Prozess in Moabit

Zum Sex gezwungen - "Wusste nicht, dass es verboten ist"

Der 34-Jährige legte vor Gericht ein Teilgeständnis ab, bestritt aber, seine Frau auch vergewaltigt zu haben.

Symbolbild häusliche Gewalt

Symbolbild häusliche Gewalt

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa

Brutale Vergewaltigungen seiner Ehefrau, schwere Misshandlungen seines eigenen Kindes und massiver Widerstand gegen Polizeibeamte, die Berliner Staatsanwaltschaft hat einiges an Vorwürfen gegen Abdul A. aufgelistet. Seit Dienstag muss sich der 34-Jährige vor dem Landgericht Moabit verantworten. Teils selbst, teils über seine Verteidigerin äußerte sich A. gleich zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen, einige räumte er ein, andere bestritt er, häufig allerdings begleitet von Widersprüchen in seinen Aussagen.

Abdul A. kam mit seiner Frau und drei kleinen Kindern im vergangenen Jahr als Flüchtling aus Syrien über die Balkanroute nach Deutschland und landete schließlich in Berlin. Bis zu seiner Festnahme im April dieses Jahres lebte er mit Frau und Kindern in einem Zimmer eines zur Flüchtlingseinrichtung umfunktionierten ehemaligen Hotels in Schöneberg. Fünf der sieben Einzeltaten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, soll er dort verübt haben, ein weiterer Tatort ist der Görlitzer Park in Kreuzberg.

Viermal hat der Syrer nach Darstellung der Anklage seine Frau mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen. Weigerte sich die 25-Jährige, soll er sie brutal geschlagen und dabei mit Faustschlägen schwer verletzt haben. Was der Vertreter der Staatsanwaltschaft dabei an Einzelheiten zu den Geschehnissen vortrug, ist nicht mehr schilderbar. Dass alles in Gegenwart der Kinder passiert sein soll, ist nur eines von vielen Details.

A. soll seinen dreijährigen Sohn auf den Boden geworfen haben

Den Vorwurf der Vergewaltigung wollte A., so wie er in der Anklage dargestellt wurde, allerdings nicht stehen lassen. Die müssten „differenziert betrachtet werden“, erklärte seine Verteidigerin. Die sexuellen Handlungen seien einvernehmlich gewesen, beteuerte der 34-Jährige, ließ die Anwältin jedoch gleichzeitig vortragen, er habe nicht gewusst, dass es in Deutschland verboten ist, seine Ehefrau zum Sex zu zwingen.

Ein besonders brutales Geschehen soll sich am Nachmittag des 1. April abgespielt haben. Die Anklage geht davon aus, dass A. in der Warteschlange vor der Essensausgabe seinen dreijährigen Sohn auf den Boden warf und anschließend auf den Jungen eintrat, bevor ihn zwei Männer wegzerrten. Dem Gericht erklärte der Angeklagte, er habe das Kind versehentlich fallen lassen, zugleich erklärte er allerdings wortreich, er sei an diesem Tag äußerst wütend gewesen. „Ich hatte viel im Kopf, die Sorge um meine in Syrien zurückgebliebenen Verwandten und die Unzufriedenheit mit den schwierigen und beengten Verhältnissen in der Flüchtlingsunterkunft“, erklärte der Angeklagte.

Kopf mehrfach gegen die Mauer geschlagen

Zwei weitere Taten sollen sich am 28. April im Görlitzer Park zugetragen haben, wo sich die Familie nachmittags aufhielt. Zeugen zufolge soll A. seine Ehefrau zunächst in ein Gebüsch gezerrt und dort verprügelt haben, anschließend soll er ihren Kopf mehrfach gegen eine Mauer geschlagen haben. Die Frau musste danach in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Polizeibeamte hatten erhebliche Mühe, den Angeklagten zu überwältigen, immer wieder soll A. um sich geschlagen und getreten haben. Auch eine Polizistin zog sich dabei Verletzungen zu.

Dass er seine Frau an diesem Tag geschlagen habe, räumte der Angeklagte ein. Die 25-Jährige habe ihm eröffnet, sie werde ihn für einen anderen Mann, ebenfalls Bewohner der Flüchtlingsunterkunft, verlassen. A. sprach in dem Zusammenhang von „gewissen Respektlosigkeiten“, die sich seine Frau früher nicht geleistet habe. Seit dem Vorfall im Görlitzer Park sitzt Abdul A. in Untersuchungshaft.

Um die in der Anklage erhobenen Vorwürfe restlos aufzuklären, hat die zuständige Strafkammer für die nächsten Verhandlungstage zahlreiche Zeugen geladen. Die Ehefrau, die sich in dem Prozess als Nebenklägerin von einer Anwältin vertreten lässt, gehört ebenso dazu wie weitere Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und die Polizeibeamten, die den 34-Jährigen im Görlitzer Park festnahmen. Der Prozess wird am 8. November fortgesetzt.