Sexismus-Debatte

Sexismus-Vorwürfe und Machtspiele in der CDU Mitte

In der CDU Mitte haben viele nichts dagegen, wenn Kreischef Frank Henkel weiter geschwächt wird.

Der noch amtierende Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) ist nach der Wahlschlappe seiner Partei schwer angeschlagen

Der noch amtierende Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) ist nach der Wahlschlappe seiner Partei schwer angeschlagen

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Der Vorwurf des Sexismus trifft die CDU hart. Zumal es etliche Parteimitglieder gibt, die die Schilderungen von Jenna Behrends über ihre Erfahrungen im Kreisverband Mitte für absolut glaubhaft halten. Aber neben der Frage, wie die CDU mit jungen Frauen umgeht und wie es sein kann, dass unter 31 neu gewählten Abgeordneten im neuen Landesparlament nur vier Frauen sind, hat der Vorgang auch eine machtpolitische Dimension.

Gruppe will mehr Einfluss in der Bezirks-CDU gewinnen

In Mitte, so hört man, schickt sich eine Gruppe von Parteimitgliedern mit engen Banden zur Bundesregierung und zur Bundesgeschäftsstelle an, mehr Einfluss in der Bezirks-CDU zu gewinnen, der sie die Großstadttauglichkeit absprechen. Es sei die Neuauflage der "Aktion Frischer Wind", die unter anderem forderte, alle Mitglieder statt nur Delegierte über Personal- und Sachfragen abstimmen zu lassen. Aus diesem Kreis erfährt Jenna Behrends viel Unterstützung, ihr Vorstoß spielt ihnen in die Karten. Ein noch weiter angeschlagener Kreisschef Frank Henkel kommt vielen aus dem Kreis der "Erneuerer" gelegen.

Der noch amtierende Innensenator will nach der Wahlschlappe den Landesvorsitz demnächst niederlegen. Über seine Zukunft als Kreischef in Mitte wurde hingegen noch wenig bekannt. Eines ist aber klar: Wer in der Berliner CDU einen der zwölf Kreisverbände führt, kann beeinflussen, wer etwa als Bundestagskandidat aufgestellt wird. Henkel wird für 2017 ein Interesse an einer Kandidatur nachgesagt.

Henkel steckt nun noch tiefer im Schlamassel

Bemerkenswert an dem Vorgang ist das Verhalten des Abgeordneten Sven Rissmann, der bisher ein enger Vertrauter Henkels war. Denn Rissmann war es nach Behrends' Darstellung, der ihr aus seinem Vier-Augen-Gespräch mit Henkel erzählt hat, dass Henkel ihn gefragt habe: "Fickst du die?" Rissmann sagte dazu am Freitag, er könne sich nicht erinnern. Er hätte auch sagen können, dass diese Worte so nie von Henkel gefallen seien. So aber steckt der angeschlagene Henkel noch tiefer im Schlamassel.

Wenn Henkel wegen Sexismus nicht mehr tragbar wäre, würden die Chancen anderer Bewerber auf die wenigen sicheren Listenplätze für den Bundestag wachsen. Ebenso sieht es mit einem Posten aus, für den Henkel ebenfalls im Gespräch ist: Er könnte ­Vizepräsident des neuen Abgeordnetenhauses werden. Aber für dieses Amt interessiert sich dem Vernehmen nach auch die Zehlendorfer Abgeordnete Cornelia Seibeld (CDU). Sie hat mit Rissmann ein gemeinsames Kind.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.