Berlin-Mitte

Ein Blick in die neue Rettungsstelle der Charité

Die Charité erhält in Berlin-Mitte eine neue Rettungsstelle für Notaufnahmen mit OPs und Intensivstationen. Wir waren zu Besuch.

Der Operationssaal der neuen Rettungsstelle

Der Operationssaal der neuen Rettungsstelle

Foto: Wiebke Peitz/Charite

An der Charité wird großer Wert auf Pünktlichkeit gelegt. Am Freitag hat der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl symbolisch vom Generalunternehmer den Schlüssel für den Neubau in Mitte überreicht bekommen, in dem Operationssäle, Intensivstationen und die neue Rettungsstelle untergebracht wurden. Der Festakt begann wie geplant um 11 Uhr – präzise auf die Minute.

Noch wichtiger: Das Gebäude selbst liegt, wie alle Bauprojekte des Universitätsklinikums in jüngerer Zeit, im Zeit- und Kostenplan – obwohl sich die Verantwortlichen bereits vor mehr als sechs Jahren festgelegt haben, den Neubau im dritten Quartal 2016 fertigzustellen. „Berlin kann’s eben“, sagte Einhäupl. Das war sicherlich nett gemeint, gilt aber angesichts des BER und der Staatsoper doch eher für das eigene Haus als für die Stadt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte bei der Schlüsselübergabe dann auch zu Einhäupl: „Wenn Sie nicht aufpassen, berufe ich Sie in den Aufsichtsrat des Flughafens.“

202,5 Millionen Euro für Vorhaben geplant

Die Stimmung war gelöst, was nicht nur am schönen Spätsommerwetter lag. Es war ein großer, ein wichtiger Tag für die Charité. Immerhin macht der Neubau mit knapp 7800 Quadratmetern Nutzfläche für OP-Trakt, Intensivmedizin und zentrale Notaufnahme mehr als ein Drittel vom größten Bauprojekt des Universitätsklinikums aus. 202,5 Millionen Euro sind für das gesamte Vorhaben veranschlagt. 70 Millionen Euro fließen in dieses Gebäude, der Rest in die Sanierung des Bettenhochhauses, das Ende dieses Jahres fertiggestellt sein soll.

Dann bekämen die Berliner das modernste Krankenhaus Europas, sagte Einhäupl vor rund 150 geladenen Gästen, zu denen auch die Senatoren für Wissenschaft und Finanzen, Sandra Scheeres und Matthias Kollatz-Ahnen (beide SPD), zählten. Für viele Menschen sei die Charité erste Anlaufstelle, etwa in der Rettungsstelle, für viele aber auch die letzte Instanz, sagte Einhäupl. Um diese Aufgabe zu erfüllen, wird im Neubau ein „Kompetenzzentrum der Neuromedizin“ etabliert“, wie der Ärztliche Direktor, Ulrich Frei, erklärte. Die 15 Operationssäle seien vollständig digitalisiert und mit einem gänzlich neuen Informationssystem ausgestattet.

Operationssäle mit Tageslicht

Alle Befunde und Bilddaten des Patienten seien dort verfügbar. Zwei der OP-Säle wurden als Hybrid-Säle mit inte-grierter Bildgebung eingerichtet. Herzstück des neurochirurgischen Zentrums ist ein OP mit direkt angeschlossenem Magnetresonanz-Tomografen (MRT). Der Operateur kann den Eingriff kurz unterbrechen und im MRT prüfen, wie die Operation weiterverlaufen muss. Zwei weitere Besonderheiten: In die OP-Säle dringt Tageslicht, und die Wände sind nicht gefliest, sondern mit Platten verkleidet, die als ungemein resistent gegen Beschädigungen und Verschleiß gelten.

Im intensivmedizinischen Bereich stehen 71 Betten in Ein- und Zweibettzimmern. In jedem Zimmer sind Deckenkräne angebracht, die die Pflegekräfte beim Lagern der Patienten unterstützen. Das hilft, Rückenbeschwerden beim Personal zu vermeiden. Ein Patientenzimmer ist im Rahmen eines Pilot- und Forschungsprojekts mit einer speziell beleuchteten Zimmerdecke versehen. Das Licht kann verschiedene Tageszeiten simulieren und dem Patienten helfen, sich nach der OP besser zu orientieren.

Späte Ehre für Chirurg Rudolf Nissen

Die neue Rettungsstelle, in die auch ein Schock-Reanimationsraum für schwere Notfälle integriert ist, bekommt eine neue Zufahrt und wird über die Philippstraße erreichbar sein. Die Notaufnahme gehe Ende Oktober in Betrieb, sagte Ulrich Frei der Berliner Morgenpost, OP-Säle und Intensivmedizin in zwei bis drei Monaten. Zunächst müsse die Technik eingemessen werden, Probeläufe für das Personal seien ebenfalls erforderlich. Das innen in Weiß und unterschiedlichen Gelbtönen gehaltene, östlich vom Bettenhochhaus gelegene Gebäude heißt offiziell „Charité Notfallzentrum Mitte – Rudolf-Nissen-Haus“. Damit erfährt der angesehene Chirurg Nissen eine späte Ehrung. Der Jude wirkte von 1927 bis 1933 an der Charité, musste auf Druck der Nationalsozialisten das Klinikum verlassen und emigrieren.

Christian Kilz, Bauchef der Charité, erklärte den Gästen, wie es gelang, im Zeit- und Kostenplan zu bleiben. „Diesem Ziel alles unterordnen, einen Generalunternehmer einsetzen und die Nerven behalten.“ Sein Fazit: „Durchgezogen und nicht verzettelt.“

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