Winter in Berlin

Zehn spannende Fakten zur eiskalten Jahreszeit

Nun ist es soweit: Der Winter macht sich jetzt auch in Berlin bemerkbar. Ein neues Buch verrät Details, die nicht jeder kennt.

Raureif in den Bäumen und Schneespuren auf den Wiesen. Jetzt macht sich der Winter auch in Berlin bemerkbar

Raureif in den Bäumen und Schneespuren auf den Wiesen. Jetzt macht sich der Winter auch in Berlin bemerkbar

Foto: Joerg Krauthoefer/Funke Medien Gruppe

Bernd Brunner ist ein Winter-Fan. Der 52-jährige Autor denkt dieser Tage oft zurück an das sonderbare Luftgemisch seiner Weddinger Kindheit, wenn der Kohle­geruch aus dem Osten der Stadt zu ihm herüberzog. „Ich liebe Wintersport und die Stille, wenn Schnee gefallen ist“, sagt er. Deshalb hat er für sein aktuelles Buch „Als die Winter noch Winter waren“ nach Geheimnissen und Eigenheiten der eiskalten Jahreszeit geforscht. Wir haben die spannendsten darunter ausgewählt.

Die Sache mit dem Alkohol

Glühwein auf dem Gendarmenmarkt, ein Brandy unter der Gedächtniskirche – dergleichen mag anfangs das Gefühl von Wärme vermitteln. Denn Alkohol erweitert die Blutgefäße und lässt das Blut stärker zur Hautoberfläche strömen. Die Körpertemperatur erhöht er aber nicht. Tatsächlich geht dem Körper dadurch schneller Wärme verloren, Hände und Füße fühlen sich bald kälter an. Bei extremen Kältegraden sollte man auf Alkohol also unbedingt verzichten. So hat es auch das Fass am Hals der Bernhardiner-Hunde, die Menschen in Not mit einem Schluck Alkohol vor dem Erfrieren retten, nie gegeben.

Schnee ist überhaupt nicht weiß

Dazu muss man wissen, dass Sonnenlicht an sich weiß ist, da es den gesamten Spektralbereich der Farben umfasst. Eis und Schneekristalle sind durchsichtig, aber wirken wie Spiegel. Daher wirkt Schnee für uns weiß. Frisch gefallener Schnee enthält bis zu 95 Prozent Luft. Wenn bei großer Kälte der Schnee unter unseren Schritten knirscht, so kommt das daher, dass die Kristalle in der Schneedecke brechen.

Schnee macht Berlin leiser

Autor Bernd Brunner liebt am verschneiten Stadt-Winter besonders „die Erfahrung der Stille“. Dafür sorge, dass Schnee­decken Geräusche schlucken. Darin befinden sich Hohlräume, in denen sich Schall „totläuft“. Das funktioniert wie Samtvorhänge in Konzertsälen und weiche Korkwände in Tonstudios, die Schall brechen und absorbieren. Auch fallender Schnee sorgt für Ruhe. Er wirkt wie ein Vorhang, der verhindert, dass Schall durch die Atmosphäre dringt.

Hipsterbärte als Kälteschutz

Die in Berlin beliebte Mode hat den Vorteil, dass das Barthaar den Winterwind abhält. Bei wirklich niedrigen Temperaturen dagegen schlägt der Effekt um: Die Feuchtigkeit des Atems gefriert im Bart.

Die vier Jahreszeiten sind nur ein Trick

In der Schöpfungsgeschichte der Bibel ist von Tag und Nacht, Kälte und Sommer und Winter die Rede. Die Einteilung des Jahres in drei und vier Perioden entwickelte sich während der römischen Antike, wo sie mit den Erfordernissen der Landwirtschaft zusammenhing. Wenn man sich das Jahr in Abschnitte unterteilt, meint man, es besser beherrschen zu können und die jeweiligen Aufgaben des Zeitraums besser planen zu können. In tropischen und subtropischen Regionen variieren die Tageslänge und Sonneneinstrahlung so wenig, dass man nur von zwei oder drei Regionen spricht. Auf der nördlichen Halbkugel beginnt der Winter am Tag der Wintersonnenwende, dem Tag, an dem die Sonne über dem südlichen Wendekreis den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn erreicht. Es ist der kürzeste Tag des Jahres. Für Meteorologen ist der 1. Dezember der erste Wintertag.

Sehnsucht nach weißer Weihnacht

Der Dezember mag in Berlin und ganz Mitteleuropa einer der niederschlagreichsten Monate sein. Aber selbst wenn der erste Schnee schon ein paar Wochen zuvor gefallen sein mag, ist es nicht kalt genug. Im Flachland lässt sich Schnee an Heiligabend selten blicken. Laut Deutschem Wetterdienst kam der „White Christmas“ durchschnittlich nur zweimal in den vergangen zehn Jahren nach Berlin. 2009 lag der Schnee vier Zentimeter hoch, 2010 sogar 28 Zentimeter. 2012 fiel in der Nacht zum 24. Dezember Schnee. Aber davon blieb nichts übrig: Heiligabend wurde es tagsüber neun Grad Celsius.

Schnee wäre ohne Menschen viel schöner

„Wenn der Winter in die Stadt einzieht“, sagt Brunner, „ist er oft ein unerwünschter Eindringling.“ Fällt Schnee, bietet sich beim Spaziergang am Schlachtensee und im Tiergarten ein märchenhafter Anblick. Auf Straßen und Bürgersteigen vermischt sich Schnee mit Staub und Schmutz. Winterphilosoph Brunner spitzt das so zu: „Schnee in der Stadt ist nur schön, solange der Mensch ihn nicht aus dem Weg schafft.“ Weiterer Effekt: „Schnee zwingt Menschen verlangsamtes Tempo auf.“

Schneemänner werden ohne Handschuhe schöner

Wenn wir beim Bau eines Schneemanns Schnee zusammendrücken, werden zwischen dessen Kristallen neue Kontaktpunkte geschaffen. Der Schnee verdichtet sich umso leichter, je wärmer es ist. Ohne Handschuhe übertragen wir Körperwärme und können etwa einen Schneemann besser gestalten.

Die Berliner Mentalität passt zum Winter

Berliner seien nicht gerade für ihr sonniges Gemüt bekannt, sagt Brunner. Die alljährliche Erfahrung mit der unfreundlichen Jahreszeit habe die hiesigen Umgangsformen geformt. „Dunkelheit und Kälte beginnen im November. Im Januar scheint es bereits, als würde der Winter nie enden. Die zähe, unangenehme Zeit zieht sich dann noch hin bis März.“

Zittern hilft:

Zittern ist ein Schutzmechanismus des Körpers, eine Art „Zusatzheizung“. Genau genommen geht dem Zittern das Zusammenziehen der Muskeln der arteriellen Hautgefäße voraus. Die Haut wird dadurch weniger durchblutet und der Wärmeverlust eingedämmt. Zum Ausgleich nimmt die Durchblutung der inneren Organe zu. Eine weitere Folge des Zitterns: Man klappert mit den Zähnen.

Bernd Brunner „Als die Winter noch Winter waren“, 240 S., gebunden, 18 Euro

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