Jubiläum

So feiert die BVG 40 Jahre Tatra-Tram

Die BVG feiert das Jubiläum der Tatra-Tram mit Sonderfahrten. Doch die Tage der einst in Prag gebauten Züge sind gezählt.

Begleitet von einer Musikkapelle fährt eine Straßenbahn der BVG in Berlin von der S-Bahnbrücke Adlershof in Richtung Karl-Ziegler-Straße

Begleitet von einer Musikkapelle fährt eine Straßenbahn der BVG in Berlin von der S-Bahnbrücke Adlershof in Richtung Karl-Ziegler-Straße

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / dpa

Für die einen ist es ein wahrlich unbequemes Relikt aus alten DDR-Zeiten, für andere ein legendäres Stück Tramgeschichte. Bis heute entzweit die Tatra-Straßenbahn die Fahrgäste. Doch die Tage der letzten, wegen ihrer hohen Einstiegsstufen nicht barrierefreien Straßenbahn in Berlin sind gezählt. Im kommenden Jahr soll sie – bis auf einige wenige Reservezüge – endgültig aus der Fahrzeugflotte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ausgemustert werden.

Bevor es soweit ist, wird noch mal ein Jubiläum gefeiert. Denn die „Tatra“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt wird, hat Geburtstag. Es ist 40 Jahre her, da erhielten die Verkehrsbetriebe im damaligen Ost-Berlin vom tschechoslowakischen Hersteller ČKD Tatra mit Sitz in Prag den ersten Zug geliefert. Für die Fahrgäste damals eine kleine Revolution. Rumpelten doch im Ostteil der Stadt noch immer zahlreiche Straßenbahnen über die Gleise, die technisch auf Vorkriegsmodellen basierten. Die Tatra-Bahnen glänzten da mit ungeahnten Beschleunigungsvermögen, sich schnell öffnenden und schließenden Türen und peppig-farbigen Plastikschalensitzen. Tatra-Bahnen fuhren damals in fast allen Ostblockländern, wobei in Berlin die Reihe KT4D zum Einsatz kam.

Am 11. September 1976 wurde die erste Tatra in Berlin auf der damaligen Linie 75 zwischen S-Bahnhof Marx-Engels-Platz (heute Hackescher Markt) und Betriebshof Weißensee in Betrieb genommen. Obwohl das Modell eigentlich für eher kurvenreiche und bergige Strecken konzipiert war, entschied man sich in Berlin für die KT4D als Nachfolger der damals eingesetzten Rekowagen.

Zwischen 1976 und 1997 kamen insgesamt 582 Tatras in Berlin zum Einsatz. Heute hat die BVG noch 79 Fahrzeuge im Bestand, die in den kommenden Monaten wegen der fehlenden Barrierefreiheit und der auslaufenden Betriebsgenehmigung nach und nach ausrangiert und durch neue Flexity-Bahnen ersetzt werden. Ursprünglich wollten die Verkehrsbetriebe bis Ende 2017 alle Tatra-Züge verschrotten oder an Unternehmen in Osteuropa weiterverkaufen. Doch weil die Einwohnerzahl von Berlin weiter stark steigt, will die BVG nun doch 40 Züge als sogenannte „strategische Reserve“ halten.

Einige Züge sollen zudem Platz in der historischen Fahrzeugsammlung im Betriebshof Köpenick finden. Am Donnerstag übergab Straßenbahnchef Klaus-Dietrich Matschke eine Tatra an den Denkmalpflegeverein Nahverkehr Berlin. Die Bahn (Baujahr 1986) war zuvor entsprechend ihres Originalauslieferungszustands restauriert und mit der damals üblichen Farbgebung versehen worden.

Die BVG feiert das Tatra-Jubiläum am heutigen Sonntag von 10 bis 17 Uhr mit Sonderfahrten ihrer Oldtimer. Alle 20 Minuten starten historische Tatra-Fahrzeuge zu Nonstop-Rundfahrten. Auf mehreren Routen sind die Wagen ab der Endhaltestelle Alexanderplatz/Dirck­senstraße unterwegs. Der Sonderfahrschein kostet 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Das eingenommene Geld kommt dem Denkmalpflege-Verein zugute.