Gesunde Ernährung

Kontrolleure für Schulessen - Was Eltern wissen sollten

Der Senat will die Qualität der Mahlzeiten überprüfen. Auch Eltern können aktiv werden. Das sind die wichtigsten Fragen.

Den Kindern schmeckt es. Das Schulessen soll in Berlin künftig strenger überwacht werden

Den Kindern schmeckt es. Das Schulessen soll in Berlin künftig strenger überwacht werden

Foto: Getty Images / E+/Getty Images

Im November soll eine neue landesweite Kontrollstelle für das Schulmittagessen ihre Arbeit aufnehmen. Damit wird es laut Bildungsverwaltung bundesweit erstmalig eine öffentliche Institution geben, die das Essen auf dem Teller regelmäßig überprüft. Im Juni 2013 hatte Berlin das Gesetz zur Qualitätsverbesserung des Schulessens beschlossen. Die Caterer müssen einheitliche Kriterien erfüllen und erhalten dafür einen Festpreis von 3,25 Euro pro Essen. Mit der Preiserhöhung für die Eltern sollte auch eine Qualitätskontrolle eingeführt werden. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer kontrolliert das Schulessen?

Die Fachkontrollstelle wird mit drei Mitarbeitern besetzt. Zwei Mitarbeiter kommen aus dem Bereich der Lebensmittelkontrolle. Die Leitung übernimmt eine Erziehungswissenschaftlerin. Aktuell ist die Leitungsposition schon besetzt, das Besetzungsverfahren für die Lebensmittelkontrolleure läuft. Angesiedelt ist die landesweite Kontrollstelle im Bezirk Pankow im Bereich der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht.

Wo und wie oft finden die Kontrollen statt?

Die Prüfer gehen in die Schulen und auch in die Produktionsküchen, wo das Essen hergestellt wird. Ziel ist es, dass jeder Caterer innerhalb der Vertragslaufzeit einmal überprüft wird. Begonnen werden sollen die Kontrollen in den Berliner Grundschulen. Erst anschließend würden auch die Oberschulen in den Blick genommen. Außerdem finden anlassbezogene Kontrollen statt, wenn es Beschwerden von Eltern oder Lehrern gibt.

Was wird genau kontrolliert?

Die Prüfer werden die Ausgabeküchen in den Schulen besuchen. Hier wird kontrolliert, wie lange das Essen von der Produktion bis zur Ausgabe warm gehalten wurde. Außerdem wird das Mittagessen in Augenschein genommen, die Temperatur gemessen und natürlich probiert. In ähnlicher Form erfolgt diese Kontrolle auch in den Produktionsküchen der Anbieter. Überprüft wird auch, ob die Speisepläne den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen.

Welcher Bio-Anteil ist im Schulessen vorgeschrieben?

Laut Verordnung muss der Bio-Anteil bei mindestens 15 Prozent liegen. In Berlin beträgt aktuell der Anteil an biologisch-ökologischen Produkten im Schulessen nach Angaben der Bildungsverwaltung sogar 40 Prozent. Das sei ein Effekt aus dem neuen Qualitätswettbewerb, zu dem die Anbieter praktisch durch den Festpreis gezwungen sind.

Werden auch Essensproben im Labor untersucht?

Tatsächlich werden Proben vom Mittagessen gezogen und dann vom Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht. Untersucht wird zum Beispiel die Qualität des Fleisches, der Fettanteil und der Vitamingehalt. Die Proben werden sowohl in den Produktionsküchen als auch in den Schulen genommen, und zwar nicht nur einmal, sondern an 20 Tagen hintereinander. Die Ergebnisse gehen dann zuerst an die Fachkontrollstelle und von dort an die Bezirke.

Warum hat es so lange gedauert, bis die Kontrollstelle eingerichtet wurde?

Dass das Überwachungsteam erst dreieinhalb Jahre nach Beschluss des Gesetzes über die Qualitätsverbesserung des Schulmittagessens seine Arbeit aufnimmt, begründete Torsten Kühne (CDU), Stadtrat für Verbraucherschutz in Pankow, am Dienstag gegenüber der Berliner Morgenpost mit dem langen bürokratischen Vorlauf. Für eine regionalisierte Aufgabe, die ein Bezirk für alle anderen mit übernimmt, müssen sämtliche Bezirksämter zustimmen. Gedauert hätten auch die Verhandlungen mit der Senatsfinanzverwaltung, so Kühne. Insgesamt 350.000 Euro pro Jahr stehen der Fachstelle nun zur Verfügung.

Sind die Kontrollen mit drei Mitarbeitern überhaupt zu schaffen?

Pankow als der zuständige Bezirk hatte ursprünglich vier Mitarbeiter für die Aufgabe gefordert. Nun werde man die Erfahrungswerte abwarten, inwieweit das Team eine regelmäßige Überprüfung schaffe, sagte Stadtrat Kühne. Die Fachstelle ist aber nicht allein zuständig für die Qualitätskontrolle. Zusätzlich gibt es an jeder Schule Essensausschüsse, in denen Lehrer, Eltern und Schüler mitarbeiten. Nachdem sie bei der Auswahl der Caterer aktiv gewesen sind, geben sie regelmäßig Rückmeldungen an die Anbieter, wie das Essen vor Ort ankommt oder was verbessert werden könnte. Nun können sie auch die Fachstelle einschalten, wenn sie mit dem Essen unzufrieden sind.

Was passiert, wenn ein Caterer gegen die Standards verstößt?

Die Rückmeldungen der Essensausschüsse an die Schulämter haben auch schon in der Vergangenheit zu Kündigungen geführt. Im Bezirk Reinickendorf zum Beispiel wurde an zwei Grundschulen der Anbieter gewechselt, in Pankow sogar an fünf Schulen. Vertragspartner der Anbieter für das Mittagessen sind die Bezirke. Sie entscheiden über Abmahnungen oder gar Kündigungen. Nun erhalten sie mit der Fachkontrollstelle eine Expertise an ihre Seite.