Kudamm-Karree

Die Komödie am Kurfürstendamm und ihre turbulente Geschichte

Sie ist nicht unterzukriegen: Die Komödie am Kurfürstendamm. Wir erzählen die ereignisreiche Geschichte der Berliner Bühne.

Blick in den Zuschauerraum der Neuen Komödie

Blick in den Zuschauerraum der Neuen Komödie

Foto: Kleihues + Kleihues

Marlene Dietrich sorgte schon 1931 als Gast im Zuschauerraum der Komödie am Kurfürstendamm für Furore. Curd Jürgens stand 1975 zu seinem 60. Geburtstag in einer Premiere auf der Bühne, bevor es zum Feiern ins Café Bristol ging. Harald Juhnke war auf den beiden Boulevard-Bühnen Theater und Komödie am Kurfürstendamm ohnehin Dauergast. Viele Stars gaben schon Vorstellungen in der Berliner Komödie und sorgten für tosenden Applaus.

Der Beginn der Komödie

Die Komödie am Kurfürstendamm sollte eigentlich ein Kino werden. Der Film boomte, die neue Kunstform hatte den Jahrmarkts-Makel, der ihm in den ersten Jahren anhaftete, abgelegt. Im neuen Westen der Metropole Berlin wurden Filmpaläste errichtet, die diesen Namen auch verdienten.

Das Areal rund um die Gedächtniskirche war das Epizentrum der filmischen Reproduktion, dort konkurrierten prachtvolle Lichtspielhäuser wie das Marmorhaus, der Palast am Zoo, der Gloria-Palast, das Capitol oder der Tauentzien-Palast ums bürgerliche Publikum. Der Kintopp, das zeigte die Architektur, die sich an klassischen Theaterbauten orientierte, war gesellschaftsfähig geworden.

Max Reinhardt betritt die Bühne der Komödie

Im Auftrag der Tattersall AG errichtete Oskar Kaufmann 1922-24 auf dem Grundstück Kurfürstendamm 206/07 ein fünfgeschossiges Geschäftshaus. Die Fassade hatte expressionistischen Schwung, hofseitig war ein Lichtspieltheater für 1.500 Zuschauer geplant.

Der Rohbau stand schon, als der Theaterprinzipal Max Reinhardt, der in Berlin bereits das Deutsche Theater und das Große Schauspielhaus betrieb, Interesse an einem weiteren Haus im boomenden Westen der Stadt zeigte. Ihm fehlte eine Bühne für Komödien und leichte Gesellschaftsstücke – und er wollte am neuen Boulevard präsent sein.

Logen für Sponsoren und Nachtvorstellungen

Also wurde umgeplant. Architekt Kaufmann legte den Fußboden tiefer, um die notwendige Raumhöhe für einen zweigeschossigen Theaterbau zu gewinnen und schuf ein elegantes, intimes Boulevardtheater mit knapp 500 Plätzen. Die Logen waren Sponsoren vorbehalten, sie verfügten über einen Vorhang und konnten zu einem Chambre séparée umgewandelt werden. Die Stadt war nach den vielen politischen und ökonomischen Krisen amüsierwillig. Im Anschluss an die abendlichen Aufführungen wurden Revuen gegeben, die Nachtvorstellungen begannen um 23 Uhr.

Die Zuschauer stehen im Vordergrund

Der "Berliner Börsen-Courier" machte auf eine gesellschaftliche Funktion aufmerksam, die vom höfischen Theater übernommen wurde. "Natürlich ist die Bühne in einem Theater das wichtigste, aber dass die Zuschauer ein Recht haben, nicht nur zu sehen, sondern auch gesehen zu werden, das ist eine für uns ziemlich ungewohnte Forderung. In Oskar Kaufmanns jüngster Theaterschöpfung ist dieser Satz befolgt. In diesem Theater ist der Zuschauerraum das wesentliche, ein eleganter Gesellschaftssalon, auf dessen Bühne auch ein wenig Theater gespielt werden kann."

Mit Goldonis "Der Diener zweier Herren", selbstverständlich eine Inszenierung des Hausherren, wurde das Haus am 1. November 1924 eröffnet. Ein Ereignis. Berlins Prominenz war gekommen, auch Politiker der Weimarer Republik: Reichskanzler Wilhelm Marx und Außenminister Gustav Stresemann saßen in den Proszeniumslogen beiderseits der Bühne, im Zuschauerraum viele Frack- und Fliegenträger neben elegant gekleideten Damen.

Die Komödie während der Nazizeit

Die Komödie am Kurfürstendamm hatte den Krieg relativ gut überstanden. 1946 wurde das Haus mit "Kabale und Liebe" wiedereröffnet, das Gestühl war zusammengewürfelt, es stammte aus ausgebombten Theatern und Kinos.

Anfang der 50er-Jahre hat Hans Woelffer, der Großvater des heutigen Direktors, die Komödie übernommen, er hatte das Haus bereits ab 1934 bespielt, nachdem zuvor die Leitung binnen zweier Jahre sieben Mal gewechselt hatte. Max Reinhardt hatte sich 1932 aus der Direktion seiner Bühnen zurückgezogen, die Nazis vertrieben den jüdischen Theatermann in die Emigration. Reinhardt ging erst nach Österreich und siedelte 1937 in die USA über.

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Die Komödie am Kurfürstendamm während der Studentenproteste

1968, auf dem Höhepunkt der Studentenproteste, wurde in der Komödie die Nachtbespielung wieder aufgenommen. Es gab politisches Kabarett, unter anderem trat Wolfgang Neuss, der "Mann mit der Pauke", auf. Anfang der 70er-Jahre wurde das Kudamm-Karree errichtet.

Kudamm-Karree

Eine Zäsur: Die Komödie und das drei Jahre ältere Theater am Kurfürstendamm wurden umgebaut. Den Bühnen hatte das zunächst nicht geschadet, das goldene Zeitalter des Boulevards brach an, fast jedes Stück wurde aufgezeichnet und zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Eine tolle Werbung für die Kudammbühnen, denn dort traten die Stars live auf: Harald Juhnke, Günter Pfitzmann, Georg Thomalla, Inge Meysel, Rudolf Platte oder auch Curd Jürgens.

Als der 1975 seinen 60. Geburtstag nach einer Vorstellung im gegenüberliegen Bristol feierte, wurde der Kudamm abgesperrt, damit Fackelträger die Gäste über die Straße geleiten konnten. Das weiß auch Martin Woelffer zu erzählen, der die Leitung der Bühnen im Jahr 2004 von seinem Vater Jürgen übernahm. In unruhigen Zeiten. Ende 2004 kündigte die Deutsche Bank als damaliger Eigentümer des Kudamm-Karrees die Mietverträge. Es gab Demonstrationen für den Erhalt der Bühnen, die Bank verkaufte schließlich die Immobilie weiter. Zukunft ungewiss.

Wie geht es weiter mit der Komödie am Kurfürstendamm?

"Bisher haben wir uns erfolgreich für den Erhalt der beiden Theater stark gemacht", sagt Woelffer, der optimistisch in die Zukunft schaut.

Martin Woelffer erklärt trotzig: "Wir bleiben!" Er hofft, dass in der Komödie auch noch der 100. Geburtstag gefeiert wird.

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