Zeugin berichtet

Döner und nicht Kopftuch war Grund für Rauswurf aus Tram

Eine 14-Jährige hatte gemeldet, sie sei wegen ihres Kopftuchs einer Tram verwiesen worden. Doch das stellt sich nun anders dar.

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Foto: pa

Nachdem am Mittwoch ein Mädchen mit Kopftuch einer Tram in Friedrichshagen verwiesen worden war, erscheint der Vorfall nun in neuem Licht. Inzwischen meldete sich eine Zeugin, die ebenfalls in der Straßenbahn unterwegs war, als der Fahrer die 14-Jährige dazu aufforderte, die Bahn zu verlassen. Grund sei aber nicht - wie von der 14-Jährigen angegeben - deren Kopftuch gewesen, sondern die Tatsache, dass sie in der Bahn einen Döner aß.

Ausgewertete Videoaufnahmen der BVG scheinen diese Version zu bestätigen. „Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie zwei Mädchen einsteigen. Sie setzen sich und packen jeder einen Döner aus und beginnen, ihn zu essen. Dann schauen sie hoch in Richtung des Lautsprechers, als der Fahrer offenbar gerade den Hinweis durchsagt, man dürfe in der Tram keinen Döner essen", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

Der Facebook-Post der Zeugin zum Vorfall:

Ton wird von der Videoüberwachung allerdings nicht aufgezeichnet, so dass die Durchsage nicht zu hören ist. Der Ablauf erscheint aber plausibel. Der Zeugin zufolge habe der Tramfahrer mehrfach durchgesagt, die Mädchen sollten ihre Döner wegpacken. Die 14-Jährige sei der Aufforderung nicht nachgekommen und habe einfach weitergegessen, während ihre Freundin - die kein Kopftuch trug - ihren Döner weggepackt habe. Der Fahrer habe seine Aufforderung mehrfach wiederholt. Erst dann habe er gesagt, „das Mädchen mit dem Kopftuch“ möge ihren Döner draußen essen.

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„Das Kopftuch galt hier also nur als Unterscheidungsmerkmal“, so Reetz - und sei keineswegs Grund des Verweises gewesen. Schließlich habe die Freundin des Mädchens ihren Döner ja wieder eingepackt und habe daher auch in der Bahn bleiben dürfen. Die Zeugin des Vorfalls postete ihre Schilderung der Situation zunächst bei Facebook.

Auch die Polizei hat mittlerweile erhebliche Zweifel an der Version der 14-Jährigen. Inzwischen gaben mehrere Zeugen des Vorfalls gegenüber der Polizei an, die 14-Jährige sei, ebenso wie drei weitere Fahrgäste, von dem Fahrer aufgefordert worden auszusteigen, weil sie einen Döner aß. Erst als sie als einzige der Angesprochenen auch nach mehrmaliger Ansage nicht auf die Aufforderung des Fahrers reagiert habe, hatte der Fahrer sie direkt angesprochen und hierbei als Unterscheidungsmerkmal ihr Kopftuch erwähnt, teilte die Polizei am Freitagabend mit. Die Ermittlungen seien trotzdem noch nicht abgeschlossen.

Tramfahrer meldete den Vorfall ebenfalls

Der Tramfahrer hatte den Vorfall innerhalb der BVG gemeldet, nachdem er im Radio gehört hatte, er habe ein Mädchen wegen ihres Kopftuchs der Bahn verwiesen. Laut BVG-Sprecherin Reetz sei er „entsetzt“ gewesen, „was aus dem Vorfall gemacht wurde“.

Der Staatsschutz hatte Ermittlungen aufgenommen, nachdem eine Erwachsene, der die 14-Jährige gesagt hatte, sie habe wegen ihres Kopftuchs die Bahn verlassen müssen, Anzeige erstattete.

Das Verhalten des Fahrers sei nicht zu beanstanden gewesen, so Reetz. Das Essen sei in den Fahrzeugen der BVG untersagt.