Berlin

Bessere Förderung für leistungsstarke Schüler in Berlin

In Berlin haben sich Schulen zusammengeschlossen, um leistungsstarke Schüler besonders zu fördern. Die Bildungssenatorin will Angebote ausweiten.

Bund und Länder wollen leistungsstarke Schüler mehr fördern

Bund und Länder wollen leistungsstarke Schüler mehr fördern

Foto: Massimo Rodari

Michael Wüstenberg ist Schulleiter des Berliner Lessing-Gymnasiums im Stadtbezirk Mitte. Seine Schule hat sich bereits vor mehr als zehn Jahren die Förderung besonders begabter und hochbegabter Schüler auf die Fahnen geschrieben. „Wir fördern aber auch schwächere Schüler“, sagt Wüstenberg. Beides sei wichtig und dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das findet auch Tom Erdmann, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin. Er fordert zudem, die Konzepte zur Hochbegabtenförderung zu evaluieren. „Wir müssen wissen, welche erfolgreich sind oder wo nachgesteuert werden muss“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Einrichtungen bieten Begabtenförderung am Nachmittag

Zu diesen Konzepten gehören Schulverbünde, die das Ziel haben, besonders begabte Schüler zu fördern. Das Lessing-Gymnasium ist Teil eines solchen Verbundes von Schulen aus den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Diese Einrichtungen bieten Begabtenförderung am Nachmittag an. Sie erhalten dafür Geld von der Bildungsverwaltung. Am Lessing-Gymnasium gibt es wöchentlich sechs Kurse, die nicht nur den eigenen Schülern offenstehen. Der Kursus Naturwissenschaften bereitet interessierte Schüler auf die Teilnahme am Wettbewerb Jugend forscht vor, so Wüstenberg. Es gebe auch einen Mathematikkursus, einen für das Programmieren von Computern, einen für Blogger.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will die Förderung begabter Schüler weiter stärken. Der Berliner Morgenpost sagte sie: „Wir haben in den letzten Jahren vieles für die Chancengerechtigkeit getan. Dennoch sehe ich den Bedarf, die Entwicklungsmöglichkeiten leistungsstarker und -fähiger Schüler auszuweiten.“ In der Grundschule gebe es neben den Fördermöglichkeiten im Unterricht bereits die Möglichkeit, schneller die Schulanfangsphase zu absolvieren und weitere Klassenstufen zu überspringen. In einzelnen Fächern könne der Unterricht in höheren Klassen besucht werden. Dies sei in der Grundschulverordnung geregelt. Zudem würden an einzelnen Grundschulen kostenlose Zusatzkurse angeboten, außerdem gebe es regionale Begabtenförderkurse.

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Mehr Angebote für leistungsstarke Schüler

Warum wir in Berlin begabte Schüler stärker fördern müssen

Im Bezirk Mitte haben sich zum Beispiel fünf Grundschulen (Papageno-Grundschule, Heinrich-Seidel-Grundschule, Carl-Kraemer-Grundschule, Anna-Lindh-Schule und die Grundschule am Koppenplatz) und zwei Gymnasien (Lessing-Gymnasium, John-Lennon-Gymnasium) zusammengeschlossen. Eine der Schulen ist die Anna-Lindh-Grundschule, deren Profil es ist, besonders begabte und hochbegabte Kinder zu fördern. Seit 2002 gibt es dort Lernanfängerklassen mit einem Drittel hochbegabter Kinder und zwei Dritteln mindestens gut Deutsch sprechender, leistungsstarker Kinder. Insgesamt besuchen derzeit mehr als 80 als hochbegabt getestete Kinder (IQ höher als 130) diese Schule. Viele von ihnen kommen aus unterschiedlichen Berliner Bezirken, etwa 20 Prozent der Plätze pro Jahrgang werden unabhängig vom Einschulungsbereich für hochbegabte Kinder frei gehalten.

Die Anna-Lindh-Schule bietet außerdem zusätzliche, über die Rahmenlehrpläne der Grundschule hinausgehende Lernbereiche an, orientiert an den Interessen der Kinder. Im Bedarfsfall ist auch die Teilnahme am Unterricht einer höheren Klassenstufe in einem oder mehreren Fächern möglich. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. So beteiligt sich die Anna-Lindh-Schule regelmäßig mit exzellenten Erfolgen an nationalen und internationalen Wettbewerben (Känguru der Mathematik, Mathematik-Olympiade, EinStein-Wettbewerb).

Die Humboldt-Kinder-Uni

Bildungssenatorin Sandra Scheeres verweist schließlich auch auf die Angebote der Berliner Universitäten. „Das Schulportal der Humboldt-Universität zu Berlin bietet unter anderem mit dem Grundschul-Mathetreff und der Humboldt-Kinder-Uni Wettbewerbe und Spiele für junge Forscher an“, sagte sie. Schulleiter Michael Wüstenberg erwähnt die enge Zusammenarbeit mit der Technischen Universität. „In jedem Schuljahr studieren bis zu sechs Schüler unserer Schule nachmittags an der Technischen Universität“, sagte er der Berliner Morgenpost. Dies sei ebenfalls eine gute Möglichkeit, begabte Schüler speziell zu fördern.

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