So etwas habe ich im Kino noch nie erlebt: Meine Frau und ich schauen kürzlich den Film „24 Wochen“ in den Hackeschen Höfen, als eine Frau in der Reihe hinter uns laut und herzzerreißend zu weinen beginnt. Sie verlässt aber nicht das Kino, sondern guckt weiter, schluchzt weiter, bis das halbe Publikum stumm mit den Tränen kämpft.
Vorne auf der Leinwand läuft der Film, es geht um eine beruflich erfolgreiche Frau mit liebevollem Mann, die ein Kind mit Down-Syndrom spät in der Schwangerschaft abtreibt. Einen Moment lang weiß ich nicht mehr, was mich mehr berührt: Der Spielfilm oder das Leid der Kinobesucherin. Wahrscheinlich ist es die Mischung aus beidem, denke ich.
„Down-Syndrom“: Das klingt schon depressiv
„Down-Syndrom“: Ich mag es immer noch nicht, dieses Wort. Es klingt irgendwie depressiv und krank. Wäre der englische Neurologe John Langdon-Down, dessen Name den Begriff prägte, einem britischen Adelsgeschlecht entsprungen, würden wir heute vielleicht vom „Beaufort-Syndrom“ sprechen, oder vom „Montgomery-Komplex“. Das klänge schon etwas vorzeigbarer, etwas glamouröser, nicht wahr?


