." „Wir haben uns schon öfter mit Andrej solidarisch gezeigt und wir sind auch jetzt solidarisch mit Dir“, so Schubert weiter. Holm habe „weder gespitzelt noch zersetzt“.