Bauarbeiten & Sperrungen

Zehntausende Fahrgäste in Berlin von Bahnausfällen betroffen

Großprojekte und Sanierungen beeinträchtigen den Bahnbetrieb in Berlin. Rund 470 Millionen Euro fließen in das Schienennetz der Region.

Baubedingte Sperrung, Schienenersatzverkehr und Verspätungen wegen „unerwartet hohem Fahrgastaufkommen“ – mit diesen wenig populären Begriffen werden sich die Nutzer von S-Bahn und Regionalverkehr anfreunden müssen. Auch in den nächsten Monaten tut sich einiges im Bahnnetz. „Wir bauen so viel wie noch nie“, sagte der Berlin-Bevollmächtigte der Bahn, Alexander Kaczmarek, am Mittwoch bei der Vorstellung der Pläne für den Herbst und das nächste Jahr.

Rund 470 Millionen Euro werden in diesem Jahr in den Erhalt und die Modernisierung der an vielen Stellen altersschwachen Schieneninfrastruktur in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern investiert. Und für 2017 sind Ausgaben in gleicher Größenordnung geplant. „Wir sind damit auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region“, betonte Kaczmarek.

S2 fährt vier Wochen lang nicht nach Bernau

Die Reisenden werden sich in den kommenden Monaten auf teils große Unannehmlichkeiten einstellen müssen. Besonders hart trifft es die Berufspendler im Berliner Nordosten. Ab Freitag, 4 Uhr, wird die Strecke der Linie S2 zwischen Blankenburg und Bernau gesperrt. Betroffen sind bis zu 36.000 Fahrgäste am Tag. Grund ist die Inbetriebnahme eines elektronischen Stellwerks, das die Leistungsfähigkeit der Strecke erhöhen soll. Als Ersatz fahren zwischen Blankenburg und Bernau Busse, tagsüber im Zehn-Minuten-Takt, ab 22 Uhr alle 20 Minuten. Die S2-Fahrgäste müssen aber erheblich mehr Zeit einplanen.

Laut Bahn benötigt ein Bus für die gut 21 Kilometer lange Strecke 41 bis 48 Minuten, die S-Bahn legt die Distanz in nur 18 bis 20 Minuten zurück. Wegen mehrerer großer Straßenbaustellen, die schon jetzt häufig für Staus sorgen, rechnen Anwohner indes mit mehr als nur 30 Minuten Reisezeitverlängerung. Zusätzliche Regionalzüge oder einen fünften Wagen am RE3, wie von Regionalpolitikern zur Entlastung gefordert, wird es nicht geben, sagte Detlef Speier vom Fahrgastmarketing der S-Bahn. Man werde aber genau beobachten, wie der Ersatzverkehr am Freitag anlaufe und bei Bedarf „nachsteuern“.

Um die schnellste Verbindung zu finden, empfiehlt sich die Abfrage in einem elektronischen Fahrauskunftssystem (www.vbbonline.de oder www.s-bahn-berlin.de), wo der Schienenersatzverkehr bereits mit eingerechnet ist.

Sperrungen auch auf der Stadtbahn

Weiter gebaut wird auch an Berlins wichtigster S-Bahntrasse, der Stadtbahn. Dort wird die alte mechanische Fahrsperre, die verhindern soll, dass ein Zug ein Haltesignal überfährt, durch ein neues elektronisches System ersetzt. Die Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf den westlichen Bereich der Stadtbahn. Zur Inbetriebnahme des Systems muss ab 24. Oktober (4 Uhr) die Strecke Friedrichstraße–Charlottenburg, ab 27. Oktober (22 Uhr) verlängert bis Grunewald/Olympiastadion, gesperrt werden.

Bis 31. Oktober (1.30 Uhr) fahren als Ersatz Busse, schneller lässt sich der Bereich mit Zügen im Regionalverkehr (etwa RE1, RE2 und RE7) umfahren, die aber nicht an allen Stationen halten. Von 6 bis 23.30 Uhr lässt die Bahn zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg zusätzliche Züge fahren. Reisende nach Potsdam können ab Friedrichstraße auch die S1 nutzen.

Ab Mitte November verlagern sich die Arbeiten dann auf den östlichen Stadtbahn-Abschnitt. Um die S-Bahnnutzer tagsüber nicht zu beeinträchtigen, werden die Arbeiten auf die Nächte (jeweils sonntags bis donnerstags) konzentriert. Insgesamt soll es 28 Nacht-Sperrungen in diesem und weitere 35 im nächsten Jahr geben (jeweils ab 22 Uhr). Hinzu kommen noch vier Sperrungen an Wochenenden. „Ab Juli nächsten Jahres steht die Stadtbahn für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre wieder uneingeschränkt zur Verfügung“, verspricht Berlins Bahnchef Kaczmarek.

S-Bahn und Regionalzüge laut Bahn mit am Pünktlichsten

Trotz der bis zu 100 Baustellen am Tag würden S-Bahn und Regionalbahn zu den pünktlichsten Verkehrsmitteln in Deutschland gehören, betonte er. Nach der Bahn-Statistik sind in diesem Jahr 97,1 Prozent aller S-Bahnen, 95,2 Prozent der Regionalzüge und 85,2 der ICE und IC-Züge pünktlich gefahren. Das dürfte sich nicht unbedingt mit dem Empfinden vieler Reisenden decken. Zuletzt häuften sich etwa bei den Fahrgastverbänden die Beschwerden über ausgefallene und verspätete Fahrten.

Doch auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der die Pünktlichkeit nach einem etwas anderen Verfahren als die Bahn misst, bescheinigte der S-Bahn eine Pünktlichkeit von 95,7 und dem Regionalverkehr von 92,5 Prozent (Januar–Juli). Die Quoten sind jeweils besser als die Vorjahreswerte (S-Bahn: 95, Regionalverkehr: 91,9 Prozent).