Schädlinge

Es gibt mehr Ratten als Menschen in Berlin

Der Bezirk Pankow muss den Helmholtzplatz sperren. Immer häufiger sind Aktionen gegen die Nager nötig.

Am Helmholtzplatz beginnt der Kampf gegen die Rattenplage

In Prenzlauer Berg wurde der Helmholtzplatz eingezäunt. Dort soll eine Rattenplage mit Giftködern bekämpft werden. Zuletzt war der Skalitzer Park wegen Ratten geschlossen worden. Im Jahr 2015 gab es laut LAGESO 8654 Einsätze gegen Ratten in Berlin.

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Das Bezirksamt Pankow und die Berliner Wasserbetriebe haben den Ratten auf dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg den Kampf angesagt. Seit Montag legen Fachfirmen ober- und unterirdisch Köder aus. Zum Schutz von Passanten, Kindern und Anwohnern sind Bereiche entlang der Lette- und Dunckerstraße mit Bauzäunen abgesperrt. In Vorbereitung dieser Aktion wurden zahlreiche Gehölze stark zurückgeschnitten, sodass die Ein- und Ausgänge der Rattenbaue zugänglich werden.

Zudem appelliert das Bezirksamt an die Anwohner, die Maßnahmen zu unterstützen. „Trotz der aufwendigen Bekämpfung ist eine Lösung des Problems nur möglich, wenn den Tieren keine Nahrung in Form von Speisenresten angeboten wird“, sagt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Spitzenreiter ist der Bezirk Marzahn-Hellersdorf

„Vor allem für die Kleinsten ist es wichtig, dass etwas gegen die Tiere unternommen wird. Der Kot der Ratten ist hier beinahe überall zu finden“, sagt Daniela Breite. Die 28-Jährige ist oft mit ihren zwei Kindern auf dem Spielplatz. Ratten können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin (Lageso) zählen dazu unter anderem Salmonellen, die Durchfallerkrankungen auslösen können. Auch an der Ausbreitung von Tierseuchen (Schweinepest, Maul- und Klauenseuche) sind Ratten demnach häufig als Überträger beteiligt.

In den vergangenen Monaten wurden bereits mehrere Spielplätze mit Rattenproblemen in Gesundbrunnen, Wedding, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf gesperrt. Seit Ende September ist auch der Skalitzer Park für mehrere Monate geschlossen. Der Befall sei so stark, dass nur eine intensive Bekämpfung der Schädlinge und eine bauliche Veränderung Abhilfe schaffen können, hatte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mitgeteilt. Das Bezirksamt arbeite bereits an Plänen für den Umbau und werde die Öffentlichkeit darüber informieren. Die Bauarbeiten könnten witterungsbedingt erst im kommenden Jahr beginnen, hieß es weiter. Der Bezirk rechnet mit einer Wiedereröffnung daher nicht vor April 2017.

Die Schätzungen, wie viele Ratten in Berlin heimisch sind, gehen weit auseinander. Vorsichtige Prognosen gehen davon aus, dass auf jeden Berliner ein Tier kommt, also mehr als 3,5 Millionen. Experten des Lageso halten „ein bis zwei Ratten pro Einwohner für denkbar“. Das Amt zählt zwar nicht die Nager, orientiert sich aber an den gemeldeten Bekämpfungszahlen in den Bezirken. Das waren nach Behördenangaben im vergangenen Jahr 8654 Aktionen, ein Jahr zuvor wurden 7470 gezählt.

Wie man einer Rattenplage vorbeugen kann

In fast allen Berliner Bezirken steigen demnach die Einsätze der Schädlingsbekämpfer. Spitzenreiter war 2015 Marzahn-Hellersdorf (1394), gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (1247) und Mitte (1050). Wenn also mehr bekämpft wurde, wurden auch mehr Tiere gesehen, so der Rückschluss des Lageso. Die wenigsten Ratten gibt es laut dieser Statistik offenbar in Steglitz-Zehlendorf. Hier wurden im vergangenen Jahr lediglich 210 Maßnahmen gemeldet, in Spandau 402.

Für das gehäufte Auftreten der Tiere in den City-Bezirken gibt es eine Erklärung. „Eine Möglichkeit, die das Sichtbarwerden von Ratten befördert, ist die Bautätigkeit in den zentralen Bezirken“, sagte Lageso-Sprecherin Silvia Kostner. Auf den Brachflächen würden Tiere, die lange Zeit in Ruhe leben, durch die Arbeiten aufgescheucht und aus ihrer geschützten Umgebung vertrieben.

Um einer Rattenplage vorzubeugen, gibt es Präventionsmaßnahmen, die jeder Berliner beherzigen sollte. So wird Ratten oft reichhaltig Nahrung angeboten. Dazu gehören Abfälle, die beim Füttern von Vögeln liegen bleiben. Weggeworfene Lebensmittelreste, offene Mülltonnen, Komposthaufen und unverschlossene Komposter auf Hinterhöfen und in Gärten locken die Nagetiere an. Müllbeutel sollten nicht neben die Tonnen gestellt werden. Lebensmittelreste gehören nicht in den Ausguss von Toiletten oder Waschbecken. Nistmöglichkeiten können eingeschränkt werden, wenn Höfe, Keller und Lagerräume übersichtlich gestaltet und regelmäßig entrümpelt werden.

Bei Rattenbefall sollte das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.