Streit am Beckenrand

Berliner Bäderbetriebe im Dauer-Clinch mit den Mitarbeitern

Das Management der Bäderbetriebe liegt im Clinch mit der Belegschaft. Am Freitag werden zwei Rechtsstreitigkeiten verhandelt.

Dauerstreit am Beckenrand in Berlin

Dauerstreit am Beckenrand in Berlin

Die Berliner Bäderbetriebe leiden unter akutem Mitarbeitermangel. Das Fehlen von Personal wird von der Geschäftsleitung als Ursache angeführt, warum immer wieder Bäder für längere Zeit schließen und auch nach einer Sanierung nicht öffnen. Oder sie machen plötzlich zu, weil keine Personalreserve da ist, um Ausfälle aufzufangen. Der Personalrat und Kritiker aus der Landespolitik halten die Misere auch für hausgemacht. Denn die Bäderbetriebe liegen im Dauer-Clinch mit ihren Mitarbeitern. Allein am Freitag werden zwei Rechtsstreitigkeiten vor der Einigungsstelle verhandelt, die Konflikte in öffentlichen Betrieben oder Behörden entschärfen soll.

Der interne Zwist betrifft die Kunden ganz direkt: Die unzuverlässigen Öffnungszeiten gelten als Hauptgrund, warum etwa in den Hallenbädern die Besucher ausbleiben . Im ersten Halbjahr nutzten fast 15 Prozent weniger Badegäste als geplant die 33 Hallen- und sechs sogenannten Sternebäder mit besonderer Ausstattung.

„Schlechtes Betriebsklima und geringe Gehälter“

Die Geschäftsführung um Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann erklärt die Misere mit dem Fachkräftemangel. Kritiker verweisen aber auf das miserable Betriebsklima und die im Vergleich zu Brandenburger Thermen schlechten Gehälter. „Unsere Probleme haben weniger mit dem Fachkräftemangel in Deutschland, als mit dem schlechten Ansehen der Bäderbetriebe und der niedrigen Bezahlung zu tun“, heißt es aus dem Personalrat.

Exemplarisch für die internen Konflikte stehen die zwei Verfahren, die jetzt vor der Einigungsstelle gelandet sind. Es geht um die Kündigung eines leitenden Mitarbeiters und um zweifelhafte Einstellungen von Badmanagern, gegen die der Personalrat vor Gericht gezogen ist. Die Geschäftsführung will sich dazu nicht äußern.

Im ersten Fall geht es um die Kündigung eines leitenden Mitarbeiters

Der Leiter Finanzen soll gehen, weil er angeblich mit seinem Flossenschwimm-Verein unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Sommerbad am Humboldthain für eine private Feier genutzt haben soll, obwohl er ein „Saisonabschlusstraining“ angekündigt hatte. Weil die Sportler im für die Öffentlichkeit noch geschlossenen Bad auch am Beckenrand gegessen und getrunken haben, wirft Personalchefin Annette Siering dem Manager Untreue und sogar Betrug vor, hat ihn freigestellt und will ihm kündigen. Das Arbeitsgericht verzichtete kürzlich auf eine Entscheidung, um der Einigungsstelle nicht vorzugreifen. Der Finanzchef gehört in eine Reihe von Führungskräften aus der zweiten Ebene, die in den vergangenen Monaten mehr oder weniger im Unfrieden die BBB verlassen haben.

Der zweite Fall behandelt fragwürdige Personalentscheidungen

Der Personalrat wiederum hat schon vor zwei Jahren die Zustimmung verweigert, als der frühere Bäderchef Ole Bested Hensing neue Bädermanager eingestellt hat. Dabei soll er alte Bekannte von außen bevorzugt haben. Mitglieder der Personalvertretung wurden hingegen bei ihrem Versuch, sich betriebsintern zu verbessern, benachteiligt. In zwei Instanzen ließen Gerichte erkennen, dass sie der Meinung des Personalrates zuneigen.

Die Personalräte kritisieren, dass es kein Personalentwicklungskonzept gebe und sich die Geschäftsführung mehr um das Controlling der Zahlen kümmere als um den Betrieb der Bäder. Die Zahlen stimmen, weil allein aus dem Personaletat wegen nicht besetzter Stellen zur Jahresmitte 1,5 Millionen Euro nicht ausgegeben worden waren.

Auch die Landespolitik ist inzwischen nicht gut zu sprechen auf die Geschäftsführung: „Die sollen sich nicht mit Klein-Klein beschäftigen, sondern mit den großen Zukunftsaufgaben“, sagte der sportpolitische Sprecher der SPD, Dennis Buchner, „das sind die Personalgewinnung und Nachwuchsausbildung“.

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