Studentenwohnungen

Stadtbad Wedding wird im Schnellgang abgerissen

Das Stadtbad Wedding war Zentrum für Künstler und Kreative. Der neue Besitzer will nun an seiner Stelle Studentenwohnungen bauen.

Der Unternehmer Arne Piepgras hatte das Stadtbad Wedding an der Gerichtstraße 2009 gekauft und wollte eine Eventlocation daraus machen

Der Unternehmer Arne Piepgras hatte das Stadtbad Wedding an der Gerichtstraße 2009 gekauft und wollte eine Eventlocation daraus machen

Foto: Marion Hunger

Seit Jahren liegt das Stadtbad Wedding an der Gerichtstraße auf dem Trocknen. 1999 musste es geschlossen werden – zu unhygienisch, zu marode, so die Begründung. 2009 kaufte der Unternehmer Arne Piepgras das Bad vom Liegenschaftsfonds und wollte es zu einer Kulturlocation entwickeln. Jetzt hat das Gebäude wieder einen neuen Besitzer.

Nach Informationen des Bündnisses „Stadt von Unten“, in dem Bewohner, Architekten und stadtpolitische Initiativen vereint sind, hat die Lambert-Unternehmensgruppe aus Regensburg das Gebäude gekauft, mit der Absicht, dort Studentenwohnungen zu errichten. Der Abriss hat begonnen. Von der Firma in Bayern war am Freitag keine Bestätigung zu erhalten.

Bedauern bei Politikern – Bezirk kann Abriss nicht verhindern

„Ich bedauere den Abriss des Gebäudes ebenso wie die Ankündigung des alten Eigentümers, seine ursprüngliche Planung zum Erhalt als Kunst- und Kulturstandort nicht umsetzen zu wollen“, sagt Carsten Spallek (CDU), Baustadtrat in Mitte. In der Vergangenheit seien leider auch angekündigte Investitionen nicht umgesetzt worden. Insbesondere die Umbauten für einen funktionierenden Brandschutz und die Brandsicherheit wären zwingend notwendig gewesen. Diese seien aber nicht erfolgt.

„Ich bin enttäuscht, dass der Eigentümer nicht in eine öffentliche Diskussion über eine etwaige andere Nutzung getreten ist“, sagt Spallek. Stattdessen werde jetzt mit Studentenwohnungen auf eine an Rendite orientierte Nutzung gesetzt.

Den Abriss aber kann der Baustadtrat nach eigenen Aussagen nicht verhindern. Das Stadtbad ist kein Denkmal. Daher muss nur eine Abrissanzeige geschrieben werden, eine Genehmigung ist nicht erforderlich.

Auch die Bezirksverordneten der Grünen in Mitte bedauern den Abriss des alten Stadtbades. Damit werde ein wichtiger Kulturort vernichtet, sagt Jenny Neubert, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion. Die Bezirkspolitik müsse sich einmischen, damit die Gerichtstraße künftig ein lebendiger Kiez mit Kultur, Gewerbe und bezahlbarem Wohnraum bleibe. Stadtplanung den Investoren zu überlassen sei zu wenig. „Den Abriss im Schnellverfahren halten wir für den falschen Weg“, sagt Neubert.

Bauamt schloss das Bad 2015 wegen Brandschutzmängeln

Im Jahr 1907 wurde das Stadtbad eröffnet, im zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 auf den Grundmauern wieder aufgebaut. Unter dem Namen „Stattbad“ sollte in den vergangenen fünf Jahren ein Zentrum für Kunst und Kreative in der alten Badeanstalt aufgebaut werden. Es entstanden Ateliers, Werkstätten und Büros, im Keller war ein Clubbetreiber eingezogen.

Im Mai 2015 musste das Stadtbad Wedding geschlossen werden. Das Bauamt des Bezirks hatte eine weitere Nutzung aufgrund von Brandschutzmängeln untersagt. Außerdem war der Clubbetrieb mit Diskothek nie genehmigt worden, weil er in einem Wohngebiet wegen des Lärmschutzes nicht zulässig ist. Auslöser für die Überprüfung des Amtes und das Verbot war eine anonyme Anzeige.