Gartenschau in Berlin

Senat vergibt Preise für Firmengärten

2017 findet in Berlin die Internationale Gartenschau statt. Im Vorfeld vergibt der Senat erstmals Preise für interessant gestaltete Firmengärten.

Der Garten der Strategieagentur „different“ erhält einen Preis für den besten Firmengarten auf einem Dach

Der Garten der Strategieagentur „different“ erhält einen Preis für den besten Firmengarten auf einem Dach

Foto: Joerg Krauthoefer

Neben Erdbeeren, Persischer Minze und Roter Bete wachsen im Dachgarten der Strategieagentur "diffferent" Stangenbohnen dem Himmel entgegen. Bald wird Hausmeister Gert Fritsche die Hülsenfrüchte ernten und den Mitarbeitern Bohnensuppe servieren. Spätestens, wenn mittags alle am großen Tisch beisammensitzen und gemeinsam Suppe löffeln, wird klar, der Dachgarten bringt neben Arbeit vor allem eines: Gemeinschaft. Am Donnerstag wurde er in der Markthalle der Internationalen Gartenausstellung (IGA) mit dem Preis für den besten Firmengarten in der Kategorie Dach ausgezeichnet.

Grüne Unternehmensprojekte

Den Wettbewerb "Firmengärten Berlin" richteten Vereine und Wirtschaftsverbände mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung anlässlich der Internationalen Gartenschau (IGA) 2017 erstmalig aus. "Wir wollen verschiedene Ansätze urbaner, grüner Unternehmensprojekte präsentieren und die Gründe der Unternehmer dafür aufzeigen", sagt Andrea Joras, Chefin der Wirtschaftsförderung Berlin Partner. Die Jury hat 40 Bewerbungen nach drei Kriterien bewertet: Umweltqualität, Gestaltung und soziale Funktion.

Durch Letzteres punktete "diffferent" in Mitte. Die Gesellschaft hat laut Jury "einen Garten, der gelebt wird". Dafür sorgt besonders Hausmeister Gert Fritsche. "Gerts Gartenstorys" sind unter den 90 Mitarbeitern in aller Munde: zum Beispiel das aus dem Nest gefallene Entenküken. Der 65-Jährige päppelte es auf. Die Mitarbeiter tauften es daraufhin Gertrud und spendeten für das Küken, das heute auf einem Gnadenhof lebt. Daneben ist das Dach zum Arbeits- und Erholungsraum geworden: "Es ist schön, nach der Arbeit noch bei einem Bier zusammenzusitzen", sagt Mitarbeiterin Marion Schumann. "So gesehen haben wir Raum geschaffen für das Miteinander und für den Zusammenhalt."

After-Work-Grillpartys und Tischtennisturniere

Die Verwaltungsgesellschaft für Versorgungswerke (VGV) aus Zehlendorf gewann den Preis in der Kategorie Gesamtanlage. Im Mittelpunkt der Anlage steht ein 100 Jahre altes barockes Palais zwischen Nebengebäuden. An den Bauten wurde eine Senkterrasse in den Boden eingelassen und die Böschung ringsum mit Stauden bepflanzt. Das historische Wasserbecken im Vorgarten bekam seine Fontänen zurück. Acht Versorgungswerke mit 120 Beschäftigten nutzen den Garten. Laut Jury ist die Anlage "eine gelungene Verbindung von Alt und Neu sowie von Gebäuden und Außenflächen".

Positive Effekte fürs Betriebsklima

Vom Garten versprechen sich die beiden Geschäftsführer Wolfgang Tabeling und Martin Reiss einen positiven Effekt auf das Betriebsklima: After-Work-Grillpartys oder das Tischtennisturnier "VGV-Open" würden sich gerade etablieren und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Den Preis in der Kategorie "Begrünte Höfe" gewann die WBM Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die den Hof ihrer Zentrale am Alexanderplatz umbaute: "Der ehemalige Betonparkplatz und das alte Heizhaus bilden heute einen Innenhof für Meetings, Lesungen und Mietveranstaltungen", sagt Martin Püschel von der WMB. Im Hof stehen Hochbeete und Sitzmöbel, sieben Mitarbeiter ziehen eigene Pflänzchen heran und kümmern sich um Tomaten, Kohl und Mexikanische Minigurken.

Geringe Kosten, hoher Nutzen

Laut Püschel sind die laufenden Kosten für den grünen Hof gering, dessen Nutzen dafür umso größer. "Er sorgt für eine positive Atmosphäre, die Mitarbeiter haben gute Laune und sind motiviert", so Püschel. "Außerdem müssen wir für Veranstaltungen keine Flächen mehr anmieten und sparen die Klimaanlage durch ein begrüntes Dach." Die Jury würdigte zudem die 30.000 Bienen auf dem Firmendach und die Bemühungen, auch die Mietshäuser des Unternehmens einzubinden: Als Teil ihres Konzeptes "grün denken und handeln" bezahlt die WMB ihren Mietern Hochbeete, Erde, Pflanzen und Gießwasser für die Innenhöfe.

Streuobstwiese neben der Firma

Zudem gab es spontan zwei Sonderpreise: Der Preis für technische Innovation ging an die Firma Dieringer Blechbearbeitung für eine originelle Entwässerungstechnik. Da das Wasser nicht im durch Kriegsschutt kontaminierten Boden des Firmengeländes versickern darf, wird es durch überdimensionale Rinnen von Dach zu Dach zu Dach geleitet und versickert im Nachbargrundstück. In den Rinnen werden Wassermelonen, Erdbeeren und Äpfel gezogen. Das Dach wird von einer patentierten begrünten Fassade ergänzt. Den Sonderpreis für biologische Vielfalt bekam die Firma Knauer, die weltweit Labormessgeräte verkauft. Deren 4200 Quadratmeter großer Garten ist in verschiedenen Zonen mit Streuobstwiesen angelegt. Ein eigens dafür eingestellter Ökolandwirt begleitet den ökologischen Kreislauf in dem Garten.

Die Präsidentin der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Beatrice Kramm, ist begeistert von den Wettbewerbsteilnehmern. Sie seien ein wunderbares Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Berlin. Andrea Joras sieht das ähnlich: "Ein Firmengarten trägt zur Lebensqualität bei, macht Berlin als Standort attraktiver, bindet Mitarbeiter und festigt den Teamgeist."

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